15.01.2007 · Die Commerzbank unterhält mehrere interne Netzwerke: Eines für Frauen, eines für Schwule und Lesben - und seit 2006 auch das Väternetzwerk „Fokus Väter“. Uwe Heidbrink, einst alleinerziehender Vater, engagiert sich da.
Wie sich die Commerzbank um ihre Mitarbeiter kümmert, das ist schon etwas Besonderes. Gleich mehrere interne Netzwerke gibt es: eines für Frauen, eines für Schwule und Lesben - und seit 2006 auch das Väternetzwerk „Fokus Väter“. Uwe Heidbrink, 44 Jahre alt, sitzt mittendrin. Er begleitet das „Diversity“-Thema „Fokus Väter“ mit . Als ehemals allein erziehender Vater weiß er: Auch Männer haben ein Vereinbarkeitsproblem.
Der Gedanke hinter all den informellen Zirkeln: Rund 25.000 Mitarbeiter allein in der Inlands-AG müssen erst einmal erreicht werden. Das habe nichts mit dem Betriebsratsarbeit zu tun. Es handle sich um eine Informationsplattform für Väter, die nach einem veränderten Gesellschaftsbild leben - und arbeiten - wollen. „Für diesen kulturellen Wandel gibt es im Moment jede Menge Rückenwind“, freut sich Heidbrink, „aber wir müssen weiter daran arbeiten.“ Und das auch in einem Unternehmen, das als fortschrittlich gelten kann, was die Unterstützung von Vielfalt und Work-Life-Balance-Wünschen der Mitarbeiter angeht.
Eine Broschüre soll die Väter-Netzwerker intern bekannter machen. Im Kern sechs Männer sind es, die Podiumsdiskussionen mit externen Fachleuten zum Elterngeld organisieren wollen, damit sich - nicht nur die Männer - darüber informieren können. Sie arbeiten mit an der Informations- und Kommunikationspolitik der Bank, um ein neues Männerbild jenseits klassischer Rollenverteilung in der Familie zu propagieren. Sie sensibilisieren Führungskräfte. Sie diskutieren über Arbeitsorganisation und flexible Arbeitsorte. Ein Ideenpool im Intranet der Bank soll die Initiative voranbringen.
Hilfreicher Chef
Heidbrink engagiert sich ehrenamtlich - auch deshalb, weil ihm die Commerzbank half, als er es nötig hatte. Das war in der Zeit nach 1998, als er sich von seiner Frau trennte. Seine beiden Kinder, heute 16 und 12 Jahre alt, teilten sich damals auf die Eltern auf: ein Sohn zum Vater, der andere Sohn zur Mutter. Heidbrink und seine Ex-Frau hatten Wohnungen direkt nebeneinander - und ein gutes Verhältnis weiterhin. Doch die Arbeit des Filialorganisators in Bielefeld wurde zentralisiert. Das bedeutete ein häufiges Pendeln zwischen Bielefeld und Frankfurt , Telearbeit - und eine hohe Belastung.
Sein Chef erwies sich schon damals als vertrauensvoll und flexibel, „er hat mir sehr geholfen.“ Für den Arbeitgeber sei das letztlich nichts als eine Business-Case-Rechnung. Und Heidbrink hat sich in der Zeit als „doppelt so effektiv“ erlebt. „Kochen, putzen, Schularbeiten - oh Gott, schaffe ich das?“ Er hat - und mit ihm sein Chef, denn er musste sein Führungsverhalten auf die veränderte Situation einstellen .
Heidbrink ist inzwischen zum zweiten Mal verheiratet. Er ist jetzt 44, seine Frau 37. „Ich würde unter Umständen auch über eine veränderte Arbeitsform nachdenken, wenn nochmal ein Kind unterwegs wäre.“