21.06.2007 · Jaime Smith, Chef von Telefónica O2 in der Tschechischen Republik, wird O2-Deutschland führen. Amtsinhaber Rudolf Gröger muss seinen Posten abgeben und wechselt in ein neu geschaffenes Beratungsgremium.
Rudolf Gröger ist nicht mehr lange Vorstandschef von O2 Deutschland. Am 1. Oktober wechselt der 52 Jahre alte Manager als Vorsitzender in den neugeschaffenen Aufsichtsrat des Mobilfunkanbieters. Sein Nachfolger auf dem Chefsessel in München wird der gebürtige Spanier Jaime Smith Basterra, der Vorstandsvorsitzende von Telefónica O2 in der Tschechischen Republik.
Auch O2 Deutschland gehört zum spanischen Telefónica-Konzern. Die für diesen Freitag geplante Wahl Grögers zum Präsidenten des Branchenverbandes Bitkom soll von den Veränderungen im Management von O2 unbeeinflusst bleiben. Eine Abstimmung zugunsten des gebürtigen Münchners werde erwartet, heißt es offiziell vom Bitkom. Zumindest mit einer Diskussion der 15 Präsidiumsmitglieder - Gröger ist eines davon - ist auf dem Treffen in Düsseldorf aber zu rechnen.
Schon länger gab es Gerüchte
Gerüchte über eine Ablösung Grögers an der Spitze von O2 Deutschland gab es schon seit einiger Zeit. Nach 20 Quartalen mit Umsatzzuwächsen ging es zum Auftakt dieses Jahres erstmals abwärts. Der Umsatz im Mobilfunkgeschäft sank um 4,6 Prozent auf 697 Millionen Euro. Im Mai kündigte Gröger ein Sparprogramm mit einem Volumen von rund 200 Millionen Euro an - einschließlich eines Abbaus von Arbeitsplätzen. Abseits von Schreibtisch und Besprechungsräumen fällt Gröger als häufiger Gast auf Partys in der Münchner Schickeria auf. In die Kameras der Boulevard-Fotografen lächelt er an der Seite seiner Frau so routiniert wie Schauspieler oder Modemacher. Zwar muss ein Verkäufer von Mobilfunkverträgen in der Öffentlichkeit präsenter sein als zum Beispiel ein Anbieter von Werkzeugmaschinen. Doch Gröger habe überzogen und damit wohl in der spanischen Konzernzentrale für Stirnrunzeln gesorgt, heißt es in der Branche. Dem Verdacht, der Aufsichtsrat von O2 Deutschland werde in gut drei Monaten nur gegründet, damit Gröger sein Gesicht halbwegs wahre, widerspricht das Unternehmen freilich.
„Die Konstellation auf dem Markt hat sich geändert“, sagte ein Sprecher. Grögers Nachfolger Smith sei Experte für das Zusammenführen von Festnetz- und Mobilfunkdiensten. Künftig spiele dies auch für O2 Deutschland eine immer wichtigere Rolle. Der 41 Jahre alte Smith kenne zwar den deutschen Markt, lebe hier aber bisher nicht. Deshalb habe Gröger als Berater eine bedeutende Aufgabe.
Die Konzernleitung von Telefónica hält Smith offenbar für eine geeignetere Besetzung. „Deutschland ist der größte Markt in Europa und ich denke, dass O2 unter Jaime Smiths Leitung eine starke Position einnehmen und die sich bietenden Marktchancen bestens nutzen wird“, wird Peter Erskine, der Vorstandsvorsitzende von Telefónica O2 Europe, in einer Mitteilung zitiert.