http://www.faz.net/-gyl-6rp4j

Ute Biernat : Mit Vorliebe Tempo 200

Ganz toll oder ganz schrecklich: TV-Produzentin Ute Biernat denkt in Extremen Bild: Edgar Schoepal

Ute Biernat gilt als Deutschlands führende Fernsehproduzentin. Die neue Sendung mit Thomas Gottschalk könnte ihre Karriere krönen - oder beenden.

          Es gibt ein Bild im Büro von Ute Biernat, das sagt viel über ihr Berufsleben aus. Es zeigt, ein wenig krisselig, die Beine einer Frau inmitten von Männerbeinen. Ein heller Rock und Stöckelschuhe, umringt von schwarzen Anzughosen und Herrenschuhen. Es sind Biernats Beine und die einiger RTL-Manager, wie sie im Studio der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ beisammenstehen. Das Foto hat eine Kollegin von Biernat mit dem Handy gemacht und auf Leinwandformat vergrößert. Nun hängt es an der Wand und erinnert Biernat jeden Tag daran, dass in der Medienbranche zwar viele Frauen arbeiten, aber nur wenige in einer Spitzenposition.

          Ute Biernat ist eine von ihnen. Seit mehr als zehn Jahren führt sie in Köln die Produktionsfirma Grundy Light Entertainment (Grundy LE), die zur RTL Group gehört, aber auch für andere Fernsehsender Unterhaltungssendungen produziert. „Ich bin die Avon-Beraterin des deutschen Fernsehens“, sagt Biernat. „Das hier für den Tag, das hier für den Abend“, ahmt sie eines jener Gespräche nach, die sie regelmäßig mit Programmverantwortlichen führt. Ihr Metier ist das Seichte, und sie verteidigt es mit aller Vehemenz, wann immer ein Spielfilm- oder Nachrichtenmacher die Nase rümpft. „Ich hab' mir zur Lebensaufgabe gemacht, dass Unterhaltung etwas Wertvolles ist. Das Leichteste ist manchmal das Schwerste.“

          Lieber hauptberuflich Stühle polstern?

          Es läuft gerade gut für Biernat. Zum wiederholten Mal führt ihr Unternehmen die Rangliste der erfolgreichsten Produzenten in Deutschland an. Die achte Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, kurz „DSDS“, hat wieder Millionen Zuschauer in ihren Bann gezogen. Für die Talentshow „X-Factor“ auf Vox hat Biernat kürzlich den Bayerischen Fernsehpreis gewonnen. Und im kommenden Jahr soll Grundy LE auch die neue Sendung von Thomas Gottschalk in der ARD produzieren. „Das ist toll“, frohlockt Biernat mit einem Gesichtsausdruck, der von Neugier und Vorfreude zeugt.

          Ute Biernat ist keine dieser Frauen, die sich männlich geben, um ihre Führungsrolle zu demonstrieren. Sie trägt ein kurzes Kleid und verdammt hohe Schuhe, ihre Haare sind lang und blond. Sie ist eitel, daraus macht sie keinen Hehl. Der 50. Geburtstag im vergangenen Jahr hat ihr zu schaffen gemacht. Aber auch ohne runde Geburtstage bekommt sie zweimal im Jahr eine „Generalkrise“, wie sie sagt. Dann stellt sie alles in Frage und überlegt, ob sie nicht hauptberuflich Stühle und Sessel polstern sollte, eines ihrer Hobbys. „Das versendet sich nicht.“ Vorerst bleibt es ein Hobby.

          „Ich kann alles, aber nichts auf Kommando“

          Ursprünglich wollte Ute Biernat nicht hinter der Kamera, sondern davor stehen, Schauspielerin werden. Was bei ihrem Vater auf wenig Begeisterung stieß. Ihm schwebte für seine Tochter ein Jurastudium vor, etwas Vernünftiges eben. Biernat studierte schließlich Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, das war der Kompromiss. Nebenbei nahm sie Schauspielunterricht. Und kam schnell zu der Erkenntnis: „Ich kann alles, aber nichts auf Kommando.“

          Biernat begann daraufhin, neben dem Studium fürs Fernsehen zu arbeiten. Sie machte Beiträge für die „Aktuelle Stunde“ im WDR, übte sich in längeren Dokumentationen. Als sie ihren Magisterabschluss in der Tasche hatte, hatte sie genug davon. Sie ahnte, dass Unterhaltung sie mehr reizen würde, und sie wusste, dass Deutschland dafür ein denkbar schlechter Ort war. Die großen Unterhaltungsshows, sie wurden und werden vorwiegend im Ausland erdacht. Also schrieb Biernat Goethe-Institute in aller Welt an, bat um Kontakte zu Fernsehsendern und flog im Jahr 1992 auf eigene Kosten nach Neuseeland. Wo die Kollegen bei TV3 enttäuscht waren, weil sie sich unter „Ute“ einen Mann vorgestellt hatten.

          Unterhaltung am Fließband

          „Nach der ersten Woche habe ich heulend in der Ecke gesessen und mich gefragt: Was machst du hier?“ Doch die Reise hat sich gelohnt. Biernat saß in den Sitzungen mit dabei, in denen neue Sendungen konzipiert wurden, merkte, dass Unterhaltung mitunter Fließbandarbeit ist. „Wenn vier Sendungen an einem Tag aufgezeichnet werden, lernt man wirtschaftliches Denken.“ Zwei Jahre dauerte ihr Streifzug durch die internationale Unterhaltungswelt, auf TV3 folgten Channel Ten in Australien sowie ABC, CBS und NBC in Amerika. Es sei die beste, aber auch die anstrengendste Zeit ihres Lebens gewesen, sagt Biernat.

          Weitere Themen

          Wer stürmt den Fußball-Olymp? Video-Seite öffnen

          Frankreich oder Kroatien : Wer stürmt den Fußball-Olymp?

          Es ist das wohl größte Fußballspiel dieses Planeten. Alle vier Jahre ermittelt die Fußballwelt einen neuen Weltmeister. Der heißt dieses Jahr weder Brasilien, noch Deutschland oder Argentinien und schon gar nicht Italien. Setzt sich mit Frankreich der Favorit durch? Oder setzt sich das vier Millionen Einwohner starke Kroatien erstmals die Fußballkrone auf?

          Was sie noch zu sagen hätten

          Sexismus bei der WM : Was sie noch zu sagen hätten

          Seit vier Wochen kommen weltweit Fußball-Moderatorinnen und Kommentatorinnen zu Wort. Sie erleben Zorn, Ablehnung und Übergriffe. Aber etwas Grundlegendes hat sich verändert. Die Zeiten am Rand des Sofas sind vorbei.

          Topmeldungen

          Heimliche Mitschnitte : Trump attackiert seinen früheren Anwalt

          Donald Trump hat in der Schweigegeld-Affäre schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Anwalt und die Ermittler erhoben. Dass Michael Cohen während eines Gesprächs mit Trump heimlich einen Mitschnitt gemacht habe, sei „vielleicht illegal“, twitterte Trump.

          Scholz bei G-20-Treffen : Für einen freien Handel

          In Buenos Aires treffen sich die Finanzminister der führenden Wirtschaftsnationen. Für Deutschland reist Olaf Scholz nach Argentinien – und pariert sogleich Trumps Währungsmanipulationsvorwürfe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.