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Gerichtsurteil Arbeitgeber darf Attest am ersten Tag fordern

Arbeitnehmer müssen sich künftig darauf einstellen, schon am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorzulegen, wenn der Arbeitgeber dies verlangt. Das hat das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschieden.

© dpa Auch ohne Grund darf der Arbeitgeber vom ersten Krankheitstag an ein Attest verlangen

Beschäftigte müssen auf Verlangen ihres Arbeitgebers schon am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch in Erfurt. Die Arbeitgeber müssen es auch nicht begründen, wenn sie bereits so früh auf die Vorlage eines Attests bestehen.

Gesetzlich sind Beschäftigte verpflichtet, ihren Arbeitgeber unverzüglich zu informieren, wenn sie wegen Krankheit ausfallen. Spätestens am vierten Krankheitstag muss eine entsprechende Bescheinigung eines Arztes vorgelegt werden. Das Entgeltfortzahlungsgesetz räumt dem Arbeitgeber aber auch das Recht ein, schon früher einen Krankenschein zu verlangen.

Infografik / Krankenstand in Deutschland © dpa Vergrößern

Die Klägerin hat sich daher in den Vorinstanzen bisher erfolglos gegen die Anweisung ihres Arbeitgebers gewehrt. Sie vertritt die Ansicht, dass die Weisung willkürlich sei und das allgemeine arbeitsrechtliche Schikaneverbot verletze. Außerdem argumentierte sie, dass bei ihr kein Missbrauchsverdacht hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Ihr Arbeitgeber hielt wiederum entgegen, dass er die Anweisung nicht begründen müsse.

Im Schnitt 9,5 Tage im Jahr krank

Der Anwalt der Klägerin sieht in der Anweisung eine Disziplinierungsmaßnahme, weil nicht von allen Mitarbeitern verlangt werde, am ersten Tag der Krankheit ein Attest vorzulegen. „Ich bin ein Mensch, der mit Fieber zur Arbeit kommt“, sagte die leitende Redakteurin, die seit 32 Jahren beim WDR arbeitet. „Ich liebe meine Arbeit.“

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In Deutschland waren Arbeitnehmer im vergangenen Jahr durchschnittlich 9,5 Arbeitstage krankgemeldet. Den niedrigsten Krankenstand der vergangenen 20 Jahre gab es 2007 mit rund 7,9 Fehltagen.

Quelle: dpa

 
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