http://www.faz.net/-gyl-8x3wp

Italiener bekommt Rente : Tumor vom Mobiltelefon

Zu oft das Handy am Ohr. Macht das wirklich krank? Bild: dpa

Kann mobiles Telefonieren zu einer Berufskrankheit führen? Ein italienischer Richter sagt: ja. Und erkennt den Gehirntumor eines Arbeitnehmers als Folge seiner vielen Handytelefonate an.

          Ein italienischer Richter in der piemontesischen Kleinstadt Ivrea hat erstmals einen Zusammenhang zwischen häufigen Telefonaten mit dem Mobiltelefon und einem Tumor hergestellt. Ein 58 Jahre alter Mitarbeiter der Telefongesellschaft Telecom Italia hatte geklagt, weil er von 1995 bis 2010 täglich mindestens drei oder vier Stunden am Mobiltelefon verbrachte. Zuletzt wurde bei ihm ein gutartiger Tumor entdeckt und entfernt, doch ist seitdem sein Hörvermögen auf dem einen Ohr beeinträchtigt.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Der Telecom-Mitarbeiter namens Roberto Romeo sagte, er habe am Telefon eine Gruppe von Technikern im Außendienst koordinieren müssen. Auf die Risiken des häufigen Gebrauchs des Mobiltelefons sei er nicht hingewiesen worden, in der Firma habe es keine externen Kabel für Mikrofon und Ohrhörer gegeben, ebensowenig Sprechanlagen im Auto.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          Die digitale F.A.Z. PLUS

          Die F.A.Z. stets aktuell, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken.

          Mehr erfahren

          Richter Luca Fadda entschied in erster Instanz, dass der Mitarbeiter eine berufsbedingte Erwerbsminderung von 23 Prozent erlitten habe und künftig von der gesetzlichen Unfallversicherung monatlich 500 Euro an Rente erhalte müsse. Die Rechtsanwälte des geschädigten Telecom-Mitarbeiters sagten, „erstmals hat die italienische Justiz die Plausibilität eines Zusammenhangs zwischen Mobilfunk und Tumor festgestellt“.

          Aufmerksam verfolgt wird die Entwicklung von den vielen kleinen Verbraucherorganisationen, die in Italien um Aufmerksamkeit buhlen. Eine von ihnen kündigt nun eine „Class-Action“ an, weil bei Mobiltelefonen wie bei Zigaretten vor dem Gebrauch gewarnt werden müsse. Italiens Medien gehen allerdings sehr vorsichtig mit der Nachricht um: Wissenschaftlich sei ein Zusammenhang nicht bewiesen, heißt es übereinstimmend, auch in Zeitungsgesprächen mit Onkologen.

          Die linksliberale Zeitung „Repubblica“ kommentiert, dass leider die Richter nicht auf die Seriosität ihrer Gutachter achten müssten. Die Meinung eines Unbekannten sei genauso viel wert wie die eines berühmten Fachmanns. So komme es, dass in der Vergangenheit Richter die Tumorbehandlung auf Staatskosten bei einem Scharlatan anordneten, Impfungen für einen Fall von Autismus verantwortlich machten und dafür Schadenersatz anordneten, oder ein Verwaltungsgericht in Rom den wissenschaftlichen Erkenntnisse der staatlichen Arnzeimittelagentur widerspreche. Das Urteil von Ivrea gehöre in diese Serie von unglücklichen Entscheidungen.

          Weitere Themen

          Gigantischer Krater nach Explosion Video-Seite öffnen

          Lkw-Kollision in Italien : Gigantischer Krater nach Explosion

          Laut italienischen Medienberichten prallten auf der Autobahn in der Nähe des Flughafens von Bologna ein Tanklastwagen und ein Autotransporter zusammen. Den Berichten zufolge gab es mindestens einen Toten und mehr als 50 Verletzte.

          Topmeldungen

          Deutscher Investitionsstau : Prioritäten nach Genua

          Öffentliche Infrastruktur kostet – dennoch fährt Deutschland weiter auf Verschleiß. Damit sich Genua nicht in Leverkusen oder Wiesbaden wiederholt, muss die Politik endlich handeln. Ein Kommentar.

          So stark wie lange nicht : Die erbarmungslose Rückkehr der Taliban

          Nichts ist gut in Afghanistan: Die Taliban terrorisieren wieder ganze Städte und kontrollieren immer größere Gebiete des vom Terror gezeichneten Landes. Wie konnte es dazu kommen? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.