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Veröffentlicht: 31.08.2012, 15:00 Uhr

Thomas Ohrner Mehr als ein Kinderstar

Die Hauptrolle in der Serie „Timm Thaler“ machte ihn als Kind berühmt. Heute sucht Thomas Ohrner im Fernsehen Nachfolger für mittelständische Betriebe.

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© Anna Jockisch Mit einem Volontariat bei einem Radiosender startete Thomas Ohrner seine zweite Karriere.

Zum Treffpunkt kommt Thomas Ohrner mit dem Rad. Pünktlich auf die Minute schwingt er sich vom Sattel und steuert auf den Tisch im Biergarten zu. Von der ersten bis zur letzten Frage bleibt der Schauspieler und Moderator interessiert, von der ersten bis zur letzten Fotoaufnahme unkompliziert. Entweder ist dieser Mann ein medialer Vollprofi, der sein Image der Freundlichkeit perfekt pflegt, oder er ist einfach so: einfach von Natur aus nett.

Ursula  Kals Folgen:

Menschen mittleren Alters kennen ihn aus „Timm Thaler“, der Weihnachtsserie des ZDF aus dem Jahr 1979. Thomas Ohrner spielte darin die Hauptrolle. Die Serie zog unzählige Zuschauer in ihren Bann und machte aus dem unbekannten Jungen einen Kinderstar. Doch auch der heutigen Jugend ist der Name Thomas Ohrner ein Begriff. Eine nichtrepräsentative Umfrage unter einer Gruppe von Gymnnasiasten fördert viele Juchzer zutage: „Ja, den kennen wir doch aus ,Verbotene Liebe‘“, sagt eine, die mit der ARD-Seifenoper bestens vertraut ist. „Das ist ein total Netter“, trumpft eine andere auf. Sie hat Familie Ohrner während des Urlaubs in einem Robinson-Club in Italien getroffen. „Die waren total freundlich.“

Im Licht der Öffentlichkeit

Thomas Ohrner lächelt, als er das hört. „Du arbeitest für die Öffentlichkeit, also hast du das zu akzeptieren.“ Der Siebenundvierzigjährige blickt auf eine lange Medienkarriere zurück. Mit acht Monaten nahm ihn seine Mutter zu Werbeaufnahmen mit, er lächelte für Margarine und Waschmittel. In den siebziger Jahren begann seine Karriere als Kinderschauspieler. Ohrner wirkte in der Serie „Das Haus der Krokodile“ mit und wurde durch „Timm Thaler“ und „Manni, der Libero“ schließlich einer breiten Öffentlichkeit bekannt. „Das machte Spaß, war wie ein Abenteuerspielplatz. Drehen mit einem Team hat etwas von Zirkusluft.“

Weniger mochte er aufdringliche Fans. Die füllten Wäschekörbe voller Herzchenbriefe, schauten am Reihenhaus am Lerchenauer See im Münchener Norden vorbei und brachten ihn mit ihren „Tommy, komm raus, ich will ein Kind von dir“-Rufen mächtig in Verlegenheit. „Das war hochnotpeinlich, eine Dimension wie eine Boygroup“, erinnert er sich. Was Ohrner richtig übel fand: Seine Jungenclique wollte ihn auf Ausflügen nicht mehr mitnehmen, zu viel Mädchen-Alarm. Trotzdem sei das wohl nichts im Vergleich dazu, wie heute „mancher durch die mediale Mühle gedreht wird. Du kannst es nicht kontrollieren, du wirst kontrolliert“.

Images des netten Schwiegersohns

Das Image des netten Schwiegersohns pappt an Ohrner wie die Wespen an seiner Apfelsaftschorle. „Ich bin einfach nicht der Bad Guy, bin nicht Charlie Sheen mit seinen Exzessen, sondern auf Konsens angelegt. Darauf ist mein Kompass ausgerichtet“, sagt er. Ausgerichtet ist er ebenso auf seine Familie. Er lebt mit seiner Frau, einer Eventmanagerin, in einem kleinen Ort im Münchener Süden und hat mit ihr drei Kinder.

Als ausgesprochener Familienmensch hatte er mit den Produktionszeiten von „Verbotene Liebe“ sehr zu kämpfen. Eigentlich sollte er die Rolle für ein Jahr übernehmen, daraus wurden dann drei Jahre. Die Studios befinden sich in Köln. Jede Woche pendelte Ohrner in den Jahren 2007 bis 2010 ins Rheinland und hatte mitunter das Gefühl, „eher mit der Lufthansa und Air Berlin als mit meiner Familie verheiratet zu sein“. Oft fuhr er freitags dann direkt vom Flughafen zu seinem langjährigen Arbeitgeber, dem Bayerischen Rundfunk. „Das pflege ich bewusst.“ Samstags moderiert er dort unter anderem die Morgensendung. Er schätzt das gute Team und auch die Freiheiten, die ihm der Sender lässt.

Drehen unter Hochdruck

Ganz anders lief die Arbeit in Köln ab. Das schnelle Produktionstempo war eine Herausforderung, vor allem für einen Schauspieler, der noch erlebt hat, dass an einem Drehtag nicht mehr als drei Minuten der späteren Sendezeit im Kasten waren. Bei der vom Publikum geliebten, von Kritikern als „Telenutella“ geschmähten Endlosserie mitgemacht zu haben, dazu steht Ohrner. „Das ist kein Fremdschämen. Mir war wichtig, dass die nicht jedes Thema angepackt haben.“ Täglich Hochleistung zu bringen, bedeutete für ihn, ein diszipliniertes Leben zu führen. „Abends nach der Arbeit versacken, das ging nicht. Ich habe einen hohen Respekt vor der Maschinerie.“ Natürlich verhehlt er nicht, dass ihm das Kontrastprogramm mehr Freude bringt. So hat er in der Kinoverfilmung von „Haus der Krokodile“ eine Gastrolle übernommen. „Ich habe das genossen, mit dem Regisseur mehrere Versionen einer Szene zu besprechen. Das fühlt sich gut an.“ Jammern möchte er nicht. „Die Fernsehwelt hat sich grundlegend gewandelt.“

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