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Kolumne „Nine to five“ : Untervermieten für Anfänger

  • -Aktualisiert am

Wer beruflich mobil bleiben will, muss manchmal zum temporären Vermieter werden. Bild: dpa

Karriere machen, das heißt heutzutage auch: mobil sein. Damit kann auch einhergehen, dass man zeitweise ganz unfreiwillig zum Vermieter wird.

          Wer heute ins Berufsleben startet, weiß, dass er kaum 40 Jahre im selben Betrieb bleiben wird. Was bei Eltern und Großeltern noch Usus war, scheint heute ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Branchenkrisen, Umstrukturierungen oder Schweinezyklen verlangen Arbeitnehmern heute maximale Flexibilität ab – nicht nur in puncto Gehaltsvorstellungen. Auf der Jagd nach einer Festanstellung ist auch ein Wechsel des Wohnortes keine Seltenheit.

          Diese Erfahrung macht auch ein junges Münchner Paar, als es ein Angebot bekommt, das es nicht ablehnen kann: Harrt der junge Mann ein Jahr auf einem unbeliebten Posten in der Außenstelle seiner Firma 400 Kilometer entfernt aus, winkt ein unbefristeter Vertrag. Das kärgliche Salär wird bis dahin allerdings dasselbe bleiben. Auch die Partnerin verdient nicht fürstlich, arbeitet aber immerhin frei von zu Hause aus und beschließt, mit ins Exil zu kommen. Denn zwei Wohnungen in zwei teuren Städten kommen nicht in Frage, ein Untermieter muss her.

          Aus Milbertshofen wird Schwabing-Nord

          In München ein Klacks, denken beide – weit gefehlt. Denn ihr Viertel scheint vielen Wohnungssuchenden suspekt zu sein. Oder die Ortsunkundigen unter ihnen haben noch nie von ihm gehört. Da kommt dem Paar eine Idee: Münchens bekanntestes Viertel ist nicht weit entfernt – warum nicht Nutznießer dieses Umstandes sein? Frankfurt-Hahn hat mit der Mainmetropole auch so viel zu tun wie ein Pinguin mit der Sahara. Aus Milbertshofen wird so Schwabing-Nord – ein Ortsteil, den es gar nicht gibt.

          Und siehe da, das E-Mail-Postfach explodiert. Leider scheinen nicht alle Interessenten exakt zu lesen, was sicherlich auch mit der Verzweiflung zu tun hat, welche die Wohnungssuche auf dem erhitzten Münchner Mietmarkt mit sich bringt. So wird gerne ignoriert, dass das Mietobjekt wegen Größe und Raumaufteilung nur an Singles oder Paare abzugeben ist. Viele Bewerber wollen eine WG gründen oder eine Großfamilie unterbringen. Die Zeit wird knapp.

          Schließlich erhält ein zugereistes Paar den Zuschlag, das manierlich, wenn auch snobistisch erscheint, betont es doch ständig, nur auf die Fertigstellung der Münchner Eigentumswohnung zu warten. Als die drei Monate früher als geplant fertig wird, ist das Geld doch knapper als dargestellt, bitten sie doch um vorzeitige Entlassung. Als nach der Wohnungsrückgabe die Adresse genannt wird, um Post nachzusenden, zaubert die Recherche auf Google Street View den Untervermietern ein Lächeln auf die Lippen: die Angeber wohnen nun an der Autobahn – bei Fürstenfeldbruck.

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