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Kolumne „Nine to five“ : Kampf der Kuchenkultur

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Verführerisch - aber Vorsicht! Bild: Wonge Bergmann

Was gibt es Besseres als ein Stück Kuchen auf der Arbeit? Kalorienwerte hin oder her. Aber es gibt ein Land, in dem wurde der süßen Verführung der Krieg erklärt.

          Eine üppige Sahnetorte zum Dienstjubiläum, eine zarte Apfeltarte zum Geburtstag, ein saftiger Guglhupf zum Einstand: Kuchen ist der Kitt der Bürogemeinschaft. Es ist leicht und liebevoll zugleich, den Kollegen mit etwas Gebäck unsere Sympathie zu zeigen und unseren Respekt zu zollen. So verdaut sich manch kleiner Clinch mit einem Schoko-Muffin quasi von selbst.

          Der eine oder andere mag ob dieser Kalorienbomben die Nase rümpfen und lieber mit Kanapees vom Edel-Italiener ums Eck und einem schicken Winzer-Sekt („Ich decke mich da immer auf unseren Touren ins Burgenland direkt beim Erzeuger ein“) auf die Beförderung anstoßen. Das wirkt auf den ersten Blick auch viel großzügiger und kultivierter als ein schnöder Streuselkuchen. Die meisten freuen sich jedoch mehr über einen ehrlichen Hefezopf.

          Dieser erinnert sie an heimelige Stunden in Omas Küche – nicht an das letzte Betriebsfest, an dem sie hippes Fusion-Food aus winzigen Weckgläsern löffeln mussten. Denn mit demonstrativ zur Schau gestellter Weltoffenheit („Wir schreiten mutig in eine globalisierte Zukunft“) ließ sich die Verlagerung einiger Produktionsstandorte ins Ausland leider auch nicht besser verdauen. Auch steht Gaumen und Blutzuckerspiegel am Morgen und am Nachmittag, den typischen Uhrzeiten für Bürofeierlichkeiten, in der Regel eher der Sinn nach etwas Süßem. Weniger nach Trüffelpastete auf Walnussciabatta, was der Magen normalerweise etwas mühsamer bewältigt als ein Stück Obstbiskuit.

          Doch die Kuchen-Kultur im Büro ist in Gefahr – zumindest im Noch-EU-Mitglied Großbritannien. Im Land der Scones, Carrot Cakes und Lemon Pies haben britische Ärzte der „office cake cultur“ offiziell den Kampf angesagt. „Diese süßen Sachen mögen nett gemeint sein, sie tragen aber auch zur derzeit starken Zunahme der Fettleibigkeit und schlechter Zahngesundheit bei“, sagte Professor Nigel Hunt, Vorstand des Royal College of Surgeons, und rief 2017 zum Jahr des „Kampfes gegen die Kuchen-Kultur“ aus.

          Zum Glück visiert Großbritannien zielstrebig den Brexit an. Nicht auszudenken, wenn dieser Trend auf den Kontinent übergreifen würde. Eine schwere Unterzuckerung in deutschen Büros wäre die Folge, das Bruttosozialprodukt würde auf Jahre geschwächt. Deshalb muss es auch im Sinne der deutschen Wirtschaft weiter heißen: Ein kleines Stück Kuchen während der Dienstzeit hat noch keinem geschadet.

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