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Philipp Köllner, 29 Als Mittelständler zu wenig sichtbar

26.10.2007 ·  Für die Suspa Holding in Altdorf bei Nürnberg habe ich als Führungskraft an der Summer School teilgenommen. Für mich hat es sich gelohnt, für uns als Unternehmen muss die Bewertung differenzierter ausfallen.

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Mein Name ist Philipp Köllner, ich bin 29 Jahre alt und war eine der zehn Führungskräfte, die die Partnerunternehmen des Campus of Excellence in die Summer School entsandt haben. Mein Arbeitgeber, die Suspa Holding GmbH, nahm als Kunde der Commerzbank an dieser aufwendig inszenierten Veranstaltung teil. Seit mehr als einem Jahr nenne ich mich „Director“ - Leiter internationale Programme, Unternehmenskommunikation, Organisationsentwicklung, Marketing. Anders als auf dem Bild zu vermuten, bin ich es gewohnt, im Büro Anzüge zu tragen.

Suspa mit Sitz in Altdorf bei Nürnberg ist ein mittelständisches Unternehmen mit 1500 Mitarbeiten, ein Drittel davon in den Vereinigten Staaten, Indien, China und Tschechien, sowie Vertriebsgesellschaften in aller Welt. Wir fertigen für Konzerne wie etwa Porsche, Audi oder Hyundai Crash-Management- und Verstellsysteme, außerdem liefern wir zum Beispiel Dämpfer und Gasfedern für Waschmaschinen, Kühlschränke, Bürostühle.

Zwischen Weiterbildung und Werbung

Campus of Excellence, bringt das was? Ist das ein innovatives Weiterbildungsprogramm, das vermeintliche „Elitenetzwerke für den Mittelstand“ oder eine Werbeaktion eines Unternehmens? Sicherlich von allem etwas.

Mein Studium liegt erst einige Jahre zurück, so war mir die „Campus-Luft“, die das Willkommenswochenende an der Hochschule Hof verströmte, noch gut in Erinnerung. Der Rahmen hatte aber gar nichts von einer deutschen Univeranstaltung: Kennenlernen als improvisierende Musiker in der Sambaschule, anschließend Golfspiel; dazu Opernpremiere und Empfang in der Bürgergesellschaft, Business-Dinner. Natürlich wurde auch gearbeitet, das Programm war voller Termine.

Netzwerk trägt (noch) nicht

Passend zu unserer Wachstumsstrategie versprach die „Praxis Academy“ im Rahmen des Campus of Excellence eine gute Plattform für Talentförderung, -rekrutierung und Markenpositionierung zu sein - ein hochkarätiges Programm, vermutlich ein breites Presseecho, und engagierte, motivierte Studenten kurz vor dem Abschluss ihres Studiums. Doch so sehr sich die Zeit für mich persönlich gelohnt hat, so muss für uns als Unternehmen die Bewertung etwas differenzierter ausfallen. Was ich persönlich als Vorteil erlebt habe - Teamarbeit, Kommunikation auf Augenhöhe -, hat leider dazu geführt, dass die teilnehmenden Unternehmen kaum als „Netzwerkpartner“ und potentielle Arbeitgeber in Erscheinung treten konnten. Sie blieben zu wenig sichtbar, eine echtes Netzwerk für den Mittelstand wurde noch nicht geknüpft, was angesichts der nicht unerheblichen Teilnahmegebühren durchaus verbessert werden könnte.

Der Fachkräftemangel, um den es in unserer Gruppendiskussion immer wieder ging, spiegelte sich kurioserweise auch in der Zusammensetzung der Teilnehmer. Naturwissenschaftler und Ingenieure stellten leider nur einen kleinen Teil der angehenden Akademiker. Analog gilt das für die „Praxis Academy“ in der zwei Studenten ein Praktikum in unserem Unternehmen absolvierten. Ich hatte den Eindruck, dass ein Großteil der Studierenden schon weitere Praktika oder andere Angebote in der Tasche hatten, bevor sie sich für den Campus bewarben - was sehr schön ist für die Studenten, aber schade für die Unternehmen, die die jungen Leute vielleicht für sich gewinnen wollen.

Eine stärkere Fokussierung auf Mittelständler und deren Bedürfnisse, eine größere Anzahl teilnehmender Studenten bei überschaubaren Kosten und nachhaltigem Kontakt aller Teilnehmer, auch über den Zeitraum der Veranstaltung hinaus, sind meiner Ansicht nach die Zutaten, um das Programm auch zukünftig erfolgreich zu machen.

Philipp Köllner hat einen Bachelor-Abchluss in Forstwissenschaften von der Uni Göttingen, in Berlin hat er einen Master in Technologiemanagement draufgesattelt. Nach obligatorischen Praktika stieß er vor drei Jahren als Assistent der Geschäftsführung zur Suspa Holding und hatte gleich die Gelegenheit, in eine Führungsposition hineinzuwachsen.

Quelle: F.A.Z.
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