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Kolumne „Nine to five“ : Ein Date mit Celine H.

Surfen statt zu arbeiten: Auch in der Bibliothekt der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität gibt es kurze Internetpausen, um den Kopf frei zu bekommen. Bild: dpa

Meier bummelt gerne im Internet. Auch während der Arbeitszeit, um den Kopf freizubekommen. Doch mit der Babysitter-Suche geht er zu weit, findet die Chefsekretärin.

          Schon mehrfach hatte Frau Anger, die Chefsekretärin, Meier dabei erwischt, wie er während der Arbeit im Internet surfte. Zum Glück war Frau Anger sehr diskret. Manchmal war es für Meier einfach wichtig, die Gedanken für ein paar Minuten abschweifen zu lassen, von einem Text, an dem er gerade feilte, oder von einer Rechnung, die er bearbeitete. Er pflegte dann durch seinen Facebook-Feed zu scrollen oder ein bisschen Klatsch auf Panorama-Seiten durchzulesen.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Nach den Online-Pausen fühlte er sich regelrecht erfrischt und konnte sich wieder besser konzentrieren. Neulich hatte er – übrigens während genau so einer kleinen Pause – im Internet gelesen, dass Forscher sogar einen Fachbegriff dafür geschaffen haben: „Cyber-Loafing“ – frei übersetzt: Bummeln im Internet.

          Meier brauchte das Cyber-Loafing umso mehr, je gestresster er war. Das war er derzeit sehr. Die Kinder machten ihm zu schaffen, die Kleine war mitten in der Trotzphase, und der Große tat sich schwer mit den Schulaufgaben. Da wäre es schon eine Erleichterung, wenigstens einen Nachmittag in der Woche eine Babysitterin zu haben, die ihm und seiner ebenfalls berufstätigen Frau den Rücken freihielte. Mal etwas länger im Büro bleiben, liegengebliebenes Zeug abarbeiten oder mittags einfach mal in Ruhe in der Kantine essen. Schön wäre das!

          Babysitterin gesucht

          Solcherlei Gedanken gingen Meier durch den Kopf, als er im Büro an einem neuen Projektantrag schrieb. Schnell nutzte er ein virtuelles Päuschen, um sich im Internet bei einem Kinderbetreuungsportal umzusehen. Wie flüssig ging ihm seine Arbeit von der Hand, nachdem er zwischendurch ganz fix eine kurze Anzeige formuliert hatte. „Babysitterin gesucht, einmal wöchentlich, drei Stunden nachmittags.“

          Beschwingt widmete er sich dann wieder seinen Formularen, kehrte aber nach vollendeter Arbeit noch einmal zurück auf die Kinderbetreuungsseite. Und tatsächlich – da hatten sich schon sage und schreibe 12 junge Frauen gemeldet. Sie stellten sich als Celine H., Lara L. oder Tina B. vor, hatten allesamt ein sympathisches Bewerbungsfoto veröffentlicht und kleine Textchen, warum sie gern auf Meiers Sprösslinge aufpassen würden.

          Mit einem Lächeln tippte Meier gerade „...würde Sie gern kennenlernen“ unter das Inserat von Celine H., als plötzlich Frau Anger hinter ihm stand. „Also wirklich, Herr Meier!“, platzte es aus ihr heraus. „Ihr Surfen im Netz stört mich ja nicht. Aber Dating-Plattformen – das darf doch nicht wahr sein. Ihre arme Frau!“ – „Die wird sich freuen“, konterte Meier in höchster Not. „Wenn Celine H. erst mal auf die Kinder aufpasst, bekommt sie endlich mal wieder ein Date mit mir.“

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