14.06.2007 · Auch wenn die Gesundheitspolitik versucht, dem entgegenzuwirken, nimmt die Nachfrage nach Medikamenten zu. Schon heute gibt es deshalb zu wenige Ingenieure und Facharbeiter. Dieser Trend könnte sich in den kommenden Jahren noch verstärken.
Von Michael PsottaGerät der Arbeitsmarkt in der Pharmaindustrie derzeit unter Druck? Die jüngsten Meldungen lassen Schlimmes befürchten: Weltmarktführer Pfizer baut 320 der 5200 Stellen in Deutschland ab; die an die dänische Nycomed verkaufte Altana Pharma AG streicht allein in Konstanz 800 von 3000 Arbeitsplätzen; und bei der britischen Astra Zeneca werden sogar knapp 1000 der 2300 deutschen Stellen aufgegeben. Doch eine Sprecherin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) will darin keinen neuen Trend erkennen. Vielmehr handele es sich in allen drei Fällen um Einzelschicksale von Unternehmen, die Rückschläge in Forschung und Entwicklung zu verkraften hatten und jetzt unter anderem die Kosten senken müssten.
Generell aber ist die Stimmung aus Sicht des VFA weiterhin positiv. So ist die Beschäftigtenzahl der Mitgliedsunternehmen, die ihre Präparate selbst erforschen, entwickeln und vermarkten und die damit vier von fünf Arbeitsplätzen der gesamten Pharmaindustrie stellen, zwischen den Jahren 2000 und 2006 stetig von 74.400 auf 95.100 gewachsen. Auch 2007 deute wenig auf eine Trendumkehr. Der VFA begründet dies damit, dass die Nachfrage nach Medikamenten schon aus demographischen Gründen zunimmt.
Anbieter loben Ausbildungsqualität in Deutschland
Die Nachfrage nach Ärzten, Pharmazeuten, Naturwissenschaftlern und Facharbeitern könnte aus der Sicht des Verbandes indes noch deutlich höher sein, wenn die Gesundheitspolitik nicht fortlaufend versuche, aus Kostengründen die Ausgaben für Medikamente zu drücken. Dies bestätigt auch ein Sprecher von Pfizer Deutschland, der einen psychologischen Effekt hervorhebt: Die großen ausländischen Anbieter stünden unter dem Eindruck, dass die Kostendämpfung im deutschen Gesundheitswesen vor allem zu Lasten der Pharmaindustrie ginge. Dies dämpfe den Willen zum Ausbau deutscher Forschungsstandorte.
Andererseits loben die meisten Anbieter die Ausbildungsqualität in Deutschland. Vieles deute darauf, dass von 2010 an zu wenig naturwissenschaftliche Nachwuchskräfte auf den Arbeitsmarkt kämen, heißt es bei Pfizer. Schon heute seien für die Fertigung nicht mehr genug Ingenieure oder Facharbeiter zu finden.
Michael Psotta Jahrgang 1957, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.
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