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Veröffentlicht: 12.02.2013, 08:00 Uhr

Gehaltsverhandlungen Mehr! Geld! Jetzt!

Wer über sein Gehalt verhandeln möchte, sollte das rasch tun. Trotz allgemeiner Krisenstimmung stehen die Chancen auf eine Erhöhung gut - wenn man richtig argumentiert.

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© dpa Maidemonstration in Berlin 2012

Es gab einmal eine Zeit, da war unter Hochschulabsolventen ein Arbeitsplatz in der Werbung besonders begehrt. Partys bis zum Morgengrauen, Dreharbeiten an exotischen Stränden - und dafür noch bezahlt werden. Doch längst hat der Agenturnachwuchs Image und Realität abgeglichen und festgestellt: In kaum einer anderen Branche gibt es für so viel (Schreibtisch-)Arbeit so wenig Geld. Als kürzlich die Agenturen beklagten, sie fänden kaum noch qualifizierten Nachwuchs, machte der seinem Unmut auf Facebook Luft. „Weil sie nix zahlen wollen, deshalb!“ „Die Gehälter in den meisten Agenturen sind ein Witz.“ „Talent ist man nur bis 30 Jahre und unter 3000 Euro brutto.“

Julia Löhr Folgen:

Die Werbebranche mit ihren chronisch niedrigen Gehältern ist in Deutschlands Gehaltslandschaft ein Sonderfall. Doch auch anderswo beschleicht viele Beschäftigte das Gefühl, dass ihr Gehalt angesichts der immer weiter steigenden Arbeitsbelastung höher sein könnte. Personalfachleute raten zum Verhandeln. „Nur Mut, traut euch!“, ruft Tim Böger, Geschäftsführer des auf Vergütungsfragen spezialisierten Beratungsunternehmens Personalmarkt, zögerlichen Naturen zu. „Da viele Unternehmen im vergangenen Jahr gut verdient haben, ist es noch nicht zu spät.“

Infografik / Akademischer Lohn / Gehälter in 25 Akademiker-Berufen © F.A.Z. Vergrößern

Im vergangenen Jahr waren es vor allem die Führungskräfte, die ihre Einkommen deutlich steigern konnten. Das hat mit den erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteilen zu tun, die bei Führungskräfte in der Regel einen nennenswerten Teil des Einkommens ausmachen. Im Schnitt konnten Führungskräfte Personalmarkt zufolge ihre Bezüge im vergangenen Jahr um 7,4 Prozent steigern. Akademiker ohne Personalverantwortung kamen dagegen nur auf ein Plus von durchschnittlich 1,8 Prozent, Nichtakademiker auf 2,3 Prozent.

In diesem Jahr ist die Stimmung gedämpfter. Die schier endlose Schuldenkrise schlägt Verbrauchern und Unternehmen aufs Gemüt, selbst die robuste deutsche Wirtschaft wächst kaum noch. „Wenn Sie jetzt 10 Prozent mehr Gehalt fordern, lacht Ihr Chef Sie aus“, warnt Böger die Verhandlungswilligen. Mit einer Forderung von 5 Prozent mehr Geld in das Gespräch mit dem Chef zu starten, hält er da schon für realistischer. Für Führungskräfte erwartet Personalmarkt in diesem Jahr ein Plus von durchschnittlich 3,9 Prozent. Für Akademiker und Nichtakademiker ohne Personalverantwortung sehen die Berater dagegen nur ein Plus von im Schnitt 1,3 Prozent und damit nicht einmal einen Inflationsausgleich voraus.

Die beste Zeit für ein Gehaltsgespräch

Zwischen November und März ist die beste Zeit für ein Gehaltsgespräch, dann haben die Vorgesetzten noch Spielraum in ihren Budgets. Wie viel für den einzelnen Mitarbeiter drin ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Da ist zunächst einmal die Frage, wie es dem Unternehmen wirtschaftlich geht. Hat der Arbeitgeber sich ein Sparprogramm verordnet, gestalten sich Gehaltserhöhungen naturgemäß schwierig. Die Deutsche Bank etwa plant dem Vernehmen nach in diesem Jahr eine Nullrunde für Tausende außertariflich bezahlte Mitarbeiter. „Bei Opel werden Mitarbeiter nicht so viel Erfolg haben, bei BMW und Volkswagen brummt dagegen das Geschäft“, sagt Personalmarkt-Chef Tim Böger.

