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Veröffentlicht: 01.01.2007, 07:00 Uhr

Arbeitszeugnis „Sie war sehr kontaktfreudig“

Was tun, wenn ein Zeugnis wenig schmeichelhaft ausfällt? Niemand muß ein unfaires Zeugnis akzeptieren. Vor Gericht ist aber die Beweisführung schwierig und der Kampf gegen Geheimcodes mühsam.

von Jochen Zenthöfer
© picture-alliance / dpa/dpaweb Gegen Arbeitszeugnisse kann man sich ähnlich gut wehren, wie gegen die Wertung von Punktrichtern.

Endlich - das Arbeitszeugnis ist eingetroffen. Dreimal mußte Thomas Rauber bei seinem früheren Arbeitgeber mahnen, sechs Wochen mußte er warten. Jetzt ist der 36 Jahre alte Buchhalter froh, eine Bewertung in den Händen zu halten, die positiv klingt. Als er sich daranmacht, das Zeugnis für neue Bewerbungen zu kopieren, beschleicht ihn aber ein komisches Gefühl.

Noch einmal liest er Zeile für Zeile nach. Da steht es: „Herr Rauber verfügte zunehmend über ein gewisses Zahlenverständnis.“ Was mag ein Personaler wohl über dieses „Lob“ für einen Buchhalter denken? Rauber beschließt, mit den Bewerbungen zu warten, und wendet sich an die Berliner Rechtsanwältin Dagmar Hildebrandt. Sie hält das Zeugnis für rechtswidrig: „Das war ein versteckter Code an den nächsten Arbeitgeber. Sein früherer Chef wollte Thomas Rauber schaden.“

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Gesprächsbereit zeigte sich der Zeugnisverfasser aber nicht. Erst vor Gericht konnte Rauber eine Löschung der Zeile erzwingen. Für die Anwältin ist das nur ein Fall von Hunderten - mitunter kuriosen - Zeugnisstreitigkeiten: „Eine Mandantin wollte in ein Zeugnis aufgenommen wissen, daß sie täglich die Bürokatze gefüttert habe. Sie verstand dies als Beweis für ihre breitgefächerte Qualifikation.“ Das Ansinnen blieb erfolglos. Doch in vielen der 26000 Zeugnisstreitigkeiten, die jedes Jahr die Gerichte beschäftigen, können die Arbeitnehmer sich durchsetzen.

1. Wann kann man ein Zeugnis verlangen?
Der Anspruch auf Erteilung eines Zeugnisses entsteht nach Paragraph 109 Gewerbeordnung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses, also wenn eine Partei kündigt oder der Vertrag sonst endet. Für Auszubildende gilt das gleiche gemäß Paragraph 8 Berufsbildungsgesetz. Der Anspruch verjährt zwar erst nach drei Jahren, kann aber schon vorher verwirkt sein, sagt das Bundesarbeitsgericht (BAG). Das geschieht, wenn man ihn längere Zeit nicht geltend macht und der Arbeitgeber den Eindruck gewinnt, man wolle kein Zeugnis. Wer etwa erst nach zehn Monaten Korrekturen verlangt, obwohl der Zeugnisaussteller die ganze Zeit erreichbar war, verwirkt seinen Anspruch (Az. 5 AZR 638/86). Wer dagegen ein Zeugnis verliert, kann ein neues verlangen. Dabei muß er sich nicht mit einer Kopie zufriedengeben. Die Kosten für die Zweitfertigung trägt aber der Arbeitnehmer.

2. Was tun, wenn der Arbeitgeber partout kein Zeugnis ausstellen will?
Bleibt das Zeugnis aus, sollte man zunächst eine Frist setzen, bevor man seinen Anspruch vor dem Arbeitsgericht geltend macht. Erfüllt ist der Anspruch, wenn das - maschinengeschriebene - Zeugnis einen ausformulierten Text enthält, der formell zutreffend, inhaltlich vollständig und in der Bewertung mindestens durchschnittlich ist.

Der Text muß auf sauberem Papier mit Firmenbriefkopf oder zumindest mit Firmenstempel geschrieben sein, wenn der Arbeitgeber diese Merkmale auch sonst für schriftliche Äußerungen nutzt (Az. 5 AZR 182/92). Übrigens: Das Zeugnis zu falten beinhaltet keinen Geheimcode - und nach Ansicht des BAG gibt es keinen Anspruch auf ein ungeknicktes Zeugnis (Az. 9 AZR 893/98).

3. Das Zeugnis ist mittelmäßig - kann man eine positivere Version verlangen?
Eine unterdurchschnittliche Leistung muß niemand beschönigen: „Für den Zeugnisinhalt gilt der Grundsatz: Wahrheit vor Wohlwollen“, sagt Rechtsanwältin Hildebrandt. Unzufriedene haben aber einen „Zeugnisberichtigungsanspruch“. Verurteilt das Gericht den Chef zur Korrektur inhaltlicher und formeller Fehler, muß der ein neues Zeugnis ausstellen - ohne Hinweis auf den Rechtsstreit.

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