16.06.2010 · Zwingt Brüssel die Unternehmen dazu, eine Frauenquote für Führungspositionen einzuführen? Die zuständige Kommissarin Viviane Reding winkt ab. Die Wirtschaft solle erst einmal selbst aktiv werden. Wenn sie versage, könne man immer noch weitersehen.
Die EU-Kommission plant derzeit nicht, eine Frauenquote für die Führung von europäischen Unternehmen vorzuschlagen. Das sagte die Sprecherin der zuständigen Kommissarin Viviane Reding am Dienstag in Brüssel.
Reding bevorzuge, dass die Wirtschaft selbst aktiv werde. Sollten die Unternehmen jedoch keinen Weg finden, den Anteil von Frauen in Führungsposition selbst zu steigern, müsse die Kommission über andere Schritte nachdenken. Eine Quote bleibe aber das allerletzte Mittel, da sie ein starker Eingriff in die Freiheit der Unternehmen sei.
In dieser Hinsicht vertrete Reding exakt dieselbe Position wie die deutsche Familienministerin Kristina Schröder (CDU), sagte die Sprecherin. Es gebe aber darüber hinaus eine Reihe von Möglichkeiten, Unternehmen zur Förderung von Frauen zu bewegen. Konkrete Vorschläge gegen die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt will Reding im kommenden Jahr vorlegen.
Schröder: Wie ein Damoklesschwert
Schröder hatte am Vortag in einem Zeitungsinterview gesagt: „Das Beste an einer angedrohten Quote ist, dass sie wie ein Damoklesschwert wirkt.“ In den Meldungen darüber hieß es, Schröder werde zusammen mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ein Gesetz vorlegen. Dieses solle Unternehmen zwingen, ähnlich wie die Telekom eine Frauenquote festzulegen und zu veröffentlichen. Beide Ministerien dementierten dies jedoch.
Im März hatte die Deutsche Telekom als erster großer börsennotierter Konzern freiwillig eine Frauenquote eingeführt. Bis Ende 2015 sollen dort 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Konzern mit Frauen besetzt sein. Die Telekom argumentierte, Firmen mit einem höheren Frauenanteil erzielten ein signifikant besseres Ergebnis und eine höhere Rentabilität.