02.02.2007 · Müssen Manager authentisch sein, wie es in Personalanzeigen gefordert wird? Oder müssen Sie Ihre Rolle einfach gut spielen? Auch dafür gibt´s gute Argumente. Lesen Sie pro und contra - und stimmen Sie selber ab.
Von Peter FischerAuthentisch? Ja.
In einer Zeit, in der die Menschen von Botschaften überschüttet werden, suchen sie nach Glaubwürdigkeit. Entlang der alten Erkenntnis, dass nicht der Inhalt einer Botschaft über die Information entscheidet, die den Empfänger letztlich erreicht, sondern wie sie transportiert wird. Führungskräften, die konsistent, offen und ehrlich ihre Botschaften transportieren, gelingt es wesentlich besser, ihre Botschaften den Mitarbeitern zu übermitteln. Glaubwürdiges Verhalten schafft auch gleichzeitig Sicherheit, was besonders in Zeiten, in denen Krisen zu überwinden sind, den Mitarbeitern Orientierung gibt. Wer Orientierung und Sicherheit vorgelebt bekommt, fühlt sich motivierter und ist eher bereit, Leistung zu erbringen.
Führen heißt überzeugen
Führung, insbesondere in schwierigen Zeiten, hat noch immer etwas damit zu tun, Menschen zu überzeugen. Überzeugung verlangt aber immer glaubhaftes Verhalten, das heißt ein Verhalten, das von der inneren Überzeugung des Handelnden geleitet ist. Ob eine Führungskraft glaubwürdig ist, wird von den Mitarbeitern meistens als Erstes getestet. Menschen haben in der Regel ein gutes Gespür dafür, ob andere Menschen hinter ihrer Absicht stehen oder diese nur professionell verfolgen. Dies kann man etwa dann gut beobachten, wenn eine Führungskraft eine neue Aufgabe übernimmt. Zu den ersten Fragen der Mitarbeiter gehören stets die Fragen nach dem persönlichen Interesse des neuen Managers, nach seinen persönlichen Beziehungen, nach seiner Familie - kurz: nach dem Menschen, der sich hinter der Rolle beziehungsweise der Aufgabe verbirgt. Offensichtlich ist für Menschen die persönliche Beziehung noch immer von großer Bedeutung, und dies verlangt den Blick hinter die Fassaden.
Es ist für ihren beruflichen Erfolg wichtig, dass die Mitarbeiter der Führungskraft Vertrauen entgegenbringen. Dies geschieht nur dann, wenn die Führungskraft eine eigene persönliche Souveränität besitzt und unabhängige Wertmaßstäbe verkörpert. Mitarbeiter wenden sich mit Ideen und Konzepten wesentlich lieber an Führungskräfte, denen sie vertrauen und von denen sie sich ernst genommen fühlen. Hierzu ist menschliche Akzeptanz unabdingbar. Man wird als Entscheidungsträger weitaus eher akzeptiert, wenn man Charisma ausstrahlt und sich seiner eigenen Persönlichkeit bewusst ist. In Zeiten eines starken und stärker werdenden Wettbewerbs ist es zudem wichtig, dass Führungskräfte Mut zu Innovation und Veränderungen besitzen. Die Authentizität ist eine Voraussetzung für kreative Ideen und neue Perspektiven. Die durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck in das Arbeitsumfeld eingebrachte Verunsicherung und gefühlte Machtlosigkeit des Einzelnen muss in eine konstruktive und tragfähige Weiterentwicklung des Arbeitsumfeldes überführt werden. Diese Sicherheit kann nur erreicht werden, wenn die Führungsmannschaft im Einzelnen und als Team überzeugt und Mitarbeiter sich mit Führungskräften als eins verstehen.
Es macht mehr Spaß
Die Fokussierung von Unternehmen auf Kernprozesse und -kompetenzen entkoppelt den Mitarbeiter auf der emotionalen Ebene von seinem Umfeld. Eine Steigerung der Leistungsfähigkeit und Motivation ist langfristig nur möglich, wenn Führungskräfte auch als menschliches Bindeglied zwischen den Mitarbeitern und den Markterfordernissen fungieren. Insbesondere leistungsstarke Mitarbeiter, die sich nicht durch eine authentische und glaubhafte Führungskraft ins Unternehmen integriert fühlen, werden bald sich bietende Gelegenheiten für einen Wechsel innerhalb oder außerhalb des Unternehmens suchen. Dies führt zu nicht gewollter Fluktuation von Leistungsträgern und damit zu Effizienz- und Produktivitätsverlust.
Und last, but not least macht es einfach mehr Spaß, im Einklang mit sich selbst zu sein.