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Stephen Wozniak Mister Apple-II

31.05.2010 ·  Er hob die PC-Branche aus der Taufe, verlor das Gedächtnis, verschenkte Millionen und kommt gut damit zurecht, dass immer einer vor ihm steht.

Von Stephan Finsterbusch
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Er hat viele Namen: „Vater des PC“, „Superhirn“ oder „Mister Apple-II“. Doch Stephen Wozniak mag es schlichter: „Nenn mich Woz.“ Er grinst. „Ich leg' keinen Wert auf Etikette.“ Der Mitbegründer von Apple weiß, wer er ist, was er tut und dass Geld und Ruhm allein auch nicht glücklich machen. Er wurde mit dem Börsengang seiner Firma in jungen Jahren sehr schnell sehr reich, aber ihm war klar, dass es immer einen gibt, der größer ist. „Steve ist so einer“, sagt er. „Der ist nicht einfach, aber er ist genial.“ Wozniak und Jobs waren das Duo, das in den siebziger Jahren Apple Computer gegründet, die PC-Industrie aus der Taufe gehoben und den größten Börsengang seiner Generation hingelegt hat. Wozniak war der Techniker und Denker, Jobs der Manager und Lenker. Jobs stand in der ersten, Wozniak in der zweiten Reihe. „Kein Problem für mich“, sagt Wozniak heute.

Nach einem Flugzeugabsturz stieg er aus allem aus. Das war Mitte der achtziger Jahre, und er war noch keine 35 Jahre alt. Seitdem hat er Dutzende Millionen von Dollar gestiftet, gespendet und verschenkt. Er hat viermal geheiratet und sich dreimal scheiden lassen, hat als Lehrer, Berater und Konzertveranstalter gearbeitet. Er trat in einer Celebrity-Tanzshow im Fernsehen auf, hat seine Autobiographie geschrieben, einige Unternehmen gegründet, an die Wand gefahren, neue Firmen gegründet.

Nun sitzt er in einem Frankfurter Hotel. Schwarze Jeans, schwarzer Pullover, schwarzes Jackett. Wozniak hat noch zwei Stunden bis zu seinem Auftritt auf einer Computerkonferenz. Er spricht von einer Firma namens Fusion-io, die an neuartigen Computerspeichern arbeitet. Er erzählt vom „Wahnsinn des E-Mail-Tsunamis auf seinem Laptop“, von iPod, iPhone und iPad. „Der ist eine Revolution, wie einst der Apple-II-Computer.“ Den hatte Wozniak mit 24 Jahren bis auf ein Detail eigenhändig entworfen. Damals wie heute versteht er sich als Ingenieur, nicht als Manager; damals wie heute ist er Großaktionär von Apple - und einer der größten Fans.

Er hat drei iPads, zwei iPhones und einen Mac-Book-Pro-Laptop

„Ohne Apple, wüsste ich nicht, was ich machen würde“, sagt er. Im Januar kaufte Wozniak drei iPads. Er hat zwei iPhones und einen großen Mac-Book-Pro-Laptop. „Steve hat ein tolles Team. Das macht tolle Produkte und ist sehr innovativ“, meint er. In den frühen Tagen von Apple bewunderte Jobs Stephen Wozniak, heute bewundert Wozniak Steve Jobs: „Steve kennt die Regeln, bedient sie und bricht sie, wenn es notwendig ist. Das kann danebengehen, oder nicht. Doch diese Risikofreude, gepaart mit knallharter Kalkulation, im Management ist sein Geheimnis.“

