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Ethik-Verstöße im Büro : Schummeln für den Chef

  • -Aktualisiert am

Schmutzwäsche oder weiße Weste? Warum sich nicht alle Manager an die Ethik-Regeln halten. Bild: Frank Röth

Um überzogene Vorgaben zu erfüllen, greift jeder vierte Manager zu illegalen Mitteln. Klare Spielregeln für ethisches Verhalten im Betrieb sind fälliger denn je.

          Der normale Betrüger träumt vom Porsche; der Manager beim Tricksen und Täuschen im Beruf eher davon, hochgesteckte Unternehmensziele zu erreichen. Für Stefan Heißner, einem früheren Ermittler gegen Wirtschaftskriminalität und heutigen Berater der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY), reicht daher das gängige Profil „Männlich, 40, gierig nach Macht und Geld“ nicht aus, um mögliche Straftaten von Managern zu erklären: „In den meisten Fällen geht es nicht um persönliche Bereicherung, sondern darum, ehrgeizige Planzahlen zu erfüllen“.

          Wird es beispielsweise gegen Jahresende für die veranschlagten 11 Prozent Wachstum zu eng, verstärkt sich der Druck von oben, mit E-Mails oder Anrufen. „Nur wenige im mittleren Management antworten dann mit ,Nein, diese Vorgabe schaffe ich nicht‘“, beschreibt der EY-Mann eine typische Reaktion. Stattdessen schummelten viele lieber, etwa durch vorgezogenes Verbuchen von Umsätzen ins laufende Geschäftsjahr.

          Oft ist sich die Chefetage nicht bewusst, was manche Ansagen auslösen, und überrascht, wenn gegen die Compliance, also die Regel- und Gesetzestreue im Unternehmen, verstoßen wird. Doch dazu tragen die Zwischentöne ihrer Botschaft bei. Etwa, wenn dem mittleren Management bedeutet wird: „Wie die Verkaufszahlen besser werden, ist eure Verantwortung“, die Details der Umsetzung also bewusst ausgeblendet werden. „Damit schiebt die Unternehmensleitung ihre Verantwortung und Aufsichtspflicht von sich“, sagt Heißner.

          Führungskräfte mit starker Bindung zum Konzern gefährdet

          Vor allem bei systematischer Manipulation sind Spitzenmanager entweder beteiligt oder dulden das Vorgehen, ist auch Organisationssoziologe Markus Pohlmann überzeugt. Im Verbund mit Kriminologen und Juristen erforscht er an der Universität Heidelberg, wie Unternehmen von legalen Pfaden abkommen und was die Akteure dabei antreibt. Nach seinen Untersuchungen von globalen Affären oder Verfahren gegen Unternehmen, etwa im Nachgang des Siemens-Korruptionsskandals, sind Führungskräfte mit einer starken Bindung zum Konzern gefährdet, Grenzen zu überschreiten.

          „Mitarbeiter, die enorm lange Arbeitszeiten in Kauf nehmen, die den Konzern als Lebensmittelpunkt haben, nicht ihre Familie“, rechnet er zu diesem Kreis. „Mit den Jahren haben sie sich daran gewöhnt, hinderliche Regeln und Gesetze zu umgehen – in dem Wissen, damit nicht allein dazustehen.“ Mehr als die drohende Strafe zählten Anerkennung und Lob für ihre Erfolge im Unternehmen sowie das Gefühl, zum innersten Kreis zu gehören. Die Folgen ihrer Taten blieben für sie daher eher abstrakt. Ähnlich funktioniere das Aushebeln der politischen Kräfteverhältnisse in korrupten Ländern aufgrund von Zuwendungen an die Machthaber.

          Zudem fehle es in vielen Fällen an Unrechtsbewusstsein. Nicht zuletzt, weil in deutschen Unternehmen Schmiergeldzahlungen im Ausland noch bis 1998 legal waren. „Manche Mitarbeiter sind über 30,40 Jahre mit dem Gefühl sozialisiert worden, es gehe nicht anders und komme schon nicht heraus“, weiß EY-Berater Heißner zu berichten. Heute geraten solche Missetäter dagegen schnell ins Fadenkreuz der Ermittler. Es gibt enge Kontrollnetze, und Betriebsprüfungen fallen gründlicher als früher aus.

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