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Kolumne „Nine to five“ : Lern doch mal Deutsch!

Lauscher im Abteil: Bahnfahrer hören unfreiwillig mit Bild: picture alliance / Enjoy/Orédia

Wer mit dem ICE zu einer Dienstreise unterwegs ist, muss so manches Gespräch der Mitreisenden ganz unfreiwillig belauschen. Was man da zu hören bekommt, muss man nicht immer verstehen.

          Wer mit dem ICE zu einer Dienstreise unterwegs ist, muss so manches Gespräch der Mitreisenden ganz unfreiwillig belauschen. Schließlich sind die superschnellen Züge mittlerweile zu so etwas wie fahrenden Großraumbüros geworden. Ganz eifrig waren denn auch die beiden Geschäftsleute bei der Sache, die neulich im Wagen 23 saßen. Beide tippten in exakt gleich aussehende Laptops mit silbriger Oberfläche, beide hatten ein Smartphone der gleichen Marke direkt neben sich liegen sowie je einen extragroßen Papp-Kaffeebecher mit dunkelgrünem Aufdruck auf dem ICE-Tischchen stehen. Sie trugen schwarze Jacketts und weiße Hemden, er mit, sie ohne Krawatte. Von Zeit zu Zeit unterhielten sie sich, allerdings ohne den Blick vom Bildschirm zu heben oder das Getippe zu unterbrechen.

          Verschollen? Klar, mit einem „l“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das klang so: „Wie sieht es denn momentan in der Talent-Pipeline aus?“ „Nicht schlecht. Jede Menge Millennials mit guten Competencies.“ „Bloß mit dem Commitment ist das halt bei der Gen Y so eine Sache.“ „Du sagst es. Work-Life-Balance über alles!“ „Und dann wollen sie noch ständig Monitoring, Feedback und Face-to-Face-Dialog. Wie war die Performance? Welche Rolle spiele ich im Change Process?“ „Das Socializen mit denen ist aber auch ganz anders. Die chillen auf der Arbeit, dann gehen sie zum Workout im Studio und abends powern sie noch mal und beantworten alle möglichen Mails.“ „Aber mal was anderes: Wie war denn das Kick-off-Meeting mit Legal?“ „Ach, das Steering-Committee von denen ist eine Katastrophe. Und dann schieben sie es einfach auf das Backoffice, das angeblich nicht delivered hat.“ „Oh no! Das sind solche Low-Performer! Wo doch unser Headcount sowieso zu hoch ist. Warum machen wir nicht bei den Jungs von Legal ein paar Cuts?“ „Hihi, denen schicken wir mal die Leute von Outplacement vorbei!“

          Ironisches Lächeln auf beiden Seiten, dann eine Weile Schweigen und Tippen. Als endlich mal ein wenig Ruhe herrscht, fragt er seine Kollegin plötzlich: „Sag mal, wie schreibt man eigentlich ,verschollen‘? Mit einem oder mit zwei ,l‘?“ - „Ist doch klar, mit einem natürlich“, sagt sie. „Lern doch mal Deutsch!“

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