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Mitarbeitermotivation : Zur Belohnung an den Polarkreis

  • -Aktualisiert am

„There’s no better way to fly“: Seit Jahr und Tag gilt das auch für die Lufthansa-Mitarbeiter, wenn sie verreisen. Bild: FRAEIK

Ob Gratisreisen, Aktienoptionen oder der „Ball der Besten“ - für die Motivation ihrer Mitarbeiter greifen die Unternehmen tief in die Tasche. Aber bringt das überhaupt etwas?

          Auch in turbulenten Zeiten der Luftfahrt ist die Deutsche Lufthansa immer noch ein großzügiger Arbeitgeber. Einen Nimbus, den der ehemalige Staatskonzern keineswegs nur den üppigen Gehältern seiner Piloten oder den großzügigen Pensionen für die übrigen Mitarbeiter im Konzern verdankt. Hochschulabgänger oder Quereinsteiger aus anderen Branchen lockt Europas größte Fluggesellschaft besonders mit der Aussicht, auch in der Freizeit preiswert verreisen zu können.

          Für 10 Prozent eines normalen Ticketpreises (ohne Steuern und Gebühren) sind Flüge rund um die Welt für die 117 000 Lufthanseaten samt Anhang buchbar. Doch vom Vorteil des „Stand-by“-Flugscheins für die heißbegehrte Weltreise profitieren tatsächlich nur Mitarbeiter, die kaum zu frustrieren und zeitlich flexibel sind. Angesichts dürftiger Gewinne im Konzern haben „Vollzahler natürlich Vorrang“, heißt es in der Zentrale strikt, „nur wenn Maschinen auf bestimmten Flugstrecken freie Sitzplätze haben, kommen die Mitarbeiter an die Reihe“.

          So wie die Lufthansa ködern auch andere Unternehmen mit internen Vorzügen, um die Belegschaft bei Laune zu halten, die Kultur im Betrieb zu pflegen oder Mitarbeiter gezielt auf Höchstleistung zu trimmen. Die Liste der Anreize oder Sonderprämien ist entsprechend lang, manche Arbeitnehmer haben daher die Qual der Wahl: zum Beispiel, ob sie den Firmenwagen auch privat nutzen wollen oder die Jahreskarte für die S-Bahn vom Arbeitgeber erstattet bekommen. Daneben kann zur Debatte stehen, ob Angestellte von einer betrieblichen Zusatzrente profitieren, ihr Studium finanziert bekommen oder mit einer Familienreise nach Spanien belohnt werden, wenn an der Verkaufsfront alles rundläuft.

          Das Cafeteria-System allein macht nicht glücklich

          So war etwa der Verkäufer eines namhaften Staubsaugerherstellers regelrecht gerührt, als er hörte, was sich sein Arbeitgeber als Sonderleistung für seine erfolgreiche Arbeit ausgedacht hatte: eine Woche Urlaub auf Mallorca in einem Luxushotel mit der ganzen Familie. „Das war ein Hotel, das ich selbst so nie gebucht hätte“, schwärmt er. Gerade deshalb sei ihm die Belohnung bis heute in Erinnerung geblieben. Ein Mitarbeiter eines Autozulieferers berichtet Ähnliches von einer Belohnungsfahrt zum Polarkreis mit Motorschlitten und einem romantischen Abschluss-Grillfest auf einem Eisbrecherschiff.

          Nicht alle Belohnungen, Prämien, Sonderleistungen oder „Fringe Benefits“, wie sie in Banken und Unternehmen weltläufig vornehm heißen, fallen so exotisch aus wie eine vom Arbeitgeber aus besonderem Anlass spendierte Urlaubsfahrt. „Aber solche individuellen Anreize werden immer häufiger eingesetzt“, sagt Jürgen Helfen, Miteigentümer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Der Experte unterscheidet dabei zwischen verschiedenen Kategorien.

          Da ist zum Beispiel das sogenannte Cafeteria-System. Die Vergütung umfasst dabei neben dem reinen Gehalt auch weitere geldwerte Bestandteile wie etwa Dienstwagen, die private Gesundheitsvorsorge oder Kindergartenzuschuss. Allein durch die Vielfalt an Optionen werde beim Arbeitnehmer das Gefühl einer Wertschätzung erzeugt und so ein emotionaler Mehrwert geschaffen. „Diesem System sind in Deutschland jedoch enge Grenzen gesetzt, weil geldwerte Vorteile bis auf geringe Freibeträge versteuert werden müssen“, sagt Helfen.

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          Beispielsweise unterstellt beim Dienstwagen der Fiskus grundsätzlich, dass er auch für private Zwecke eingesetzt wird. Ausnahmen von der Versteuerung geldwerter Vorteile sind nur die Zuschüsse des Arbeitgebers zu Kindergarten und Fahrtkosten. Außerdem laut Helfen zunächst zurückgehaltene Zahlungen, die später als Teil der Altersvorsorge des Arbeitnehmers ausgezahlt werden: „Damit entgehen die Beschäftigten der Steuerprogression in der Einkommensteuer.“ Das sei günstiger als eine Auszahlung in Form einer Überschussbeteiligung, die sofort versteuert werden muss.

          Als eine gesonderte Kategorie der Leistungsanreize hebt der PwC-Experte die Gewinnbeteiligungen hervor: „Dazu zählen Aktienoptionen und Genussrechte.“ Allerdings sei auch hier der steuerfreie Bezug mit 360 Euro stark begrenzt. Eine dritte Kategorie der Belohnungen in Unternehmen sind ausbildungsbezogene Förderungen, die in der Industrie offenbar zunehmend an Bedeutung gewinnen. „Das kann Zeit oder Geld als Unterstützung dafür sein, dass ein akademischer Abschluss wie etwa ein Bachelor nachgeholt wird“, erläutert Helfen.

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