Home
http://www.faz.net/-gyr-12nbi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Klett-Verlag Klett-Enkel für die Spitze

12.05.2009 ·  Generationswechsel beim Stuttgarter Bildungskonzern Klett: Seit Montag ist Philipp Haußmann, ein Enkel des Firmengründers, Sprecher des Vorstands der Ernst Klett AG.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Generationswechsel beim Stuttgarter Bildungskonzern Klett: Seit Montag ist Philipp Haußmann, ein Enkel des Firmengründers, Sprecher des Vorstands der Ernst Klett AG, während Michael Klett sich auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden zurückzieht. Mit 71 Jahren kann sich Michael Klett nun vielleicht endlich der Lektüre der Augustinus-Biographie des irischen Historikers Peter Brown widmen, was er sich schon lange für den Ruhestand vorgenommen hatte.

Dass es mit dem Rentnerleben nicht klappte, lag indes nur zum Teil an ihm - weil er bei der Wahl seines Nachfolgers kein glückliches Händchen gehabt hatte. So musste Michael Klett vor knapp zwei Jahren Knall auf Fall den Ruhestand unterbrechen und das Familienunternehmen wieder auf Kurs bringen, nachdem der erste familienfremde Manager an der Spitze des Konzerns, Uwe Brinkmann, das offenbar nicht nach dem Geschmack der Eigentümer getan hatte.

Nun ist bei Klett der Zeitpunkt für den endgültigen Generationswechsel gekommen: Mit Philipp Haußmann, dem Neffen Michael Kletts, rückt die dritte Klett-Generation an die Spitze des Unternehmens. Während Michael Kletts eigener, 32 Jahre alter Sohn David Klett zwar den notwendigen Unternehmergeist, aber keine Erfahrung im Klett-Konzern mitbringen würde, hat Haußmann Stallgeruch. Der 44 Jahre alte Jurist und Romanist startete Mitte der neunziger Jahre beim familieneigenen Konzern. Seit 1997 war Haußmann Redaktionsleiter beim Wörterbuchverlag Pons, den der Onkel Michael Klett auf der Liste seiner eigenen Misserfolge verbucht, weil er so viele Jahre Verlust gemacht hat. Unter Haußmann, der seit 2002 den ganzen Sprachen-Bereich von Klett verantwortete, änderte sich das offenbar. „Er hat ordentliche Erfolge vorzuweisen, und zwar ohne meinen Schutz“, lobte Michael Klett seinen Neffen vor zwei Jahren schon, nachdem Haußmann in den Vorstand der Ernst Klett AG berufen wurde.

Klett selbst, ausgestattet mit jahrzehntelanger Erfahrung des Aufbauens wie auch des Scheiterns, wollte aber zunächst wieder der ruhende Pol sein inmitten der mittlerweile 2700 Mitarbeiter. Wichtiger als alles andere sei den 17 Familiengesellschaftern die Selbständigkeit des Unternehmens: „Wir bleiben lieber klein und selbständig. Ein Verkauf ist völlig undenkbar“, sagte Klett. Das Attribut „klein“ ist relativ: Längst ist aus dem Schulbuchverlag der größte deutsche Bildungsanbieter geworden, der zuletzt 425 Millionen Euro umsetzte.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen