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Brigitte Mohn : Vom Imperium befreit

  • -Aktualisiert am

Zwischen Bertelsmann und Schlaganfallhilfe: Brigitte Mohn Bild: Bertelsmann

Sie ist die Bertelsmann-Erbin und wollte Ärztin werden. Später ging sie nach Amerika und beriet Unternehmen. Heute hat Brigitte Mohn eine Aufgabe gefunden, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

          Pressekonferenz in der sonst eher nüchternen Hamburger Europa-Passage, die an diesem Freitagmorgen mit Hunderten bunter Blumenbilder geschmückt ist. Verona Pooth ist da, lächelt in die Kameras, zupft ihre blaues Audrey-Hepburn-Kleid öffentlichkeitswirksam zurecht. Pooth ist das Gesicht der Deutschen Schlaganfallhilfe, wirbt für schnelles Handeln im Ernstfall seit Monaten im deutschen Fernsehen. Neben ihr im schwarzen Kostüm sitzt Brigitte Mohn, der Kopf der Organisation. Schmal wirkt sie in ihrem schwarzen Kostüm, fast ein wenig zerbrechlich.

          Während Verona Pooth voller Pathos erzählt, wie wichtig es sei, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, und wie sehr es sie berührte, als ihre „Freundin Liz Mohn“ vom Schicksal des eigenen Sohnes erzählte, klingt die Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe deutlich nüchterner. Ruhig und bescheiden erzählt sie, wie der Münsteraner Künstler Pellegrino Ritter mit seiner Idee zu ihr nach Gütersloh kam; wie sie sofort wusste, das ist das Richtige, um das ernste Thema Schlaganfallhilfe einmal völlig neu anzugehen. Malen hilft Patienten, Blumenbilder schenken macht Freude, und deren Verkauf hilft der Schlaganfallhilfe.

          Abnabelung in Amerika

          Lösungen wie diese liebt Brigitte Mohn. Seit 2001 ist sie Vorstandsvorsitzende der Schlaganfallhilfe, die heute 33 Mitarbeiter beschäftigt. Sie hat die Aufgabe von ihrer Mutter Liz Mohn übernommen, die die Organisation 1993 gründete. „Ein paar Wochen musste ich damals schon überlegen, ob ich das will“, räumt sie offen ein. Schließlich legte die heute 42 Jahre alte Mohn schon immer viel wert darauf, ihren eigenen Weg zu gehen. Der wichtigste Pfad führte sie zweifellos über Amerika. Dort lernte sie nicht nur, auf eigenen Füßen zu stehen, sich von der Krankenversicherung bis zur Wohnung um alles selbst zu kümmern. Noch wichtiger war die Distanz aus einem anderen Grund. „Unternehmerkinder haben es schwerer als andere, sich zu beweisen“, sagt sie rückblickend auf diese Zeit.

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          Und es ist schließlich nicht irgendein Unternehmen, in das Brigitte Mohn hineingeboren wurde, sondern ein wahres Imperium, das im Jahr fast 20 Milliarden Euro umsetzt. Denn die Bertelsmann AG ist der einzige deutsche Medienkonzern, der derzeit in der Weltliga mitspielt. Zu dem nicht börsennotierten Unternehmen aus Gütersloh gehören vor allem die RTL-Group mitsamt dem führenden deutschen Privatfernsehsender und der Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr, der weltgrößte Buchverlag Random House sowie die Hälfte der Plattenfirma Sony BMG Music Entertainment.

          So half Brigitte Mohn ihre Zeit in Amerika auch, die eigene Familie mit mehr Distanz zu sehen, Überzeugungen wie die des Vaters Reinhard Mohn („Wer eine privilegierte Stellung hat, muss der Gesellschaft etwas zurückgeben“) teilen zu können ohne das Gefühl, sich selbst etwas zu vergeben.

          Wir-Kultur nicht immer förderlich

          Bei der Entscheidung, den Vorstandsvorsitz der Schlaganfallhilfe zu übernehmen, zählte für die Tochter aus dem Hause Bertelsmann aus eigener Sicht nur eines: Sie brauchte eine Vision, damit das Amt zu ihrem eigenen wird. Die promovierte Politologin fand die Antwort in einem Satz: Dem dritten Sektor fehlt die professionelle Effizienz. Wenn Stiftungen vom Staat Geld und steuerliche Erleichterungen bekommen, müssen sie mit dem Geld auch gut umgehen, lautete die nüchterne Übersetzung dieser Erkenntnis. Die Aufgabe reizte.

          Das Rüstzeug dafür hatte sich Mohn in diversen Stationen erarbeitet. Prägend war die Zeit bei der Unternehmensberatung McKinsey. Hier stellte sie nicht nur fest, dass eine reine Wir-Kultur nicht immer leistungsfördernd und „danke sagen“ wichtig ist. „Zur Motivation gehört auch, dass man mal sagt: Dies ist Dein Erfolg beziehungsweise der Erfolg des Teams“, sagt sie. Hier verfestigte sich auch ihr Interesse daran, „Lösungsansätze zu schaffen, Strukturen und Systeme aufzubauen“. McKinsey war aber noch für eine weitere Einsicht gut – das betriebswirtschaftliche Rüstzeug zu verbessern. So entschied sie sich nach ihrem Ausflug in die Beraterbranche für ein MBA-Studium an der renommierten WHU in Koblenz und dem Kellogg Institute in den Vereinigten Staaten. „Ohne McKinsey hätte ich gedacht, ich kann das alles auch so“, merkt sie lächelnd an.

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