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Kolumne „Nine to five“ : Vampire an der Kaffeebar

Wenn Minuten zu Stunden werden. Bild: picture alliance / Cultura

Wenn sich die Leute in ihren Büros langweilen, bekommen einige von ihnen etwas Vampirhaftes. Sie schwärmen aus und suchen nach Opfern, die sie fragen könnten: „Hätten Sie nicht Lust, einen Kaffee mit uns zu trinken?“

          „Hallo, wir sind gerade in der Stadt, und hätten Sie nicht Lust, einen Kaffee mit uns zu trinken?“ „Lust, jawohl, um 15 Uhr ginge es noch.“

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Da sitzt man dann also wie verabredet und trinkt einen Kaffee. Aus reiner Höflichkeit, während sich auf dem Schreibtisch die Arbeit türmt. „Es gibt eigentlich kein konkretes Anliegen, aber wir waren gerade in der Stadt und dachten, dann könnten wir uns einmal sehen“, sagt sie.

          Sie arbeitet bei einem Unternehmen, mit dem wir selten zu tun haben. Es ist mäßig spannend, und wir kennen uns auch nicht persönlich. Sie ist nicht allein, sondern hat gleich zwei Kollegen mitgebracht. Auch diese - schöne Menschen mit schönem Lächeln - haben, wie sich herausstellt, kein „konkretes Anliegen“. Sie alle sind auch nicht einfach so in der Stadt gewesen, sondern sind extra angereist. Für einen Kaffee.

          Schweigen, Smalltalk, steigender Blutdruck. Das Lächeln wird freundlicher - bloß weg hier! Es liegt ja noch die Arbeit auf dem Schreibtisch, und Kaffee gibt es dort auch.

          Wenn sich die Leute in ihren Büros langweilen, dann bekommen einige von ihnen etwas Vampirhaftes. Sie schwärmen aus und suchen nach Opfern an der Kaffeebar. Es geht ihnen nur vordergründig um das Getränk oder das Gegenüber. Es geht ihnen darum, Sinn zu saugen. Womöglich gibt es Tausende oder Millionen von Beschäftigten, die zu wenig Arbeit haben und seit Jahren einen Großteil ihrer Zeit damit verbringen, sich irgendeine Beschäftigung zu suchen, um sie in den Dienstplan eintragen zu können und der Chefin nicht sagen zu müssen, dass die sie doch eigentlich gar nicht braucht. Es sind die gut bezahlten, erfolgreichen Unterbeschäftigten mit musterhaften Lebensläufen. Jene Unglücklichen leben davon, diejenigen auszusaugen, die ohnehin schon von der Arbeit ausgezehrt sind. Sie quälen sie mit Meetings oder Kaffeetrinken. Sie können gar nicht anders.

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