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Gehälter von Bankern Tue Gutes für die Boni

In Großbritannien arbeitet eine Bank an ethischen Maßstäben für die Bezahlung ihrer Manager. Auch in Amerika wird ehrenamtliches Engagement zunehmend entlohnt. Eine Schnapsidee, finden Kritiker.

© dpa Vergrößern Antony Jenkins will seine Banker nach ethischen Kriterien vergüten

Die Londoner City räumt mit ihrem Image auf. Vor dem Scherbenhaufen der Finanzkrise und nach Jahren rücksichtslosem Gewinnstrebens gibt sich die Londoner Bankenmeile „ethisch“. Das Paradebeispiel ist die Bank Barclays mit ihrem neuen Vorstandsvorsitzenden Antony Jenkins. Er will das Institut zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Kunden, Staat und Bürgern bewegen. Keine Bank ist von der Londoner Finanzaufsicht, der Bank von England und der Regierung so harsch für ihre brachiale Geschäftspolitik gerügt worden wie Barclays.

Doch wie zwingt man 140.000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt dazu, ethische Grundsätze an einem Arbeitsplatz einzuhalten, der bisher auf das Gewinnstreben gerade des Mitarbeiters, seiner Kollegen und des ganzen Instituts ausgerichtet war? Barclays hat deshalb den Anwalt und beratenden Banker bei Rothschild, Anthony Salz, beauftragt, der im nächsten Jahr aufzeigen soll, wie die Geschäftspraktiken verbessert und das Bezahlungssystem der Mitarbeiter an die neue Zielrichtung angepasst werden kann.

„Für etwas Richtiges zu zahlen ist eine Schnapsidee“

Noch sind die Details nicht festgelegt, wie die „neuen Werte“ und wie „besseres Verhalten“ der Mitarbeiter in die Berechnung von Bonuszahlungen einfließen sollen. Die Höhe der Boni wird normalerweise von Chefs mit Blick auf die Bewertung von Mitarbeitern durch deren Kollegen, Untergebenen und Vorgesetzten festgelegt. In diese Bewertung könnten auch ethische Aspekte einfließen. Aber wie sollen die definiert werden? Die Frage, ob ein Mitarbeiter Nordkorea bei der Geldwäsche helfen soll, ist leicht zu beantworten. Ist aber die Kreditvergabe und die Berechnung von Zinsen unmoralisch? Ethik und Moral sind dehnbare Begriffe.

 Minister of State for Trade and Investment Lord Green arrives at the Global Investment Conference in London © Reuters Vergrößern Laienprediger und ehemaliger Bankchef: Lord Green

Mit der Idee, Bankerboni an soziales Engagement zu koppeln, betritt Barclays Neuland. Nicht überall stößt das Vorhaben auf Zustimmung. „Das ist in Deutschland aktuell kein Thema und bleibt hoffentlich auch so“, sagt Michael Kramarsch, Vergütungsexperte des Beratungsunternehmens HKP. Vergütung ist seiner Meinung nach kein Allheilmittel, und soziales Engagement sollte viele sinnstiftende Motive haben. „Aber Geld dafür zu zahlen, etwas Richtiges und Wichtiges zu tun, ist eine Schnapsidee - das belegt auch die Forschung“, findet Kramarsch.

Was Unternehmen in Deutschland in den vergangenen Jahren zunehmend eingeführt haben, sind sogenannte Stakeholder-Ziele. Die erfolgsabhängigen Komponenten der Vergütung bemessen sich nicht mehr nur an den Finanzkennziffern wie Aktienkurs und Gewinn. 70 Prozent der Dax-Unternehmen berücksichtigen zum Beispiel die Mitarbeiterzufriedenheit, die in Umfragen erhoben wird. Auch Kundenzufriedenheit, Umweltschutz und die Attraktivität des Unternehmens in Arbeitgeberrankings spielen eine Rolle.

Geschäfte mit afrikanischen Diktatorenfamilien

Im angloamerikanischen Raum, von wo die Finanzkrise ihren Ausgang nahm, hat die Diskussion um die Verbindung von Wirtschaft und Ethik derweil Fahrt aufgenommen. Zweihundert Vorstände großer britischer Konzerne trafen sich Mitte September mit britischen Kirchenführern, um sich moralischen Rat zu holen. Schließlich haben nicht nur Banken ethische Fragen zu beantworten, sondern auch Waffenlieferanten wie BAE Systems oder Arzneimittelproduzenten wie Glaxo-Smith-Kline oder Supermarktketten, die in Indien Fuß fassen möchten. Die Vorstände gründeten mit den Kirchenführern eine Initiative, um Moral in die Geschäftsführung der Wirtschaft zu integrieren. Im Oktober vergangenen Jahres unterzeichneten die Chefs der fünf größten britischen Banken und zahlreicher kleinerer Finanzhäuser einen ethischen Verhaltenskodex. Er verpflichtet Banker, ihre Kunden, Mitarbeiter und Konkurrenten mit „Respekt und Integrität“ zu behandeln.

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