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Kolumne „Nine to five“ : Drama, Baby, Drama!

Schwierige Aufgabe oder schlechter Pädagoge? Das ist hier die Frage! Bild: dpa

Ein ganz extremer Fall! Eine quasi unmögliche Reparatur! Eine ganz schwere Rechenaufgabe! Warum eigentlich neigen so viele Berufsgruppen zur maßlosen Übertreibung?

          Seinen Hang zum Dramatischen auszuleben schadet im Beruf nie, denn es schärft das Profil der eigenen Heldenrolle. Wer maßlos übertreibt, katapultiert sich in die Pole Position.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Mit väterlicher Strenge etwa wendet sich der Anwalt seinem verschreckten Mandanten zu: So ein extremer Fall, so eine hohe Forderung, so eine dreiste Faktenmanipulation! Also, all das sei ihm bei seinen Fällen (hüstel, hüstel – „Ich darf mit Fug und Recht sagen, dass deren viele sind!“ –) noch nie, wirklich noch nie untergekommen. Da habe man es auf der Gegenseite mit einem besonders gerissenen Fuchs zu tun. „Aber wir schaffen das!“, legt der Jurist mit der Merkel-Floskel nach. Was für eine entsetzliche Ausgangslage, der Mandant sinkt immer tiefer in den Sitz und fürchtet sich sehr. Umso heller überstrahlt der erzielte Vergleich all seine Befürchtungen. Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist: Die Gegenseite hatte wie alle Gegenseiten rhetorisch randaliert. Nach einem Geplänkel einigten sich die Anwälte vernünftig. Aber ein bisschen Drama, Baby, schadet nie, vor allem nicht, wenn der Mandant hinterher die Rechnung sieht.

          Auch unseriöse Ärzte legen gern die Stirn in besorgte Falten und sprechen von einem „extrem komplizierten“, so noch nie vorgekommenen Bruch und „höchst bedenklichem“ Befund. O Wunder, trotz Düster-Diagnose schreitet die Heilung gut voran. Tja, denn der Medizinmann ist ein Wunderdoktor. Der in Aufruhr versetzte Patient vermag sein Glück kaum zu fassen.

          „Montag wird es richtig schwer“

          Fast harmlos nimmt sich im Vergleich dazu der Mathelehrer aus. Der ist ein ganz Schlauer und kündigt seiner nervösen Klasse bevorzugt Freitagnachmittag an: „Das heute war leicht, Montag wird es richtig schwer.“ Wird es nicht, den Stoff kapiert man. Bis man aber diese didaktische Null-Leistung versteht, braucht es einige Anläufe. Mittlerweile hat auch der schwächste Rechner erkannt, dass er in der nächsten Stunde keineswegs mit dem Schlimmsten rechnen muss.

          Belemmert fühlt sich auch der Kunde in der Autowerkstatt, wo er erfährt, dass der Wagen Schrottplatzreife erlangt hatte. Doch der Supermechaniker mit seinem Superwerkzeug hat ihn entgegen jeder Prognose wieder reif für den TÜV gemacht, generös zum Spezialpreis.

          Fernab jeder Sachlichkeit sind auch die Angestellten im Restaurant: Natürlich ist alles reserviert. Doch siehe da, ein freier Tisch findet sich. Servicekräfte, die sich so heldenhaft für uns einsetzen, haben ein sattes Trinkgeld verdient. Sie haben es möglich gemacht, sich trotz widrigster Umstände für uns ganz persönlich mächtig ins Zeug gelegt – glauben wir und fallen einmal mehr auf diese Taktik rein.

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