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Pro Floskeln machen das Leben leichter

13.08.2010 ·  Selbst der aufregendste Job ist gepflastert mit Standardsituationen in der Kaffeeküche, im Aufzug und am Telefon. Da ist es das Effizienteste, wenn man sie mit passgenauen Formulierungen kommentiert - und Fettnäpfchen vermeidet.

Von Corinna Budras
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Es gibt gewisse Grundprinzipien des Bürolebens, die lassen sich nur in Floskeln beschreiben. Denn wie lässt sich noch genauer auf den Punkt bringen, dass in einem Beschäftigungsverhältnis - entgegen den Anweisungen des Chefs - lediglich die Arbeitskraft und kein ewig währender Überlebenskampf geschuldet ist: „Ich bin doch hier auf der Arbeit und nicht auf der Flucht!“ Selbst der aufregendste Job ist nun einmal gepflastert mit Standardsituationen in der Kaffeeküche, im Aufzug, am Telefon, in der Tiefgarage. Da ist es das Effizienteste, wenn man sie mit passgenauen und vor allem umfassend erprobten Formulierungen kommentiert. So lassen sich Fettnäpfchen weiträumig umfahren, und es bleibt genügend Zeit, sich im gefährlichen Minenfeld des Bürolebens auf die wirklich heiklen Momente vorzubereiten: Treffen in der Arbeitsgruppe, Telefonkonferenzen, Chefgespräche.

Floskeln füllen Lücken, die gerade auch die Floskelfeinde im Büro auffallend selten mit bedeutungsschwangeren Weisheiten schließen. Einen Goethe mit Tiefgang haben auch sie an der Kaffeemaschine nicht zu bieten. Stattdessen macht sich depressives Schweigen breit. Und wer will ernsthaft bestreiten, dass ein fröhliches „Schalömchen“ beim Betreten des Großraumbüros mehr Freude verbreitet als ein dröges „Guten Tag“? Noch schlimmer sind Kollegen, die bei ihrer zeitraubenden Suche nach der individuellen Ausdrucksweise den Mund gar nicht aufbekommen.

Je abgegriffener eine Floskel ist, desto weniger Schaden richtet sie an. Mit einem beherzten „You can't beat experience“ kann man einem jüngeren Mitarbeiter mit geradezu heiterer Beschwingtheit seine ganze Unfähigkeit unter die Nase reiben, ohne eine Abmahnung wegen unkollegialen Verhaltens zu riskieren. Ich gebe zu: Sollen die Floskeln zu einer entspannten Büroatmosphäre beitragen, sind Regeln nötig: nur etwa ein Dutzend Floskeln am Tag, Wiederholungen möglichst erst nach einer guten Woche, lieber gar nicht während eines Streitgesprächs, schon gar nicht zur Auflockerung - dann erfreuen sich die kleinen Redewendungen größter Beliebtheit. Dass manche Kollegen mit der Floskelei den Bogen etwas überspannen, ist zwar ärgerlich, aber da muss man als ach so wortgewandter Individualrhethoriker drüberstehen. Da kann ich nur raten: Locker bleiben und gut aussehen.

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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