Der Arbeitsmarkt der Gaswirtschaft ist mit seinen etwas mehr als 30.000 Beschäftigten wahrlich überschaubar. Da ist es nicht verwunderlich, wenn man sich auf den Ebenen der Fach- und Führungskräfte untereinander kennt. Da bis vor kurzem echter Wettbewerb im Gasgeschäft keine besondere Rolle spielte, sind solche Bekanntschaften meistens freundlicher Natur. In diesem Klima haben sich eigene Arbeitsmarktregeln entwickelt. So ist es verpönt, beim Mitbewerber Menschen abzuwerben.
Das gilt insbesondere für die drei "Dickschiffe" im Markt - Ruhrgas, Wingas und RWE Gas. Marktführer Eon Ruhrgas beschäftigt allein knapp 13.000 Menschen. In Deutschland ist davon zwar nur jeder Dritte tätig; nämlich 2700 im Großhandelsgeschäft und 1400 in der Stadtwerksholding Thüga. Aber in der Summe besteht der deutsche Arbeitsmarkt zu 15 Prozent aus Ruhrgas-Kräften und fast zur Hälfte aus Mitarbeitern der international tätigen Gashändler. In diesen Großhandelsunternehmen werden Fach- und Führungskräfte normalerweise selbst herangezogen. Unter Universitätsabsolventen mit wirtschaftlicher, technischer oder juristischer Ausbildung können Konzerne wie Ruhrgas oder Wingas in der Regel auf ihnen bekannte Kandidaten zurückgreifen, die sich in Praktika empfohlen haben. Einzig in den anspruchsvollen technischen Einsatzgebieten besteht hoher Bedarf, so dass erfahrenes Personal von außen willkommen ist. Das gilt besonders für die Erdgasexploration, wo sachkundige, erprobte Naturwissenschaftler Mangelware sind und ihnen überdurchschnittliche Gehälter winken.
16.000 bis 17.000 Beschäftigte sind in den noch fast 1000 Unternehmen angestellt, die - meist als Stadtwerksabteilungen - für den örtlichen Einzelhandel zuständig sind. Mit dem anlaufenden Wettbewerb wird ein professioneller Vertrieb wichtig. Die Zeit der Zuteilung ist vorbei. Es müssen Konzepte der Kundengewinnung und -bindung eingeführt werden. Das bedeutet einerseits einen gewissen Fachkräftebedarf. Andererseits dauert die Konsolidierung an. Für Gasmanager wird der heimische Arbeitsmarkt per saldo bestenfalls stagnieren.
