Home
http://www.faz.net/-gyl-737pk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Arbeitsrecht Toilettenfrauen sind keine Trinkgeld-Bewacher

Sind Toilettenfrauen Trinkgeld-Bewacher oder Reinigungskräfte? Mit dieser Frage hat sich nicht nur so manche Privatperson, sondern nun auch das Sozialgericht Berlin auseinandergesetzt. Dabei kam heraus: „Schwerpunktmäßig“ jedenfalls ist das Putzen ihre Aufgabe.

© F.A.Z. Münzen bewachen reicht nicht: Auch das Putzen gehört zum Beruf der Toilettenfrauen, wie nun ein Gericht höchst offiziell festgestellt hat.

Die Frage stellt sich fast automatisch beim Besuch öffentlicher Toiletten: Sind die Toilettenfrauen Trinkgeld-Bewacher oder Reinigungskräfte? Das Sozialgericht Berlin hat es nun offiziell bestätigt: Die Damen seien „schwerpunktmäßig“ Reinigungskräfte, urteilten die Berliner Richter und dürften damit für einen radikalen Wandel des Berufsbildes sorgen.

Corinna Budras Folgen:

Allerdings sprach auch das Gericht in der Pressemitteilung über das betroffene Unternehmen nur als „Reinigungsservice“. Die Distanz signalisierenden Anführungszeichen dürften auf letzte Zweifel der Richter schließen lassen.

Mehr zum Thema

Es gilt der Tarifvertrag des Gebäudereinigerhandwerks

Damit gilt für sie der Tarifvertrag des Gebäudereinigerhandwerks mit den entsprechenden Gehältern. Der beklagte Arbeitgeber darf seine angestellten Toilettendamen also nicht mit einem Lohn zwischen 3,60 Euro und 4,50 Euro abspeisen, sondern muss ihnen den Mindestlohn von inzwischen 8,15 Euro zahlen – zuzüglich der entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge. Der betroffene „Reinigungsservice“ muss nun also für den Zeitraum zwischen 2005 bis 2008 für seine 23 Damen 118.000 Euro an Beiträgen nachentrichten.

Der Betrieb hatte dagegen vorgebracht, die Nachzahlung sei für ihn existenzvernichtend. Die weiteren Gegenargumente ließen tief blicken: Schwerpunkt der Toilettenfrauen, in der Regel Rentnerinnen, sei die Bewachung der Teller für das Trinkgeld gewesen, dies hätte 75 Prozent ihrer Arbeitszeit ausgemacht, gab der „Reinigungsservice“ an. Sie hätten dabei quasi als „Automaten“ gehandelt. Schließlich würde die Grundreinigung der Toiletten durch andere Mitarbeiter oder eine wiederum speziell beauftragte Firma durchgeführt (Aktenzeichen S 73 KR 1505/10).

Quelle: FAZ.NET

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wetzlar Flüchtlinge kritisieren fehlende Toiletten und Wartezeit

Seit Wochen harren sie in der Erstaufnahme aus: Flüchtlinge aus Wetzlar haben am Mittwoch vor dem Zeltdorf gegen ihre Unterbringung protestiert. Sie drohen sogar mit einem Hungerstreik. Mehr

26.08.2015, 18:46 Uhr | Rhein-Main
Chinesische Haft Frauen, die sich für öffentliche Toiletten einsetzten, wieder frei

China hat fünf Frauenrechtlerinnen freigelassen. Die Frauen hatten sich in der Vergangenheit für mehr öffentliche Frauentoiletten eingesetzt und gegen häusliche Gewalt protestiert. Mehr

15.04.2015, 16:53 Uhr | Gesellschaft
Guatemala Sieben Häftlinge tot in Gefängnis-Mülltonnen

Grausiger Fund in Guatemala: In den Mülltonnen eines Gefängnisses wurden sieben Leichen gefunden. Schon vor wenigen Wochen geriet die Hochsicherheitshaftanstalt El Boquerón in die Schlagzeilen. Mehr

27.08.2015, 04:14 Uhr | Gesellschaft
Flüchtlingspolitik Dramatische Lage in überfülltem Flüchtlingszentrum bei Wien

Minderjährige sind auf sich allein gestellt, Hunderte schlafen unter freiem Himmel, vor Essensausgaben und Toiletten bilden sich lange Schlangen. Die Lage für die Flüchtlinge im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen bei Wien ist dramatisch. Mehr

15.08.2015, 11:57 Uhr | Politik
Hockey-EM Deutsche Damen sicher im Halbfinale

Deutschlands Hockey-Damen gelingt gegen Schottland der angepeilte zweite Erfolg. Nun geht es für den EM-Titelverteidiger gegen England um den Gruppensieg. Mehr

25.08.2015, 08:13 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 28.09.2012, 15:45 Uhr