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Kolumne „Nine to five“ : Head of Mamas and Papas

Hier lernt die Klasse 1a: Und auch für die Eltern gibt’s noch einiges zu lernen. Bild: dpa

Das Ehrenamt ist super für eitle Pöstchenjäger. Kassenwart des Bärlauchvereins? 3. Stellvertreter des 2. Vorsitzenden? Oder Elternvertreter in der Schule? Da ist für jeden Karrierehungrigen etwas dabei!

          Grundsätzlich ist das Ehrenamt eine ehrwürdige Einrichtung: unentgeltlicher Einsatz für die Gesellschaft gegen Anerkennung und das gute Gefühl, Gutes zu tun. Weniger ehrenhaft wird dieses Engagement, wenn das Amt nur der eigenen Ehre dienen soll. Gerade im Herbst sind die eitlen Postenjäger auf der Pirsch, Versammlungen schießen wie Pilze aus dem Boden. Jetzt werden Ämter besetzt. Wäre doch schade, leer auszugehen, wo unsere kleine Karriere stockt und es mit der großen nicht klappt. Nicht verzagen, Pöstchen jagen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Da fühlt sich der Kassenwart des Bärlauchvereins bei der Verwaltung seines 3000-Euro-Jahresetats wie der Bundesfinanzminister mit milliardenschwerem Bundeshaushalt. Der Heimatverein sucht einen Pressewart? Da leben wir zum Leidwesen der Lokalredakteure unsere poetische Ader bei der Exklusivmeldung über drei restaurierte Milchkannen aus. Mehr Lametta ist nicht. Weniger attraktiv ist das Amt des Schriftführers, das bedeutet viel Schreibkram, den keiner würdigt. Für Einsteiger empfiehlt sich, den Posten des 3. Stellvertreters des 2. Vorsitzenden anzustreben. Auch so mancher Beisitzer konnte eine gestandene Vereinskarriere hinlegen, beim Rathausempfang dem Bürgermeister die Hand schütteln und sich den Mächtigen der Gemeinde zugehörig fühlen.

          Egal, welcher Posten, wir stehen nicht länger phlegmatisch neben dem Kollegen vom Controlling, wenn der mit miserabel gespielter Genervtheit über seinen mittlerweile dritten Kassenwartposten lamentiert: Er könne halt mit Zahlen. Das hat sich bei den Fußball-, den Bowlingfreunden und der Kita-Leitung der Tocher herumgesprochen. Dort sei er – Excel sei Dank – unangefochtener Tabellenführer. Seine flockige Plauderei durchdringt Stolz. Später wird gelästert: Der Ehrgeizling habe es wohl nötig, sich mit Pöstchensammeln seiner Bedeutsamkeit zu versichern.

          Zielvorgaben statt Stullenschmieren

          Zwei Wochen darauf wechselt der spottende Wortführer die Seiten. Sein erstes Kind ist eingeschult worden. Beim Elternabend herrschte Kandidatenmangel, er habe sich überreden lassen. Sein lahmer Bericht ist für die älteren Kollegen kalter Kaffee. Sie sind versiert im gezielten Wegducken auf solchen Wahlabenden. Wer das nicht beherrscht, steht ruck, zuck zur Wahl.

          So wie der geläuterte Pöstchenkritiker. Der ist jung, unerfahren, aber durchsetzungswillig und breitet in der Kantine seine Pläne, er sagt „Zielvorgaben“, aus: Da müssen Struktur und Effizienz rein. Die Tagesordnung ist zu lang. Labern gebe es unter ihm nicht! Der Elternsprecher geht ganz in der Chefrolle des „Head of Mamas und Papas“ auf. Stullenschmieren fürs Schulfest hat er weniger im Blick. Die Kollegen sind voller Vorfreude auf neue Frontberichte von der Schulbank. Sie wünschen dem Ideengeber alles Gute auf seinem von meinungsstarken, kompromisslosen Eislaufeltern gesäumten Weg.

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