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Veröffentlicht: 22.09.2015, 14:08 Uhr

Kolumne „Nine to Five“ Ur-Instinkte auf der Firmentoilette

Der Vorgesetzte hat im Meeting einen Abendtermin zu vergeben, der noch dazu eine Schnarchnasenveranstaltung zu werden droht. Freiwillige vor! Was macht das Team? Wer schnell schaltet, flüchtet auf die Toilette. Doch mit welcher Konsequenz?

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© Wolfgang Eilmes Gang zum stillen Örtchen: Der richtige Zeitpunkt will überdacht sein.

Die moderne Arbeitswelt ist ein wahrer Dschungel aus Verhaltensregeln und Konventionen. Wie wir uns in der jeweiligen Situation verhalten, darüber entscheidet doch vor allem die Rolle, die wir vor unserem Gegenüber einnehmen. Der Chef wird anders behandelt als der Auszubildende, der Vorstand zieht ins nächste Meeting mit einer ausgeklügelten Strategie, um möglichst viele seiner Ziele auch zu erreichen. Alles Quatsch, sagt Marco Löw, Strategie wird überschätzt. Als Vernehmungsexperte in Diensten der Polizei will er durch die Analyse von Tausenden Verhören die Grundmuster von Ganoven im Speziellen und Menschen im Allgemeinen entschlüsselt haben. Seine Erkenntnis: Auch in unserer zivilisierten und technologisierten (Arbeits-)Welt beherrschen vor allem Ur-Instinkte unser Handeln, die noch aus der Zeit stammen, als unsere Vorfahren mit Mammuts oder feindlichen Stämmen zu kämpfen hatten. Angriff, Flucht und Erstarren - mehr als diese drei Grundmuster haben selbst die klügsten Köpfe unter uns nicht als Antwortstrategie im Repertoire.

Sven Astheimer Folgen:

Ein Beispiel: Der Vorgesetzte hat im Meeting einen Abendtermin zu vergeben, der noch dazu eine Schnarchnasenveranstaltung zu werden droht. Freiwillige vor! Was macht das Team? Wer schnell schaltet, flüchtet auf die Toilette, riskiert aber, dass das Manöver schnell enttarnt und die Entscheidung lediglich um ein paar Minuten aufgeschoben wird, dann allerdings mit einer klaren Präferenz erfolgt. Also verfällt die Gruppe in kollektive Starre. Mikado für Angestellte: Wer sich zuerst bewegt, der hat verloren. Als würden sie durch völlige Regungslosigkeit unsichtbar zwischen den Büromöbeln verschwinden, hoffen die Anwesenden, der Kelch möge an ihnen vorübergehen. Wie ein Kleinkind, das denkt, es habe sich schon perfekt versteckt, wenn es sich nur die eigene Hand vor die Augen hält. In den Angriffsmodus schaltet dann oftmals die Person, auf die am Ende des meist quälend langen Prozesses das Pendel zeigt: Terminnot, Überlastung etc.

Mit leerer Blase läuft es sich schneller

Der Gang zur Toilette ist laut Polizeipsychologe auch darüber hinaus sehr aufschlussreich. Denn schon Neandertaler wussten: Mit leerer Blase läuft es sich einfach schneller - im Zweifel auch davon! Das ist auch der Grund, warum sich nervöse Redner vor ihrem Vortrag gern auf das stille Örtchen zurückziehen: Sie fühlen sich bedroht und wollen im Grunde nichts anderes als der Situation rasch entkommen, am liebsten die Beine in die Hand nehmen und der gierigen Meute wartender Säbelzahntiger in Boss-Anzügen entkommen.

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Achten Sie in der nächsten Sitzung also darauf, wer sich als Erstes kurz für einen dringenden Gang entschuldigt. Die Lage könnte bedrohlich werden.

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