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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Mpumi Zikalala Mit dem richtigen Schliff

 ·  Diamanten zu fördern, ist Knochenarbeit. Mpumi Zikalala hat sich in dieser Männerdomäne durchgesetzt und leitet heute erfolgreich eine Mine.

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Mpumi Zikalala lässt sich nicht so schnell einschüchtern. Auch nicht, wenn mehrere Dutzend wütend skandierende Minenarbeiter vor ihr stehen, bereit, Steine zu werfen, um höhere Löhne durchzusetzen. Die Sicherheitsleute wollten sie zurückhalten, erinnert sich die 33 Jahre alte Südafrikanerin an diesen Vorfall vor einigen Jahren. Es sei zu gefährlich, noch dazu für eine Frau, warnten die Männer. „Was soll das?“, antwortete Zikalala. „Natürlich gehe ich zu meinen Jungs, wir arbeiten jeden Tag miteinander. Wie kann ich mich da feige in einem Konferenzraum verstecken?“

Zikalala hat einen Arbeitsplatz, von dem Mädchen normalerweise nicht träumen. Sie ist Managerin der Voorspoed-Mine in Kroonstad, 150 Kilometer südwestlich von Johannesburg. Ihr Arbeitgeber De Beers vermutet, dass sie die einzige Frau auf der Welt ist, die eine Diamantenmine leitet. Unter Zikalalas Aufsicht tragen 400 Kumpel tonnenweise Sand ab, sprengen und zerkleinern Felsbrocken. Es ist eine Knochenarbeit, um an die kostbaren Kohlenstoffverbindungen heranzukommen, die später bei Tiffany in den Auslagen glänzen.

Sie kennt jeden und jeder kennt sie

Auf den ersten Blick passt die Minenchefin auch eher zu diesem Teil des Diamantengeschäfts als zu der schweißtreibenden Plackerei auf der Abraumhalde. Gestreifte Bluse, schwarze Hose, die Designerhandtasche rechts, der Blackberry links. Sie lässt sich am Besuchertisch im gerade verwaisten Büro ihres Chefs in der Johannesburger De-Beers-Zentrale nieder. Entspannt sieht sie aus, lacht viel, wechselt mit jedem ein paar Worte, der durch die offene Tür hereinschaut. Jeden scheint sie zu kennen, und jeder kennt sie.

Dass Zikalala damals unerschrocken vor die Streikenden getreten ist, überrascht nicht. Schon ihre Körpergröße von 1,74 Metern legt nahe, dass diese Frau sich nicht versteckt. Gemeinsam mit ihrer Personalchefin habe sie die Arbeiter höflich begrüßt, so wie immer, erzählt sie weiter. Das habe für etwas Ruhe gesorgt. Einige hätten anerkennend „Mensch, Mpumi“ gerufen. So wie sie heute davon berichtet, klingt ihr Auftreten wie das Normalste der Welt. Allerdings gibt es unzählige Beispiele, in denen Tarifstreitigkeiten in Südafrika ein bitteres Ende nahmen. Nicht selten kommt es zu Todesfällen. Diesmal aber verlief alles friedlich. Als die ersten Arbeiter aus den vorderen Reihen kleinlaut hinten in der Menge verschwanden, war klar: Die Minen-Managerin hatte einen Etappensieg erreicht.

Eine Vorzeigemanagerin für den Konzern

Jung, weiblich, schwarz, und noch dazu couragiert - Zikalala bringt alle Attribute mit, die derzeit in Südafrika gefragt sind. De Beers kommt so eine Vorzeigemanagerin sehr gelegen. Immer noch haftet dem 122 Jahre alten Diamantenkonzern der Ruf an, nicht schnell genug auf den politischen Wandel in seiner Heimat reagiert zu haben, ein traditionsverhaftetes und vornehmlich von weißen Männern geführtes Unternehmen zu sein. Sind Frauen wie Zikalala da nur eine Einzelerscheinung? Oder doch der Beginn einer neuen Ära, wie De Beers gerne glauben machen möchte?

