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Mobilität und Karriere Späte Heimatgefühle

Karriere zu machen hat einen Preis. Unter anderem auch den, ein Leben fern der Heimat zu führen. Das stört junge Jobnomaden wenig. Aber das kann sich ändern.

© Cyprian Koscielniak

Den Dom mit zwei Türmen gibt es eben doch nur in Köln, auch wenn die große Kirmes in Hamburg so heißt.“ Ruth Henn sagt das humorvoll, aber ihr ist anzumerken, dass sie froh ist, wieder im Rheinland zu sein. „Wir haben uns in Hamburg wohl gefühlt, die Leute sind offen, verlässlich. Das war eine Superzeit, aber Zuhause, das ist etwas anderes.“ Die 39 Jahre alte Pressefrau eines großen Handelsunternehmens hat einige Umzüge hinter sich: Geboren in Köln, aufgewachsen in einem Dorf im Norden der Domstadt, ist sie nach ihrem Germanistik-, Geschichts- und Politikstudium zu einer Zeitung nach Hessen gewechselt. Dann kam die Medienkrise, sie zog nach Hamburg, machte Pressearbeit für die Stadt. Ihr Freund Thomas und heutiger Ehemann, ein Diplomkaufmann aus ihrem Geburtsort, arbeitet in der Automobilindustrie und ist ihr nach Jahren der Wochenendpendelei in die Hansestadt gefolgt. Dann kündigte sich nach Tochter Isabelle mit Felix das zweite Wunschkind an und für ihren Mann die Option, zurück nach Köln wechseln zu können. Die Henns kehrten heim ins 6000 Einwohner zählende Dorf, kauften ein Haus, genießen die Nähe der einsatzfreudigen Großeltern und das Gefühl, endlich angekommen zu sein. „Das macht das Leben leichter“, sagt die zierliche und tatkräftige Frau, die eine Teilzeitstelle hat. „Wir leben so richtig spießig, wie wir uns das gewünscht haben. Wir grillen mit Freunden, die Kinder rennen durch den Garten.“

Ursula  Kals Folgen:

Am Ende steht die Rückkehr, am Anfang der Aufbruchswille: Bloß raus aus der Provinz, rein in die Großstadt. Wie gut, dass es in Mindergangelt keine Universität gibt und die Koffer für Berlin schon gepackt sind. In jungen Jahren sind Wechsel keine Bedrohungen, sondern verheißungsvolle Aufbrüche. Gerade Akademiker sind im Beruf mobil. So wie bei den Henns: „Wir wollten einfach mal raus, uns auf neue Leute, eine andere Mentalität einstellen.“ Außerdem sind ja alle um einen herum mobil, mal beim Freiwilligen Jahr in der brasilianischen Favela, mal zum Praktikum in der Londoner Kanzlei, dann lockt der lukrative Posten in Stuttgart und drei Jahre später das Angebot aus Berlin, das man beim besten Willen nicht ausschlagen kann. Ein Schönheitsfehler, dass der Partner an der Spree keine Stelle findet. Aber auch die Fernbeziehung lässt sich schönreden. Zumindest eine Zeitlang.

Skiurlaub mit dem Nachbarjungen aus der Kindheit

Irgendwann ändert sich die positive Sicht auf die Unbeständigkeit. Spätestens dann, wenn Kinder kommen. Die Bereitschaft, alles der Karriere unterzuordnen, nimmt mit den Jahren ab, besagen Umfragen. Laut der Accenture-Studie „Die Generation Y im Berufsalltag“ müssen schon beim Berufseinstieg Kompromisse und Abstriche gemacht werden, unter anderem auch beim Standort des Arbeitgebers.

Sesshaft zu sein ist möglicherweise doch nicht der Inbegriff der Spießigkeit erkennt mancher, der früher die Reihenhausträume der anderen belächelt hat. Und es fühlt sich doch nicht so verkehrt an, Langzeitpläne zu machen und vor Ort einen stabilen Freundeskreis zu haben. Denn das ist der Preis, der zu zahlen ist, wenn man den Karrierestationen hinterherreist: Die wenigen, richtig guten Freunde, die leben meist woanders. Oder ziehen zurück an den Ort ihrer Kindheit. So wie der Freundeskreis der Familie Henn. „Wir fahren mit dem Nachbarjungen in Skiurlaub, der hat jetzt auch Familie“, sagt Ruth Henn.

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