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Pflanzen im Büro : Die Krux mit dem grünen Daumen

Arbeitsplätze voller Grünpflanzen gibt’s wirklich: Co-Working-Space „Second Home“ in Lissabon Bild: Second Home/Iwan Baan

Pflanzen im Büro steigern angeblich Produktivität und Kreativität. Das hatte Kollege Meier gelesen. Bloß mit seinem grünen Daumen wollte es doch nicht so recht klappen.

          Als Fischer in das Büro seines Kollegen Meier kam, staunte er nicht schlecht: Das früher kärglich eingerichtete Zimmer, in dem Meier es in all den Jahren noch nicht einmal geschafft hatte, ein Bild oder auch nur einen Kalender aufzuhängen, war jetzt regelrecht vollgestopft. Mit Pflanzen. Auf jedem Zentimeter Fensterbank stand ein Töpfchen, auf dem Boden ragte aus einem Kübel ein Papyrus und verschlang seine Halme mit den Stacheln einer Stechpalme. Auf dem Schreibtisch befand sich ein Arrangement aus Küchenkräutern, Mimosen und sogar einigen fleischfressenden Pflanzen. Selbst an den Wänden hatte Meier Bretter angebracht, von denen Efeu-artige Arme hinunter-, hinauf- und zur Seite rankten. Eines dieser Gewächse hatte offenbar nicht mehr aufs Wandbrett gepasst und baumelte von Meiers Garderobenständer herab, was Meiers dunkelbraunem Mantel, der daneben hing, die Anmutung einer Tarnjacke verpasste.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          „Was ist denn ...“, setzte Fischer an zu fragen, doch Meier fiel ihm ins Wort. „Ich habe da mehrere Studien gelesen“, sagte er. Eine Pflanze je Quadratmeter könne die Produktivität eines Arbeitnehmers um bis zu 15 Prozent steigern. Das hätten Psychologen in Australien herausgefunden. „Denken Sie mal, Fischer, ich habe jetzt im Schnitt sogar drei Pflanzen je Quadratmeter. Was das ausmacht!“ Dazu komme die Farbe Grün. Vor einigen Jahren habe eine Münchener Psychologin herausgefunden, dass der Blick auf die Farbe Grün die Kreativität anheize, führte Meier aus. Probanden seien auf „total spannende“ Ideen zur Nutzung einer simplen Blechdose gekommen, wenn sie zuvor Grün sahen. „Denken Sie mal, Fischer, ich schaue hier jetzt den ganzen Tag lang auf die Farbe Grün. Da werden meine Ideen nur so sprudeln!“

          Nur wenige Wochen später schaute Fischer wieder in Meiers Büro vorbei. Doch was bot sich ihm für ein Bild! Die Papyrushalme verdorrt, die Stechpalme durch zu viel Gießen verschimmelt, die Kräuter dünn und welk. Auf dem Boden lagen so viele abgefallene Blätter, dass Meiers Büro an einen Waldweg im Herbst erinnerte. „Hier ist ja alles braun“, rief Fischer entsetzt.

          „Ja, genau“, antwortete Meier und strahlte. „Zuerst hab ich mich ja auch geärgert, weil ich einfach keinen grünen Daumen habe. Aber dann habe ich über die farbpsychologischen Effekte von Braun nachgelesen“, sagte er. Wärme, Geborgenheit, inneren Ausgleich – all das vermittle braune Farbe. Dazu noch Entspannung und Beruhigung. „Wie Mutter Erde“, so formulierte es Meier. „Denken Sie mal, Schmidt, ich habe jetzt so viel Beruhigung um mich herum, da kann ich mir sogar den einen oder anderen Urlaubstag sparen. Wenn das nicht produktiv ist!“

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