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Karriere als Kanzleipartner : „Ihr müsst auffallen!“

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Stephan Spehl, Daniela Weber-Rey und Jörg Risse (von links) Bild: Wresch, Jonas

Junge Anwälte, die Partner werden wollen, beißen in großen Wirtschaftskanzleien oft auf Granit. Daniela Weber-Rey, Stephan Spehl und Jörg Risse haben es geschafft. Die drei erfolgreichen Partner erzählen, wie es geht. Ein Leitfaden zum Karrieremachen - auch in anderen Berufen.

          Herr Spehl, heute habe ich Ihren Rat im Buch „Partner werden in der Anwaltskanzlei“ beherzigt und Weintrauben in mein Büro gestellt. Was soll das bringen?

          Spehl: Traffic soll das bringen. Traffic in Ihrem Büro.

          Und damit werde ich Partner?

          Spehl: Sie müssen natürlich die Balance wahren zwischen demjenigen, der mit seinem Feldbett in seinem Büro wohnt und dem ,Social Animal’. Aber es ist jedenfalls ein wichtiges Kriterium, dass man Sie kennt.

          Weber-Rey: Während der Fusion von Clifford Chance und Pünder vor zwölf Jahren sagte unser Berater David Master einem frustrierten jungen Kollegen mal: ,Sie haben das alles selbst in der Hand. Wenn Sie mit einem Partner zusammenarbeiten wollen, dann bringen Sie ihm einen Kaffee und reden Sie mit ihm.’ Recht hat er! Die Associates müssen sich Wege zur Kommunikation mit den Partnern schaffen.

          Den Associates wird geraten, mit den Kollegen Mittagessen zu gehen, bei der Weihnachtsfeier dabei zu sein, Selbstvermarktungsbücher zu lesen und ein eigenes Buch zu schreiben. Wann sollen Anwälte eigentlich noch arbeiten?

          Weber-Rey: Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein einziges Marketing-Buch gelesen und habe das auch nicht vor. Ich habe einfach nicht die Zeit dazu. Außerdem glaube ich, dass in unserem Beruf Authentizität absolut entscheidend ist.

          Herr Risse, aber Sie sagen, als Anwalt muss man Verpackungskünstler sein.

          Risse: Die Anwälte, die zu uns in die Kanzlei kommen, sind juristisch alle exzellent. Das ist kein Unterscheidungsmerkmal, damit gewinnen Sie keinen Blumentopf. Erfolgreich machen Sie soziale Kompetenzen: Sie müssen sich vernetzen können, und Sie müssen den richtigen anwaltlichen Rat auch richtig verpacken. Und daran mangelt es den jungen Kollegen stark. Sie können vor Gericht dem Richter zehn Argumente auf einmal vortragen, doch das ist schlecht. Warum? Wenn man bei Argument 10 angekommen ist, hat er Argument 1, 2 oder 3 vergessen. Was ist der Eindruck des Richters? Ist dieser Fall kompliziert! Das wollen Sie aber nicht. Sie wollen, dass er drei Argumente hört und sagt: Sie haben recht.

          Was machen Sie denn mit Kollegen, die die Leistung nicht bringen? Suchen Sie das klärende Gespräch?

          Weber-Rey: Unbedingt. Rückmeldungen zur Leistung sind genauso essentiell wie zu manchen banalen Dingen: die Knoblauch-Wolke im Büro zum Beispiel. Das kann ein Karrierehindernis sein. Oder wenn sich jemand unangemessen anzieht.

           Wie gehen Sie da vor?

          Spehl: Ich persönlich sehe die übliche Muttertagsbewertung skeptisch. Das ganze Jahr über lässt man den Associate in Ruhe, aber einmal im Jahr kriegt er eine Rundumbewertung. Ich bin ein Anhänger des täglichen Feedbacks. Dann ist die Hemmschwelle gar nicht erst da. Immer sofort beim Kaffee oder beim Mittagessen.

          Risse: Manchmal kann man auch über Eck spielen. Wenn mir das selbst zu peinlich ist, spreche ich einen anderen Associate an mit der Bitte, weiterzugeben, dass die Schuhe nicht geputzt sind und beim Meeting nicht aus der Flasche getrunken werden soll.

          Weber-Rey: Das fordern die ja auch ein. Die jungen Leute heute haben wesentlich höhere Anforderungen an uns als wir damals an unsere Partner. Sie wollen ständig begleitet werden und Feedback hören. Sie sind sich ihres Karrierewegs auch sehr viel sicherer als damals - und wissen auch ganz genau, welchen Karriereweg sie nicht wollen.

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