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Kolumne „Nine to five“ : Führungskraft nach Lehrbuch

Wie gut können Ratgeber wirklich helfen? Bild: dpa

Müller war sich unsicher. Er hatte seine Mannschaft nicht mehr im Griff. Da konnte nur noch ein Buch über gute Führungsstile helfen. Oder etwa nicht?

          Müller hatte ein Buch gelesen. Das tat er immer, wenn er sich unsicher war. Zurzeit fühlte er sich, als habe er die Mannschaft nicht im Griff. Meier widersprach ihm ständig. Schmidt lieferte nicht zu den Deadlines. Und Fischer erschien zu jeder Konferenz zu spät.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Müller hatte sich also dieses Buch gekauft. Es handelte vom Chefsein und von Führungsstilen. Da gab es den direktiven Führungsstil, in dem er sich nicht wiedererkannte, besser: nicht wiedererkennen wollte. Direktive Chefs ordneten einfach alles an, befahlen die Dinge nach Art eines Diktators; nein, das war er doch nicht! Dann gab es noch den Laissez-faire-Führungsstil. Da ließ man die Mitarbeiter einfach machen, was sie wollten. Grauenhaft fand Müller diese Vorstellung. Er litt doch gerade darunter, dass sie sich aufführten wie im Kindergarten. In seinem Ratgeber fand er zudem den kooperativen Führungsstil. Der war ihm gleich sympathischer. Da durften alle bei allem mitreden, da ging es demokratisch zu. Doch war das Ganze auch verbunden mit der Warnung, dass Prozesse dadurch zäh und langwierig würden.

          Ganz am Ende war noch die Rede vom situativen Führungsstil. Ganz nach Lage der Dinge sollte der Chef mal autoritär sein, mal die Leute machen lassen, mal lange diskutieren. Ja, das klang gut, das wollte er probieren!

          „Wenn es brennt, müssen Sie Ihre Leute in Sicherheit bringen“

          Im nächsten Meeting war Müller zunächst gutgelaunt. Doch dann saßen sie da, unvollständig, denn Fischer war zu spät. Als er endlich kam, fragte Müller Schmidt nach der Zusammenstellung der Zahlen. Doch Schmidt hatte keine Zahlen, obwohl die Deadline seit Tagen verstrichen war. Da begann Meier eine Debatte darüber, ob es heutzutage überhaupt noch auf Zahlen ankäme. Und schon platzte Müller der Kragen. Er lief rot an und befahl Meier, endlich die Klappe zu halten. Er drohte Schmidt mit der Kündigung und strich Fischer den Bonus.

          Als er sich abgeregt hatte, musste er feststellen, dass er geradezu autoritär gehandelt hatte. Dann besann er sich. Wie war das mit den sich wandelnden Situationen? „Wenn es brennt, müssen Sie Ihre Leute in Sicherheit bringen“, hatte in dem Ratgeber gestanden. Dann sei die richtige Situation für einen direktiven Stil, nicht der Moment zum Diskutieren oder um die Leute einfach machen zu lassen. Ja, er hatte situativ gehandelt. Schließlich brannte es in der Firma. Eigentlich brannte es doch immer irgendwo. Er lehnte sich zurück. Er hatte seinen Führungsstil gefunden. Ganz nach Lehrbuch.

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