07.05.2009 · Bahnchef Rüdiger Grube braucht neues Personal. Vorstandsmitglied Margret Suckale will zum Chemiekonzern BASF wechseln. Dort soll sie Personalvorstand werden, wie die BASF nun bestätigt hat.
Von Kerstin SchwennBahnchef Rüdiger Grube braucht neues Personal. Vorstandsmitglied Margret Suckale will die Deutsche Bahn AG verlassen und zum Chemiekonzern BASF wechseln. Dort soll sie im Vorstand das Personalressort übernehmen. Das wurde am Mittwoch aus Unternehmenskreisen in Berlin bekannt.
BASF hat die Personalie schon offiziell bestätigt. In den vergangenen Wochen war wegen der Bahn-Datenaffäre der Druck auf Suckale gewachsen. Obwohl es keine Belege für rechtlich relevante Verfehlungen gibt, wurden Forderungen aus Politik und Aufsichtsrat immer lauter, sie müsse wie der ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende Hartmut Mehdorn die Verantwortung für die Ereignisse übernehmen.
Immer wieder verlockende Stellenangebote
Diese Forderungen mögen der Auslöser für Suckales Entschluss gewesen sein. Allerdings hatte sie - als einzige Frau im Vorstand der 100 größten deutschen Unternehmen - immer wieder verlockende Stellenangebote bekommen. Dem neuen BASF-Aufsichtsratsvorsitzenden Eggert Voscherau ist Suckale gut bekannt, er saß lange genug im Aufsichtsrat der Bahn. Mehdorn hatte Ende März seinen Rücktritt angekündigt; sein Nachfolger Grube, der aus dem Daimler-Vorstand kommt, ist seit Anfang Mai im Amt.
Die 52 Jahre alte Juristin Suckale war seit dem Jahr 2005 Bahn-Personalvorstand. Einer größeren Öffentlichkeit wurde sie bekannt, als sie während des langwierigen Lokführerstreiks 2007/2008 als Gegenspielerin des Gewerkschaftschefs Manfred Schell zum „Gesicht der Bahn“ avancierte. Von 1997 bis 2005 hatte sie zuvor acht Jahre lang die Rechtsabteilung des Konzerns geleitet. In dieser Funktion gehörte sie auch dem Lenkungskreis Compliance an, der sich mit Korruptionsbekämpfung befasste. Aufträge an Detekteien sollen über ihren Tisch gegangen sein. Im Detail ist ihre Verantwortung aber bisher nicht belegt. Suckale bestreitet wie der übrige Vorstand die Kenntnis von den Datenüberprüfungen und den dabei angewandten Methoden. Der Bericht der Sonderermittler, der ehemaligen Bundesminister Herta Däubler-Gmelin (SPD) und Gerhart Baum (FDP) sowie der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG, wird in der Aufsichtsratssitzung am 13. Mai erwartet. Mehdorn hatte Ende März seinen Hut genommen.
Im Sommer 2008 übernahm der ehemalige Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen Suckales Posten in der DB-Holding. Sie selbst wechselte in den Vorstand der Tochtergesellschaft DB Mobility Logistics. Deren Teilprivatisierung scheiterte indes im vorigen Herbst wegen der aufziehenden Finanzkrise. Dadurch schrumpfte auch die Attraktivität des Vorstandspostens. Ungewiss bleibt jedoch auch Hansens Zukunft als Personalvorstand. Er ist erkrankt und wird voraussichtlich mehrere Monate ausfallen - und das in Krisenzeiten, in denen auch die Bahn ihre Mitarbeiter schon zunehmend kurzarbeiten lässt.
Gute Nachricht für Deutsche Bahn
Robert Hamacher (harohama)
- 07.05.2009, 02:45 Uhr