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Nachwuchs gesucht : Charmeoffensive im Netz

  • -Aktualisiert am

Herausputzen für potentielle Bewerber: Medientag bei der Bundeswehr Bild: dpa

Youtube-Filme, Facebook-Einträge, Snapchat-Storys: Viele Unternehmen legen sich ins Zeug, um Mitarbeiter bis 30 Jahre zu locken. Aber was bringt’s?

          Das Filmchen der Deutschen Telekom versetzt den Betrachter ins Jahr 3018. Zu sehen ist der Mars, der von Hackern attackiert wird. Die Bösewichter sind Klingonen, wie die Unterzeile verrät. Abgewehrt wird der Angriff von der Deutschen Telekom. „3018 schützen wir nicht nur die Kunden in Europa“, frohlockt Ute Neher, Fachfrau für Personalmarketing. Sie hofft, dass viele Nutzer „über den Clip schmunzeln und ihn mit anderen teilen“. Das Ziel: Möglichst gut qualifizierte junge Fachkräfte sollen sich bei der Telekom bewerben. Um sie auf das Unternehmen aufmerksam zu machen, geht Neher so weit, auf Veranstaltungen magentafarbene Hemden und Kleider zu tragen.

          Angesichts des demographischen Wandels und des Mangels an Fachkräften in einigen Branchen stehen immer mehr Unternehmen in einem erbitterten Wettstreit um begehrte Mitarbeiter. Besonders kreativ werden sie, wenn es um die Klientel bis 30 Jahre geht. Dass viele Arbeitgeber bei Facebook, Twitter und Instagram Karrierekanäle unterhalten, die sie regelmäßig mit Videos, Comics, Einladungen zu Jobmessen und anderem bespielen, ist längst selbstverständlich. Der letzte Schrei ist die Zusammenarbeit mit bekannten Youtubern aus der Altersgruppe. So hat der 23 Jahre alte Webvideo-Produzent Felix von der Laden die Bundespolizei auf Streife begleitet. Die Serie, die, unterlegt mit peppiger Musik, auch über Karrierechancen informiert, hat schon Hunderttausende Klicks erreicht.

          An anderen Unternehmen gehen derlei Trends vorbei, sagt der 30 Jahre alte Jakob Osman. Der Betriebswirt leitet die Agentur Junges Herz in Dresden, die sich auf das Personalmarketing für die junge Zielgruppe spezialisiert hat. „In einigen ostdeutschen Unternehmen findet man immer noch Menschen, die sagen: Der Fachkräftemangel ist nicht so schlimm. Die jungen Menschen sollen sich bei uns bewerben, und wenn sie es nicht tun, sind sie dumm“, sagt Osman. Er meint allerdings auch, dass die schönste Personalmarketingkampagne nichts fruchtet, wenn sich dahinter ein Unternehmen verbirgt, das seine Mitarbeiter respektlos oder unfair behandelt. So etwas spreche sich schnell herum. „Die junge Generation interessiert vor allem, welche Werte das Unternehmen vertritt und dass sie dort ein gutes Arbeitsumfeld vorfindet.“

          Unternehmen schalten immer häufiger Imagekampagnen

          Auch die Volkswirtin Anja Warning vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg sieht die Clips skeptisch: „Man kann immer öfter beobachten, dass Unternehmen Imagekampagnen schalten, um die eigene Arbeitgebermarke aufzupolieren. Dahinter müssen nicht immer offene Stellen stehen, die besetzt werden sollen.“ Auch verweist Warning auf eine Studie, für die Mitarbeiter des IAB Betriebe befragten, wie sie freie Stellen besetzt haben. Wenn Arbeitgeber eine jüngere Person suchen, finden sie diese eher nicht über Facebook, sondern auf anderen Wegen, resümiert Warning, „insbesondere durch eigene Mitarbeiter oder persönliche Kontakte, über die Arbeitsagentur oder durch eine Stellenanzeige in der Zeitung“.

          Die Bundeswehr ist mit jährlich 25 000 bis 30 000 Neueinstellungen einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Gesucht werden sowohl Soldaten wie auch Cyberwar-Spezialisten. Daneben auch zivile Beschäftigte, etwa für die IT oder Ärzte für Bundeswehrkrankenhäuser. Noch vor fünf Jahren schaltete die Bundeswehr Fernsehspots mit jung-dynamischen Menschen, die, im Kaffeehaus sitzend, von einer „Karriere mit Zukunft“ träumten. Von TV-Werbung hat sich das Militär verabschiedet, da das Medium bei 17 bis 30 Jahre alten Menschen längst nicht mehr so beliebt ist wie früher. Anzeigen in Printmedien gibt es dagegen weiterhin. „Damit wollen wir in erster Linie Multiplikatoren in Politik und Wirtschaft erreichen“, sagt Dirk Feldhaus, der „Beauftragte Arbeitgebermarke“.

          Die Bundeswehr als Webserie auf Youtube

          Vor zwei Jahren sahen sich Hunderttausende die Webserie „Die Rekruten“ über echte angehende Soldatinnen und Soldaten beim Grundwehrdienst in Mecklenburg an. 316 500 Youtube-Abonnenten interessierten sich 2017 für „Mali“, eine Serie, die Soldaten bei ihrem Einsatz in dem westafrikanischen Land begleitete. Während Kritiker den „Rekruten“ noch vorwarfen, dass die Filme angenehme Themen wie Abenteuer, Kameradschaft und den Umgang mit moderner Technik in den Vordergrund rücke und unangenehme Themen wie Kampf und Verletzungen verharmlose, wagte sich „Mali“ genau daran: Die Serie zeigte zum Beispiel, welche emotionalen Folgen der Absturz deutscher Hubschrauberpiloten für die Soldaten vor Ort hatte.

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