27.11.2007 · Über Immobilienmakler hat fast jeder eine Meinung - und jetzt das: 995 Euro verlangt der I-Makler für seine Vermittlung. Zahlen soll der Verkäufer. Ein Schnäppchen oder bloß ein Werbegag, wie die Konkurrenz vermutet?
Von Birgit OchsEiner, der schlecht über den eigenen Verein spricht, gilt als Nestbeschmutzer. Und als ein solcher steht Harald Blumenauer in den Augen vieler seiner Kollegen zurzeit da. Die Rolle ist dem 55 Jahre alten "Urgestein der deutschen Maklerszene", wie er sich selbst nennt, offenbar alles andere als unbehaglich.
Schließlich sieht sich Blumenauer mit seiner Kritik an der deutschen Wohnungsvermittlerbranche auf der Seite der Mehrheit der Wohnungsmieter und Hauskäufer (So kassieren die Makler ab). Unter ihnen ist das Image der Maklergilde schlecht: keine Leistung für eine horrende Provision, lautet das Urteil. Und wenn Blumenauer über seine Kollegen redet, klingt das kaum anders. "Die Branche betont immer ihre Professionalität und dass sie gute Arbeit leistet. Aber die gefühlte Leistung ist mehr als das, was wirklich erbracht wird", sagt der Immobilienvermittler. Folglich sei einfach nicht zu erklären, warum und für welche Leistung der Käufer eine Maklerprovision von teilweise bis zu 6 Prozent zahlen solle.
Blumenauer ist Chef von I-Makler. Das Unternehmen aus Bad Soden vermittelt über das Internet Wohnimmobilien in ganz Deutschland. Die Kosten liegen bei 995 Euro. Es zahlt der Verkäufer - unabhängig davon, ob die Vermittlung erfolgreich ist. Vergleich: Bei einem Hauskauf in München über einen herkömmlichen Makler werden bei einem Kaufpreis von 450.000 Euro etwa 32.000 Euro fällig, heißt es bei I-Makler. "Das ist viel zu teuer", kritisiert Blumenauer.
Irritation in der Branche
In der Branche haben das Angebot des Hessen und seine Kritik an der eigenen Zunft für Irritation gesorgt. Wie man von 995 Euro leben wolle und welche Leistung man dafür überhaupt erbringen könne, fragen sich Blumenauers Berufskollegen. Schließlich ist die Konkurrenz groß.
I-Makler beschreibt seine Geschäftsidee wie folgt: Das Unternehmen übernehme für seine Auftraggeber die Marktwerteinschätzung des Objekts, das dann im Internet möglichst detailliert präsentiert werde. "Da können sie heute Interessenten einen sehr genauen Eindruck verschaffen und des Maklers Zeit und Geld sparen", sagt der I-Makler-Chef. Dass Kollegen Interessenten noch an Straßenecken bestellen und bis dahin keine genauen Einzelheiten über die Immobilie bekanntgeben, hält er für ineffektiv.
Anders als sonst üblich, müssen Blumenauers Kunden die Kaufinteressenten selbst durch die Räumlichkeiten führen. Doch was ist mit Eigentümern, die sich vor Besichtigungstouristen fürchten, die eigentlich keine ernsten Kaufabsichten hegen, aber mal sehen wollen, was alles so im Angebot ist? Man bemühe sich, im Vorfeld solche Besucher herauszufiltern, sagt Blumenauer. Interessenten müssten sich zunächst registrieren lassen, erst dann erhalten sie die Adresse eines Objekts. I-Makler überprüfe alle Angaben.
Das Unternehmen orientiert sich am Konzept des niederländischen Unternehmens Maklaarsland. "Das ist auch hierzulande die Zukunft", gibt sich Blumenauer zuversichtlich. Beim Maklerverband IVD reagiert man auf die Kritik Blumenauers an der Branche mit betonter Gelassenheit. "Was I-Makler macht, ist das klassische Schwiegersohn-Angebot, nur kostet es mehr", sagt Verbandssprecher Jürgen Michael Schick.
„Schwiegersohn-Angebot“
„Schwiegersohn-Angebot“, dass heißt, ein paar gute Digitalfotos ins Internet zu stellen. "Wesentlich mehr tun sie nicht", urteilt Schick. Die professionelle Vermittlung biete eine individuelle Objektbetreuung. Blumenauer offeriere bloß die Dienstleistung einer Werbeagentur. "Das ist etwas fürs Geschäft unter Laien", sagt der IVD-Sprecher. Auf die Laien setzt I-Makler-Chef Blumenauer durchaus. "Durch das Internet laufen immer mehr Verkäufe von Privat an Privat", sagt er, "die Makler haben das Nachsehen."
Bisher freilich läuft das Geschäfte für den Discount-Vermittler offenbar eher schleppend. Ein Besuch der I-Makler-Homepage unter der Rubrik "Suchen" ergab gerade mal zwanzig Angebote - im ganzen Bundesgebiet.
Birgit Ochs Jahrgang 1966, Redakteurin für „Immobilien“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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