Eines seiner eigenen Geheimnisse hat Wozniak in einem schwarzen Büchlein. In feiner Handschrift steht dort die Software für den allerersten Apple-Computer. Geschrieben in der Programmiersprache Basic. Er schwärmt zwar noch immer von der Fortran-Programmiersprache. Doch er hatte Mitte der siebziger Jahre die Prozessoren des Apple-I-Computer mit einer eigenen Version von Basic in Gang gesetzt. „Ein Fehler“, wie er sagt. Hatte er doch in seinem Programm darauf verzichtet, Dezimalzahlen eintippen zu können. Damit habe er damals zwar einen Monat Zeit gewonnen, doch das Basic-Programm für den von ihm später geschaffenen Apple-II reichte nicht mehr aus. Dieses Programm kam dann auch von Microsoft. Dort wandte Bill Gates jene Gleitkommaarithmetik an, der Wozniak aus Zeitgründen abgesagt hatte. „Das Gates-Programm war besser“, erklärte Steve Jobs später. „War es wirklich“, sagt Wozniak. Bill Gates schrieb Softwaregeschichte, Wozniak blieben sein Notizbuch und der Spitzname „Mister Hardware“.

Als Fünftklässler die Matheaufgaben der Zehntklässler gelöst

Hinter ihm kommt Bewegung in die Hotelhalle: Ein Vorstand von Hewlett-Packard trifft ein. Der Portier reißt die Tür auf, Kameras blitzen, Wozniak fährt fort: „In der Schule löste ich als Fünftklässler die Matheaufgaben der Zehntklässler; zu Hause erklärte mir mein Vater die Steuerung von Raketen.“ Wozniak redet von Video- und Brettspielen und davon, wie der Personal Computer „aus dem Spiel heraus“ geboren wurde. „Als Teenager wollte ich die alte Schachaufgabe lösen, eine Tour des Springers über das Brett zu finden, mit der er jedes Feld nur einmal betritt.“ Er malt auf den Kaffeetisch ein paar unsichtbare Figuren. „Mit 11 hatte ich zwar eine Amateurfunkstation und mit 13 einen Taschenrechner gebaut. Doch erst die mathematisch knifflige Springertour hat mich zu den Computern gebracht. Es fasziniert mich bis heute.“

Er war 20, als er mit seinem Freund Bill Fernandez einen ersten Rechner konstruierte. Der war klein, hatte keine Tastatur und keinen Bildschirm. Der Input kam von einer Lochkarte, am Output standen Lämpchen. Kurz darauf las er im „Esquire“-Magazin eine scheinbar fiktive Story über Hacker, die Akustikcodes in Telefonkabeln knackten und so kostenlos telefonieren konnten. „Ich lief zu Steve. Der war begeistert. Wir kauften für 80 Dollar Widerstände, Kondensatoren und so, machten uns an die Arbeit, probierten, telefonierten und zapften mit der Box eine Leitung an.“ Es funktionierte. Fiktion wurde Realität. „Wir nannten den Kasten Blue Box, verkauften ein paar dieser Dinger und bekamen 150 Dollar je Stück.“ Aus Freunden wurden Partner, aus Basteln ein Multimillionengeschäft.

Noch vor seinem letzten College-Jahr in Berkeley nahm Wozniak eine Stelle bei Electroglas in Cupertino an, wechselte dann zu HP und baute dort Taschenrechner. Nach Feierabend werkelte er an einem Videospiel und bastelte an Computern. „Seitdem mag ich computeranimierte Actionfilme wie Star-Trek, Matrix oder Avatar“, sagt er. „Die zeigen einfach, was sein wird. Die zeigen die Welt von morgen.“ In der Welt von gestern stellte Wozniak 1975 im Kreis von „ein paar Enthusiasten des Homebrew Computer Club“ im Menlo Park zwei Rechner vor. Der erste ging in den Müll, aus dem zweiten wurde der Apple-I. „Mein Gesellenstück“, sagt Wozniak. Die Menlo-Park-Gruppe nannte ihn „das Superhirn“.

