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Freitag, 17. Februar 2012
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Kopf des Tages Der Dirigent von Qimonda

03.08.2006 ·  Loh Kin Wah soll die Tochtergesellschaft von Infineon an die Börse und in die Selbständigkeit führen. Schon einmal erfüllte er geradezu vorbildlich die Erwartungen der Bayern: Im Schottenhamel-Zelt auf dem Münchner Oktoberfest dirigierte er ein paar Minuten lang mit kindlicher Freude die Blaskapelle.

Von Joachim Herr
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Einmal erfüllte Loh Kin Wah geradezu vorbildlich das Klischee des Asiaten in Bayern. Im Schottenhamel-Zelt auf dem Münchner Oktoberfest dirigierte er ein paar Minuten lang mit kindlicher Freude die Blaskapelle und entzückte mit seinem Auftritt vor drei Jahren die bierselige Wiesngemeinde. Sich mit bayerischer Tradition zu beschäftigen steht jedoch im krassen Gegensatz zu Lohs Arbeitsalltag. Sein Büro ist mehr oder weniger die ganze Welt. Ein Schreibtisch steht in München, der andere in Singapur. Geschätzte 600000 Kilometer ist Loh im vergangenen Jahr mit Flugzeugen gereist. Auch in diesen Tagen und Wochen kommen einige Langstrecken hinzu. In Europa, Amerika und Asien versucht der Vorstandsvorsitzende von Qimonda, das Interesse großer Aktieninvestoren an dem Speicherchip-Unternehmen zu wecken. In der kommenden Woche will Infineon die erst drei Monate alte Tochtergesellschaft an die New Yorker Börse bringen.

Von Schumacher gefördert, von Ziebart geholt

Der 1954 in Perak in Malaysia geborene Loh kennt Infineon aus dem Effeff, richtig Karriere machte er in den vergangenen zwei Jahren. 1978 hatte er in seinem Heimatland als Qualitätsingenieur die Berufslaufbahn in der Bauelementesparte von Siemens begonnen, war später auch einige Zeit als Produktionsmanager im Werk in Regensburg tätig und hat dort Deutsch gelernt. Mit der Ausgliederung des Halbleitergeschäfts und der Gründung von Infineon im April 1999 wurde Loh Chef des neuen Unternehmens für die Region Asien-Pazifik. Der damalige Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher hielt viel von Loh. Doch nach Schumachers überraschender Abberufung im März 2004 war es sein Nachfolger Wolfgang Ziebart, der Loh als bisher einzigen Asiaten in den Vorstand einer Aktiengesellschaft im Dax-30 holte. Gemischte Gefühle habe er damals empfunden, erzählt Loh. Doch er war angenehm überrascht, wie schnell er in der Eliteliga börsennotierter deutscher Unternehmen akzeptiert wurde.

Von Zitzewitz mußte Platz machen

In der neustrukturierten Organisationsform war Loh zunächst für das Geschäft mit Chips für die Telekommunikation verantwortlich. Im vergangenen Jahr wies ihm Ziebart das Speicherchip-Geschäft zu, nachdem Infineons Experte auf diesem Gebiet, Andreas von Zitzewitz, wegen des Korruptionsverdachts zurückgetreten war. So kam es, daß nicht Zitzewitz, sondern Loh die Qimonda AG in die Eigenständigkeit führen soll. Wie die einstige Muttergesellschaft Siemens will sich auch Infineon in Schritten von dem ausgegliederten Geschäft trennen. Loh gibt das Ziel vor: "Wir wollen Qimonda als kreativen Speicherchip-Hersteller etablieren." Gute und neue Ideen sind gefragt. Das Unternehmen wird zwar weiterhin das Massengut Standardspeicherchips (D-Rams) herstellen, mehr und mehr aber auch anspruchsvollere Produkte wie Chips für Graphikkarten sowie für Digitalgeräte wie Musikspieler oder Foto- und Videokameras. Mit diesen Halbleitern lassen sich höhere Renditen erzielen, was Samsung, der Primus im Speicherchip-Segment und für Qimonda das Maß aller Dinge, seit längerem eindrucksvoll beweist.

Sein Traum ist kein Geheimnis mehr

Kreativität endet für den Frühaufsteher Loh, Vater von zwei erwachsenen Töchtern, aber nicht am Arbeitsplatz. Er kocht leidenschaftlich gern chinesische Gerichte, und sein Traum ist längst kein Geheimnis mehr: Wäre er nicht der Vorstandschef von Qimonda, eröffnete er sofort ein Restaurant. Doch seine Kenntnisse asiatischer Kultur setzt er weiterhin für Qimonda ein - ein wichtiger Vorteil für ein deutsches Unternehmen, das international agiert. Loh versteht es beispielsweise, mit Chinesen zu verhandeln, von denen er drei Typen unterscheidet. "Da gibt es den westlich orientierten Überseechinesen, der von Einwanderern nach Singapur oder Malaysia abstammt", sagt der Manager, der selbst in diese Kategorie fällt und auch Chinesisch spricht. Dann den patriotischen und parteiorientierten älteren Chinesen, mit dem der Umgang schwerfällt, und schließlich die junge Generation, aggressiv und flexibel im Geschäftsgebaren und mit bester Universitätsausbildung. Solche durchsetzungsstarken Kräfte braucht Loh auch für Qimonda.

Quelle: F.A.Z., 03.08.2006, Nr. 178 / Seite 14
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