29.05.2007 · Auf dem umkämpften Wachstumsmarkt haben einige Firmen die Zeichen der Zeit erkannt: Als Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel suchen sie erfahrenes und ausländisches Personal.
Von Christian GeinitzDie deutsche Halbleiterindustrie, mit rund 35.000 Mitarbeitern und 40 Prozent Marktanteil der Branchenführer in Europa, besinnt sich auf ältere und ausländische Mitarbeiter. Sie sind gefragt, weil es immer schwieriger wird, geeigneten Nachwuchs zu finden, vor allem aber, weil das Geschäft ein wachsendes Maß an Erfahrung und Internationalität erfordert. „Ich war kürzlich bei einem Hersteller mit Beschäftigten aus 35 Ländern, das ist nichts Außergewöhnliches“, sagt Christoph Stoppok, Geschäftsführer für Elektronische Komponenten im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Wer einen „multikulturellen Hintergrund“ habe und sogar eine asiatische Sprache spreche, sei hochwillkommen in deutschen Chipfabriken. Dabei ist der Zusatz „deutsch“ eigentlich irreführend, gehören die „Fabs“ doch ohnehin zu stark globalisierten Konzernen - seien es Intel, AMD, Infineon oder Qimonda.
Gemischte Teams sind die besten
Was die älteren Kräfte angeht, gilt offenbar immer weniger, dass man mit 45 Jahren zum alten Eisen zählt. In Dresden, Europas wichtigstem Halbleiterstandort, verlassen sich die Unternehmen auf gut ausgebildete Ingenieure und Facharbeiter, deren Erfahrung teilweise bis in die DDR-Zeit zurückreicht. Deshalb, sagt Stoppok, sei das Personal in Sachsen drei bis fünf Jahre älter als anderswo. „Die besten Teams sind die gemischten, mit jungen und alten, deutschen und ausländischen Mitarbeitern.“
Das liegt auch daran, dass junge Hochschulabsolventen etwa zwei Jahre im Betrieb brauchen, bis sie voll einsatzfähig sind. Dieses „learning on the job“ richtet sich vor allem an Physiker und Ingenieure - zumeist mit den Schwerpunkten Nachrichtentechnik oder Elektronik -, denen die chemischen Grundlagen fehlen. „Es geht in der Chipindustrie immer mehr um chemische Prozesse. Leider kenne ich keinen kombinierten Studiengang aus Elektrotechnik und Chemie“, sagt der ZVEI-Fachmann. Wer neben der Doppelqualifikation teamfähig, präsentations- und verhandlungssicher sei, könne schnell aufsteigen und es weit bringen. Der Chef von Infineon, Wolfgang Ziebart, ist gelernter Maschinenbauer, sein Vorstandskollege Peter Bauer Elektrotechniker.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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