VW-Bus und Taschenrechner als Startkapital

Denn vor dem Apple-I hatte kein Minicomputer eine Tastatur und einen Bildschirm; nach dem Apple-I hatten es alle. Für den Apple-I warb Steve Jobs von einem Händler in Mountain View einen Auftrag über 50.000 Dollar ein. „Das war riesig“, sagt Wozniak. „Wir brauchten dafür eine Firma.“ Jobs verkaufte seinen VW-Bus, Wozniak seinen Taschenrechner. Mit dem Geld gründeten sie Apple Computer, holten mit Ron Wayn einen dritten Mann und legten im April 1976 los. Der im Holzgehäuse ausgelieferte Apple-I verkaufte sich bis Ende des Jahres 170 Mal.

Zu dieser Zeit saß Wozniak schon am Apple-II. Der kam ein Jahr später raus, hatte ein Plastikgehäuse, Grafik-, Farb-, Soundfunktion, später noch eine Maus. Die Maschine wurde anderthalb Jahrzehnte lang produziert und 2 Millionen Mal verkauft - an Freaks und Geschäftsleute, an Hausfrauen. Denn auf ihm liefen Videospiele, Text- und Kalkulationsprogramme gleichermaßen. Was zuvor noch kühlschrankgroße Firmenrechner machten, berechnete nun ein Minirechner von der Größe eines Toasters.

„Ich fand mich gut“

Apple war der aufgehende Star am Technikhimmel. Wozniak wurde „Mister Apple-II“ genannt. Er verließ HP, ging komplett zu Apple und konstruierte dort den späteren Macintosh-Computer. Investoren stiegen in die Firma ein und brachten sie im Dezember 1980 an die Börse. Binnen Tagen stieg ihr Wert auf 1,8 Milliarden Dollar. Jobs und Wozniak machten Millionen. „Ein gutes Gefühl.“ Wozniak lehnt sich im Sessel zurück. „Es hält bis heute an. Dabei hatte ich zuvor noch den Woz-Plan durchgezogen“, sagt er. „Ich wollte unsere 40 Ingenieure beteiligt sehen. Also verkaufte ich ihnen jeweils 2000 meiner Aktien für je 5 Dollar. Steve war dagegen. Ich fand mich gut.“

Acht Wochen später kam der Absturz. Mit seinem Privatjet legte Wozniak im Februar 1981 im Scotts Valley eine Bruchlandung hin. Er überlebte, konnte sich aber wochenlang an nichts erinnern. „Das Gedächtnis war weg“, sagt er. „Als ich wieder klar im Kopf wurde, stellte ich mir Fragen: Was will ich, was kann ich, was soll ich?“ Er nahm sich bei Apple eine Auszeit, machte 1983 in Berkeley seinen Abschluss in Informatik, ging als studierter Ingenieur zurück zu Apple und nahm sich 1985 noch eine Auszeit - auf unbestimmte Zeit.

„Ich wollte das machen, was ich für wichtig hielt“, sagt er. Anschließend lehrte er mehrere Jahre an amerikanischen Grundschulen, sponserte zahlreiche karitative Projekte, kaufte ein Kino, gründete ein Ballett und zwei Museen und finanzierte Hersteller von Navigationsgeräten oder Speicherchips. Doch das ist für ihn nicht wichtig. „Wichtig ist mir, dass mich die Welt einmal als den erinnert, der der Beste darin war, Chips zu einem Computer zu verbinden.“

Zur Person

Stephen Wozniak wird 1950 im kalifornischen Sunnyvale geboren. 1962 lernt er an der Homestead Highschool Steven Jobs kennen.

1971 baut Wozniak seinen ersten Computer, verlässt im Jahr darauf das College von Berkeley ohne Abschluss und arbeitet für HP.

1974 entwirft er den Apple-I und gründet ein Jahr später mit Steve Jobs Apple Computer.

1981 stürzt er mit seinem Privatjet ab. Er lässt sich von Apple beurlauben, macht seinen Universitätsabschluss, steigt bei Apple wieder ein, um 1985 ganz auszusteigen. Seitdem gründet er Firmen und tritt als Großsponsor auf.

Lesen Sie auch: Ich über mich: Stephen Wozniak

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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