Mit spürbarem Stolz erzählt Zikalala, als eines von fünf Kindern in einem abgelegenen Zechenstädtchen namens Vryheid (Freiheit in der Sprache Afrikaans) aufgewachsen zu sein. Der Name war aber eher ein Hohn für die dortige schwarze Bevölkerung. Als die kleine Mpumi geboren wurde, verbrachte Nelson Mandela gerade seine Haftzeit auf der Gefängnisinsel Robben Island. Eine Zeit schlimmster politischer Spannungen. Niemand hätte einem schwarzen Mädchen damals große Chancen auf dem Arbeitsmarkt prophezeit. In ihrer Familie - die Mutter war Lehrerin, der Vater Schulinspektor - wurde Bildung dennoch großgeschrieben. „Es gab eine ganz einfache Regel“, erklärt sie, „entweder du gehst in die Schule und lernst, oder du suchst dir eine andere Familie. Das ist kein Witz, meine Eltern waren bei diesem Thema sehr streng.“

Kurz vor dem Ende ihrer Schulzeit wendete sich das Blatt. Mandela wurde zum Staatspräsidenten gewählt, das „Neue Südafrika“ hatte begonnen, und schwarze Schulabsolventen waren mit einem Mal begehrt. Mitarbeiter von De Beers und Anglo American kamen an die Schule, um Stipendien zu vergeben. „Ich hatte ehrlich gesagt noch nie etwas von Ingenieurwissenschaften gehört. Aber die Tatsache, dass es ein sehr hartes Studium sein sollte, gefiel mir.“ Die Musterschülerin bekam das Stipendium, studierte zunächst Metallurgie, wechselte zu chemischer Verfahrenstechnik und fuhr in den Semesterferien unter die Erde, zu den Lagerstätten von Gold und Diamanten.

Sich als Frau ausgerechnet diesen Beruf auszusuchen stieß nicht überall auf Verständnis - auch nicht in ihrer Familie. In den ausschließlich von Männern bewohnten Minen-Hostels etwa herrschten lange Zeit katastrophale Zustände. Überfüllung, Gewalttaten und Prostitution waren alltäglich. Kein Wunder, dass man sein Töchterchen nicht in der Nähe solcher Orte wissen wollte. „Mein Vater war traumatisiert“, erinnert sich Mpumi Zikalala. „Sein eigener Vater hatte in den Minen gearbeitet. Er war monatelang von der Familie getrennt, tauchte nur ab und zu mit Geld auf. Mein Vater hat sehr darunter gelitten.“

Die Bedingungen haben sich gebessert

Heute haben sich die Arbeits- und Wohnbedingungen zumindest in den Bergwerken der führenden Minenkonzerne gebessert. Trotzdem sollte der Vater in einem Punkt recht behalten: Es war nicht einfach, sich in der Männerwelt durchzusetzen. Flirtversuche, Frotzeleien, Aufbegehren gegen die Chefin blieben nicht aus. Doch die lässt sich das nicht bieten. „Wenn sich jemand nicht so benimmt, wie es sich am Arbeitsplatz gebührt, lade ich ihn zu einem ernsthaften Gespräch ein, ich nenne es ein Mutter-Sohn-Gespräch. Das mag seltsam klingen, aber es wirkt.“

Zikalala selbst musste sich auch erst einmal an den schroffen Umgangston im Bergbau gewöhnen. „In meiner Kultur ist es undenkbar, einen älteren Mann nur mit dem Vornamen anzusprechen. Man würde immer ,Onkel’ zu dem Namen dazusetzen.“ Aber in einer Mine? Wo sie das Sagen hat? „Natürlich kann man da nicht mit einem süßen Stimmchen ins Funkgerät hauchen: ,Onkel Thabo, könnten Sie bitte das Ventil aufmachen?’ Dann macht Onkel Thabo erst einmal Pause.“ Nach Dienstschluss sei Thabo für sie dann aber wieder „Onkel Thabo“ - gelernt ist gelernt.

„Manchmal dachte ich: Meine Güte ist das hart“

Hilfreich sei, das Handwerkszeug selbst von der Pike auf gelernt zu haben. Wenn es in den ersten Berufsjahren Schutt zu verladen gab, verlud sie Schutt. Wenn es schwere Geräte zu heben galt, packte sie an. „Das Schlimmste wäre gewesen, wenn die Jungs gesagt hätten: Ach, sie ist ja nur ein Mädchen. Aber manchmal dachte ich mir schon: Meine Güte, ist das hart“, erzählt sie.

