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Kolumne „Nine to five“ : Spitzenkraft und Nullkurve

„Klebestift“ – ist das ein geeigneter Spitzname für einen Kollegen? Bild: dpa

Der schleimende Azubi heißt „Klebestift“ und die Kollegin mit den Spitzenblusen „Spitzenkraft“. Ist Lästerei im Büro lästig – oder lustig?

          Lästern verbindet. Daran glaubt Abteilungsleiter Müller und treibt das spöttische Spiel mit Spitznamen zur Perfektion. Die Nachbarabteilung nennt er „Knickerbocker“, deren Kosteneffizienz ist knickerig bis zum Geiz. Die Faulpelze gegenüber schmäht er als „Drückerkolonne“. Müller übertreibt seine rhetorischen 007-Spielchen gerne und wartet mit noch alberneren Codes auf. Schlägt der eitle Controller sein Rad und zelebriert banale Einspartipps in Exceltabellen, höhnt Müller: „Super-Pfau“ plane den Supergau und habe mit seinem Spatzenhirn wieder Großes tabelliert.

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Den brückentagaffinen Kollegen, der seinen Urlaub stets zuerst einträgt, schimpft er „Freibeuter“. Den flurbekannten Weiberhelden, der bei Umtrunken zu tief in Gläser und Dekolletés blickt, verlacht er als „Anzapfer“. Den Bedenkenträger, der jede Idee kleinredet, bespöttelt er als „Krümelmonster“. Die Kollegin, die ständig motzt, zieht er als „Madame Mozzarella“ auf. Die kluge Assistentin, die im größten Chaos zur Betriebstemperatur aufläuft und rotwangig den Überblick behält, verlacht er als „Thermomixe“. Ihre biedere Kollegin, die Rüschen- und Schluppenblusen zur Arbeitskleidung erkoren hat, verulkt er als „Spitzenkraft“. Das nimmt sich fast noch liebenswürdig aus im Machovergleich zu ihrer hübschen, aber grunddummen Kollegin, „unserer Nullkurve“.

          Geheimcodes verbinden

          Auch um den Nachwuchs ist es spitznamenmäßig schlecht bestellt. Der bis zur Selbstverleugnung schleimende Azubi heißt „Klebestift“. Den schneidigen Großkunden, der forsch mit Konkurrenzangeboten droht, nennt Müller den „Herrn Popodoupolos“. Dabei ist der Mann Biobayer und kein Grieche, aber halt ein Riesenar... Ist der Popodoupolos im Anmarsch, grinsen sich die Kollegen verschwörerisch an und lachen ihren Ärger und ihre Angst weg. Geheimcodes verbinden. Darauf verständigt sich sogar der korrekte Chef. Neulich ist ihm rausgerutscht, „gestern hatte ich ein Treffen mit dem Popodo. . . ach, Sie wissen schon, wen ich meine!“

          Mit fortschreitender Infantilisierung steigt die Stimmung. Ventiliert werden die verbalen Entgleisungen ausschließlich in Müllers Abteilung. Lästern schweißt mehr zusammen als überteuerte Teambuildingevents, lautet Müllers Meinung: Warum mit dem flegelhaften Meier durch den Hochseilgarten hangeln und als verschwitztes Häufchen Elend seiner Restwürde verlustig gehen? „Da lobe ich mir meine Lizenz zum Lästern“, prahlt der Zyniker. Die anderen wähnen den spöttelnden Namensgeber in einer Art Dauerpubertät und nennen ihn wegen seiner bildreichen, sich wiederholenden Anspielungen „DvD“ – Depp vom Dienst.

          Quelle: F.A.Z.

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