Home
http://www.faz.net/-gyo-74pab
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Adventszeit Immer Ärger mit dem Resturlaub

Adventszeit ist Urlaubszeit - oft bummelt die halbe Belegschaft ihren Resturlaub ab. Jedenfalls, wenn der Arbeitgeber es erlaubt. Sonst kann es Ärger geben. Wir beantworten die drängendsten Fragen.

© ZB Vergrößern Auf und davon: Wer dem Chef entkommen will, sollte seine Urlaubsansprüche kennen.

Um den Anspruch auf „Erholungsurlaub“ ranken sich die skurrilsten rechtlichen Auseinandersetzungen: Mal kann er nicht, mal darf er nicht genommen werden - und dann greifen Arbeitnehmer auch schon mal zur Selbsthilfe. „Im Arbeitsrecht gibt es kaum einen Bereich, der so geprägt ist von Missverständnissen“, sagt Matthes Schröder, Partner der internationalen Wirtschaftskanzlei Hogan Lovells. Das hat sich seiner Ansicht nach allerdings drastisch geändert, nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) vor mehr als drei Jahren mit einer Grundsatzentscheidung zum Urlaubsanspruch langzeiterkrankter Mitarbeiter die bisherige Rechtsprechung ins Wanken brachte. Nach diesem Weckruf hätten viele Unternehmen ihre bisherige Praxis überarbeitet, findet der Hamburger Arbeitsrechtler.

Wie hoch ist der Urlaubsanspruch?

Corinna Budras Folgen:    

Das gesetzliche Minimum beträgt bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Werktage im Jahr, aber in den meisten Unternehmen gibt es mehr. Die genaue Höhe steht entweder im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag, auf den er verweist. Vorsicht allerdings vor Altersstaffelungen, die noch in einigen Verträgen stehen, denn das Bundesarbeitsgericht hat diese Möglichkeit, ältere Mitarbeiter mit mehr Erholungsurlaub zu belohnen, stark eingeschränkt. Arbeitgeber dürfen künftig nur noch für Mitarbeiter über 50 Jahre höhere Ansprüche vorsehen. Regelungen, die den Urlaubsanspruch schon vom 40. oder gar 30. Lebensjahr an ohne eine besondere Begründung erhöhen, verstoßen nach Auffassung der Erfurter Bundesrichter gegen das Verbot der Diskriminierung wegen des Alters. Wenn eine Benachteiligung vorliegt, muss sie nach oben angepasst werden.

Wann muss Urlaub genommen werden?

Zu strategischen Fehlern der Arbeitnehmer kommt es besonders häufig zum Jahreswechsel. Dann wird hektisch das verbliebene Urlaubskontingent durchforstet, in manchen Unternehmen ist im Dezember die halbe Belegschaft weg, weil noch schnell die letzten Urlaubstage abgebummelt werden. Denn grundsätzlich gilt: „Der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden.“ So steht es in Paragraph 7 Absatz 3 des Bundesurlaubsgesetzes. Allerdings gibt es Ausnahmen, etwa die Krankheit des Arbeitnehmers, ein dringender Auftrag oder eine verspätete Lieferung, die die Produktion verzögert. In diesen Fällen kann der Arbeitgeber den Urlaub verweigern, muss die restlichen Tage aber ins neue Jahr übertragen. Dann hat der Mitarbeiter Zeit bis Ende März, um den Resturlaub zu nehmen.

Habe ich einen Anspruch auf den Übertrag in das nächste Jahr?

Diese Praxis war früher verbreitet, weil viele Arbeitnehmer fürchteten, dass sie im Januar noch nicht genügend Urlaubstage für ihren Skiurlaub angesammelt haben. Dabei können Mitarbeiter im laufenden Arbeitsverhältnis natürlich auch schon im Januar Urlaub nehmen. Außerdem sieht das Gesetz die Übertragung als Ausnahme, nicht als Regel. Immer weniger Unternehmen sind bereit, ihrem Personal das Ansparen des Urlaubs für das nächste Jahr zu erlauben, weil dafür in der Bilanz Rückstellungen für „ungewisse Verbindlichkeiten“ verbucht werden müssen, die den ausgewiesenen Gewinn schmälern.

Kann der Arbeitgeber einen Urlaubsantrag ablehnen?

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber einen weiten Gestaltungsspielraum bei der Gewährung des Urlaubs, solange er sich dabei zumindest bemüht, auf die Wünsche des Arbeitnehmers einzugehen. Bestimmte Fristen muss er nicht berücksichtigen, theoretisch kann er auch im letzten Moment noch mit dem Hinweis auf betriebliche Gründe einen Urlaub verweigern. Ärgerlich ist das, wenn die Reise nach Bangkok schon gebucht ist. Hat der Arbeitgeber nämlich die notwendigen betrieblichen Argumente vorgetragen, bleibt der Mitarbeiter nicht nur enttäuscht zu Hause, sondern muss auch noch die Stornogebühren selbst tragen. Schwierig ist es übrigens bei der gängigen Unternehmenspraxis, dass jeder Mitarbeiter seinen Urlaub nur in eine Liste einträgt, ohne dass die freien Tage auch offiziell genehmigt werden. Vor einer teuren Reise sollte der Mitarbeiter lieber noch einmal nachfragen, rät Rechtsanwalt Schröder: „Auf die Urlaubsliste würde ich mich nicht verlassen.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kolumne Mein Urteil Dürfen ältere Mitarbeiter mehr Urlaub bekommen als jüngere Kollegen?

Jüngere Arbeitnehmer dürfen in der Regel nicht weniger Urlaub bekommen, als ältere. So will es seit 2006 das AGG. Doch in der Praxis halten sich manche Branchen nicht an dieses Gesetz. Ist das rechtens? Mehr Von Anja Mengel

17.12.2014, 14:30 Uhr | Beruf-Chance
Goldene Runkelrübe Volksbank Franken

Die Volksbank Franken wirbt mit diesem Video für sich als Top- Arbeitgeber. Warum ein Bewerber nahezu unbekleidet durchs Bild laufen muss, bleibt offen. Auch ist die Qualität der Umsetzung eher fragwürdig: Die Dialoge sind hölzern, die Produktion wirkt billig. Das Ganze ist schlichtweg peinlich. Die Frage bleibt offen, ob man sich darüber Gedanken macht, welche Außenwirkung dieser Film hat und wie er sich auf die Reputation als Arbeitgeber auswirkt. Offensichtlich aber nicht. Mehr

02.12.2014, 10:20 Uhr | Wirtschaft
Weihnachtswünsche Was Mitarbeiter wirklich motiviert

Viele Firmen nutzen Weihnachten, um sich bei ihren Mitarbeitern mit einem kleinen Geschenk zu bedanken. Doch über Schokolade, Wein und Schreibartikel sind die wenigsten wirklich glücklich. Sie haben andere Wünsche. Mehr

06.12.2014, 09:00 Uhr | Beruf-Chance
Meteorologen Weihnachten wenig winterlich

Wenig Hoffnung auf weiße Weihnacht: Für weite Teile Deutschlands sagen die Wetterexperten ein schneeloses Fest voraus. Mehr

18.12.2014, 18:27 Uhr | Gesellschaft
Gehalt als Motivationszulage Wie löchrig ist der Mindestlohn?

Ein Mann kämpft um seinen Job. Wegen des Mindestlohns droht er ihn zu verlieren. Viele andere Arbeitnehmer klagen bei den Gewerkschaften über Umgehungsversuche. Kommt eine Welle von Tricksereien gegen die neue Lohnuntergrenze? Mehr

14.12.2014, 11:15 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.12.2012, 08:00 Uhr