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Gleichbehandlung Arbeitgeber sehen anonyme Bewerbungen skeptisch

05.08.2010 ·  Hohe Kosten, viel Bürokratie: Die Arbeitgeber sind wenig begeistert über die jüngsten Vorstöße aus der Regierung zur Einführung anonymisierter Bewerbungen. Unternehmen hätten von sich aus Interesse an Vielfalt in den Belegschaften und bräuchten dafür keine Vorschriften, heißt es von den Verbänden.

Von Joachim Jahn und Henrike Roßbach
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Die Arbeitgeber sehen die jüngsten Vorstöße aus der Bundesregierung zur Einführung anonymisierter Bewerbungen mit Vorbehalt. „Die Forderung danach konterkariert die Bemühungen der Unternehmen um Vielfalt in den Belegschaften“, heißt es in einer Stellungnahme des Arbeitgeberverbands BDA, die dieser Zeitung vorliegt. „Personalwirtschaftlich“ sei sie nicht praxistauglich. Unternehmen hätten ein eigenes Interesse daran, die Vielfalt in den Belegschaften zu stärken. Zudem seien solche Verfahren nicht ohne zusätzliche Kosten und Bürokratie realisierbar.

Anonyme Bewerbungen sollen dazu führen, dass niemand bei der Stellensuche wegen seiner Herkunft, seines Alters oder Geschlechts diskriminiert wird. Wenn Bewerbungen aus Antidiskriminierungsgründen weder ein Foto noch den Namen, Familienstand, Wohn- und Geburtsort oder das Alter enthalten dürfen, ist es für die Betriebe schwieriger, die Vielfalt ihrer Belegschaft gezielt zu steuern.

In vielen Firmen gehöre es fest zur Unternehmenskultur, die Vielfalt zu fördern, schreibt die BDA über das sogenannte „Diversity Management“. Ohnehin könne aus Angaben im Lebenslauf zu Ausbildungszeiten, Berufserfahrung und Sprachkenntnissen auf bestimmte Merkmale geschlossen werden. „Würde man aber alle persönlichen Angaben anonymisieren, wären die Bewerbungsunterlagen nicht mehr aussagekräftig.“ Sogar die Europäische Kommission empfehle in ihrem Musterlebenslauf im Internet, Angaben wie Geburtsdatum, Geschlecht und Staatsangehörigkeit zu machen und rate nicht von der Übersendung eines Fotos ab.

Pilotversuch der Antidiskriminierungsstelle

Hintergrund der Debatte ist ein Pilotversuch der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Daran beteiligen sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), das Integrationsministerium von Nordrhein-Westfalen, die Konsumgüterhersteller Procter & Gamble und L'Oréal und drei weitere Dax-Konzerne, die sich erst demnächst äußern wollen (siehe auch: Unternehmen testen anonyme Bewerbungen). Die Teilnahme ist freiwillig.

Arbeitsrechtler warnen allerdings alle anderen Unternehmen vor Rückfragen, wenn ihnen eine anonymisierte Bewerbung zugeschickt wird. Denn dann könne ihnen eine Absicht zur Diskriminierung etwa von älteren Bewerbern oder Ausländern unterstellt werden; daher drohten Schadensersatzklagen.

Scharfe Kritik kam vom Verband der Familienunternehmer. „Bewerbungsunterlagen, die Arbeitssuchende fast völlig unkenntlich machen, verteuern die Personalsuche und Einstellungen ganz erheblich“, sagte dessen Präsident Patrick Adenauer am Mittwoch. Unternehmen benötigten die Angaben von Alter und Geschlecht, weil diese für die Vergabe der meisten Arbeitsplätze von entscheidender Bedeutung seien. „Auswahlverfahren ohne diese Informationen erfordern unzählige zusätzliche Bewerbungsgespräche und Nachfragen.“

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Jahrgang 1959, Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.

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Jahrgang 1979, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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