In der Voorspoed-Mine arbeiten schon heute überdurchschnittlich viele Frauen. Ginge es nach der Chefin, könnten es noch mehr sein. Doch Frauen müssen die gleichen Einstellungstests absolvieren wie Männer. Viele scheitern am letzten Teil, dem Test auf die körperliche Eignung. Zikalala - zu Schulzeiten eine erfolgreiche Hochspringerin - gibt zu, diesen auch nur nach hartem Training geschafft zu haben. „Das ist einer der Gründe, weshalb wir uns schwertun, Positionen mit Frauen zu besetzen. Man kann keine Kompromisse eingehen, letztlich geht es auch um die Sicherheit der Person.“

Außenstehende können es immer noch nicht glauben, dass eine Frau ein Bergwerk führen kann. Zikalala hat unzählige Anekdoten parat, von penetranten Anfragen an Mr Zikalala, und von Besuchern, die sie irrtümlich für die Tea-Lady halten. Ärgert es sie, dass die Formel „schwarze junge Frau = Hilfskraft“ in den Köpfen feststeckt? „Ach was“, meint sie, „man muss den Leuten Zeit geben. Letztlich geht es doch nur um eines: eine gute Arbeit zu machen.“ Nach dem Beginn einer neuen Ära klingt das nicht. Vermutlich dauert es noch lange, bis Frauen wie sie nicht mehr erklären müssen, wie sie es als Frau so weit geschafft haben - sondern nur noch, wie sie es geschafft haben.

Ich über mich

Ein guter Arbeitstag beginnt mit ...

... einer Runde im Fitness-Center frühmorgens. Wenn ich danach noch eine Tasse Rooibos-Tee mit Honig und Zitrone trinke, wird es ein richtig guter Tag.

Die Zeit vergesse ich, ...

... wenn ich mit Menschen zu tun habe.

Wer es in meinem Geschäft zu etwas bringen will, ...

... der muss sehr belastbar sein.

Erfolge feiere ich, ...

... indem ich Zeit mit den Menschen verbringe, die mir nahestehen. Ich arbeite sehr hart, deswegen sind mir solche Momente besonders wichtig.

Es bringt mich auf die Palme, ...

... wenn Leute negativ eingestellt sind. Ich glaube, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Nörgler rauben mir alle Energie.

Mit 18 Jahren wollte ich ...

... Ärztin werden.

Im Rückblick würde ich nicht noch einmal ...

... meine sportliche Karriere aufgeben. Ich war früher eine passionierte Leichtathletin. Abgesehen davon, habe ich bisher fast alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe.

Geld macht mich ...

... - ich schätze Geld, aber es geht nicht nur um Geld im Leben.

Rat suche ich ...

... bei meiner Mutter und bei Fachleuten. Ich glaube nicht daran, das Rad ständig neu erfinden zu müssen.

Familie und Beruf sind ...

... sehr wichtig für mich.

Den Kindern rate ich, ...

... konzentriert euch auf eure Ausbildung und arbeitet hart. Macht die richtigen Dinge zur richtigen Zeit im Leben.

Mein Weg führt mich ...

... hoffentlich eines Tages zu einer eigenen Familie und zu vielen weiteren interessanten Herausforderungen.

Zur Person

Mpumi Zikalala wird am 23. Dezember 1978 im südafrikanischen Städtchen Vryheid geboren.

Eigentlich will sie Ärztin werden. Ein Stipendium von De Beers führt zu einem Ingenieurstudium. Sie ist eine der wenigen Studentinnen in diesem Fach.

Nach dem Abschluss fängt sie in der Cullinan-Mine von De Beers an. Heute leitet sie die 2008 wiedereröffnete Voorspoed-Mine, die für große rosafarbene Diamanten bekannt ist.

In ihrer Mine sind 35 Prozent der Mitarbeiter weiblich, so viele wie in keiner anderen Mine in Südafrika.

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