Auch die Frage, ob sich jemand bislang eher am untereren oder am oberen Ende des internen Gehaltsgefüges bewegt, spielt eine Rolle. Gleiches gilt für den Stellenwert der Tätigkeit. Eine Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum hat ergeben, dass ein Sachbearbeiter in einer Position mit hoher Komplexität im Schnitt 54 000 Euro im Jahr erhalte - 26 Prozent mehr als eine Fachkraft in einer Position, deren Aufgaben durchschnittlich anspruchsvoll sind. „Je wichtiger die Position für das Unternehmen ist, desto mehr Verantwortung muss der Mitarbeiter übernehmen. Das macht sich bei der Höhe der Vergütung ebenfalls positiv bemerkbar“, sagt Kienbaum-Vergütungsexperte Christian Näser.

Infografik / Akademischer Lohn / Einstiegsgehälter © F.A.Z. Vergrößern

Mehr Luft nach oben gibt es, wenn sich die Position verändert. Gute Karten hat zum Beispiel, wer ein besser dotiertes Angebot von der Konkurrenz vorweisen kann - das beste Mittel, um das eigene Gehalt in die Höhe zu treiben. Vorausgesetzt, man kann sich einen Jobwechsel auch tatsächlich vorstellen, falls sich der Chef nicht auf den Gehaltspoker einlassen sollte. Auch Beförderungen sind nicht nur ein Argument, sondern ein zwingender Anlass, über das Gehalt zu verhandeln. Für jede Hierarchiestufe 30 Prozent mehr, lautet die gängige Faustregel.

Vom früheren Ratschlag, in einem Gehaltsgespräch ausschließlich mit den eigenen Leistungen zu argumentieren und keinesfalls mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten, rücken Vergütungsfachleute mittlerweile ab. „Irgendwann können Miete und Lebensmittelpreise auch ein Argument sein“, sagt Personalmarkt-Chef Böger mit Blick auf die besonders in Großstädten drastisch steigenden Mieten. Solche Veränderungen könne der Arbeitgeber nicht ignorieren.

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Die Einstiegsgehälter haben sich zuletzt kaum verändert. Die Spanne bewegt sich von Jahresbruttogehältern in Höhe von 30.000 Euro für Grafikdesigner, Sprachwissenschaftler und Architekten bis hin zu jener magischen Summe von 100.000 Euro, mit der internationale Anwaltskanzleien um die Jura-Absolventen mit den besten Noten buhlen. In der Regel aber bewegen sich die Einstiegsgehälter zwischen 40.000 und 50.000 Euro. Berufseinsteiger mit Master-Abschluss verdienen im Durchschnitt 17 Prozent mehr als Berufseinsteiger mit einem Bachelor-Abschluss.

Immer wieder für Diskussionen sorgt die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern. Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt fast ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen, sagen sowohl das Statistische Bundesamt als auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Ein Teil dieses Verdienstabstands erklärt sich allerdings mit der unterschiedlichen Berufswahl, mit Kinderpausen und Teilzeitarbeit. Nach Einschätzung des Kölner IW-Instituts schrumpft die Gehaltslücke auf unter 2 Prozent, wenn Frauen nicht länger als anderthalb Jahre pausieren. Alles Weitere ist Verhandlungssache - am besten schnell.

Leseraktion

Verdienen die Kollegen mehr als ich? Oder verdiene ich mehr als die Kollegen? In den kommenden vier Wochen können F.A.Z.-Leser das unkompliziert in Erfahrung bringen. Die Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt bietet innerhalb dieses Zeitraums ihren sonst gebührenpflichtigen Gehaltscheck kostenlos an. Wer teilnehmen möchte, findet auf der Seite www.faz.net/gehaltscheck das entsprechende Formular. Abgefragt werden unter anderem Ausbildung, aktuelle Position, Gehalt, Sonderzahlungen, Branche, Standort und Unternehmensgröße. Sie müssen für den Gehaltscheck Ihren Namen nicht angeben. Erforderlich ist nur eine E-Mail-Adresse, an die später das Ergebnis gesendet wird.

Quelle: F.A.Z.

 

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