08.04.2012 · Ältere Arbeitnehmer leiden, wenn der Kollege am Schreibtisch nebenan mehr verdient – für Jüngere ist es hingegen ein Ansporn.
Von Patrick BernauRichtlinien für Lesermeinungen
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Das ist mir nun wirklich allzu billig, Kritik an unverdienten
Supergehältern als Neidkomplex abzutun.
Das Problem mit den überhöhten Managergehältern ist, dass
sie längst nicht mehr Leistungen wiederspiegeln. Die Bankchefs, die
das System beinahe, ach was, nicht nur beinahe, gegen die Wand gefahren
haben, bedienen sich schon wieder mit Millionen, obwohl die Fortexistenz
ihrer Unternehmen nur durch einen ungeheuren Kraftakt der Staaten
gesichert werden konnte. Das mit Millionen zu belohnen, ist geradezu
pervers und man kann nur inständig hoffen, dass das kein Ansporn
für die Jüngeren ist, sonst schwant mir Böses für
das ganze System.
Eine Frage der sozialen Kompetenz
Man kann andere Menschen auch um etwas beneiden, ohne missgünstig zu sein. Man beneidet andere um deren Geduld, Talent, Disziplin, Humor, Kompetenzen, Aussehen, Stil und/oder auch um deren Besitztümer. Egal, um was es sich handelt, man begehrt das, was andere haben, ohne sich doch zu wünschen, diese hätten es nicht. Möglicherweise würde man es nehmen, aber keineswegs will man es ihnen wegnehmen. Denn wer ehrlich bewundern kann, vermag auch ohne Neid neidlos zu sein. Eine Gesellschaft ohne Neid wird es nicht geben können, und sollte es auch nicht geben. Wer könnte sich ernsthaft eine Gesellschaft ohne Bewunderung (= generöser Neid) wünschen? Unterschiede können erfreuen oder auch schmerzen. Den großzügigen Neid mit dem aggressiv-destruktiven Neid auszubalancieren und zu versöhnen, ist die individuelle Persönlichkeitsbildung. In allen Lebensphasen.
Gehaltunterschiede bei großen Gehältern haben nicht immer mit...
Angebot und Nachfrage, Leistung und Anerkennung von Leistung zu tun. Es geht auch um Eitelkeit, Politik und manchmal lässt man sich das Schweigen etwas kosten. Ich kann mich noch erinnern, dass es hieß: "Bezahlen wir unsere Manager nicht gut, dann wandern sie ab, die Leistungsträger, z.B. nach Amerika". Amerikanische Bosse wurden daraufhin gefragt, ob man deutsche Manager benötigte. Die Antwort: Nei, wir haben selber hervorragende Manager. für deutsche Manager gibt es keinen Bedarf. Mittlerweile zieht dieses Argument sowieso nicht mehr. Die Frage, die man stellen darf, vor allen Dingen als Aktionär: Steht die Bezahlung eigendlich im richtigen Verhältnis zur Leistung? Könnete nicht ein günstiger Manager das gleiche leisten? Und leisten nicht Mitarbeiter in den mittleren und unteren Ebenen nicht entscheidend mehr für Ihre Firma, so dass sie besser bezahlt werden müssten? Ich als Aktionär stlle immer wieder diese Fragen, aber wenn man keine Sperrminorität besitzt ....
Das wage ich doch sehr zu bezweifeln. Es gibt Menschen, die neigen eben
zum Neid, andere dagegen nicht. Es handelt sich hierbei – wie
bereits von anderen Kommentatoren festgestellt - um eine
Charaktereigenschaft, die zumindest teilweise anerzogen ist.
Ich hatte als junger Vorgesetzter mehrere Mitarbeiter, die älter
waren als ich und ein höheres Gehalt bezogen als ich selbst. Ich
hatte kein Problem damit. So etwas kann eben passieren, wenn man
früh Führungsverantwortung erhält. Im übrigen geht
die Gehaltsentwicklung bei den meisten irgendwann (vielleicht abgesehen
vom Öffentlichen Dienst) in die Sättigung, d.h. der Zuwachs
geht gegen Null. Die Gehaltskurven zeigen dies deutlich. Wer sich
rechtzeitig damit vertraut macht, hat damit kein Problem.
Es hat wenig mit Neid zu tun, wenn die Abgehängten feststellen
müssen, daß alles was oben abgegriffen wurde, unten nicht
mehr ankommen kann und bei der Masse der sich selber Begünstigenden
zur Verarmung großer Teile der Bevölkerung geführt hat
und immer noch führt.
Am Ende wird es kommen, wie immer: Der letzte Kapitalist wird aus Gier
noch den Strick für viel Geld liefern, an dem er dann
aufgehängt werden wird.
Der Mensch will für seine Leistung Anerkennung ...
... und das wird für junge Menschen nicht anders sein als für Ältere. Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern ist Zeichen eines gesunden Selbstbewußtseins. Leider ist es Mode geworden, alles und jedes reflexhaft als "Neid" zu verunglimpfen. Spätestens wenn der Kollege für gleiche Leistung deutlich mehr Geld bekommt als man selbst, kommen auch die ans Denken, die so gerne anderen Neid unterstellen. Anerkennung für seine Leistung zu bekommen (ja, die zeigt sich auch in der Höhe des Gehalts) hat nichts mit Neid zu tun. Sich das allerdings bieten zu lassen, zeigt entweder eine gewisse Dummheit und/oder eine Störung im persönlichen Selbstwertgefühl. Es gibt sicherlich Arbeitgeber, die Angestellte mit dem Neidargument für dumm verkaufen wollen. Seriöse Arbeitgeber allerdings werden stets versuchen, solche Diskrepanzen unter ihren Angestellten zu verhindern.
Neid bezüglich Einkommen ist hierzulande über Generationen anerzogen ..
und könnte durch vernünftiges verständnis der Bedeutung von Geld sehr zurückgehen. Wer sich darüber klar wird, das verschiedene Dinge und Dienstleistungen je nach Moment und Person unterschiedliche Werte haben, sollte auch verstehen, das vor allem seltene und erwünhscte Leistungen gut bezahlt werden, sofern sich keine dritte Seite (z.B. Staat, Gewerkschaften etc.) in Preisverhandlungen einmischen. Und Geld spiegelt nur Wert - dazu wurde es vor Jahrtausenden erfunden, so das auch Menschen, deren Dienste nur hin- und wieder erbracht oder nachgefragt werden, davon leben können, weil sonst niemand dafür gefunden worden wäre.
Neid ist eine Charaktereigenschaft ...
... und hat mit dem Alter nichts zu tun.
neid hat meines Erachtens weniger mit dem Alter zu tun..
es ist vielmehr eine typisch deutsche Eigenschaft und hat etwas mit der
Sozialisierung des Menschen zu tun. Ich gehöre zu den Alten und
denke dennoch, dass mich das Einkommen meiner Mitmenschen weder
ärmer noch reicher macht.
Allerdings ärgere ich mich über die Einkommen der Politiker,
die für ihr Geld nichts, oder nur sehr wenig tun, denn diese
Gehälter, Pensionen und Ehrensolde gehen zu Lasten der Bevölkerung.