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Stefan Zuschke : Der Spätberufene

  • -Aktualisiert am

Stefan Zuschke Bild: Jesco Denzel

Der Deutschlandchef des Finanzinvestors BC Partners sieht sein Leben als Serie glücklicher Zufälle. Heute würde er wohl nicht einmal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.

          Das dicke Fell sieht man Stefan Zuschke nicht gleich an, aber er muss es haben, trotz seiner hageren Statur. Wer in Stuttgart aufwächst und dennoch leidenschaftlicher und lebenslanger Anhänger des FC Bayern München wird, kommt ohne Schmähungen nicht davon. Und wer hierzulande BC Partners, eine der größten europäischen Beteiligungsgesellschaften (Private Equity), leitet, muss damit leben, vielleicht noch viele Jahre lang als Heuschrecke bezeichnet zu werden.

          "Die Debatte lässt mich relativ kalt, weil ich mit reinem Gewissen in den Spiegel schauen kann", sagt Zuschke, ohne dabei eine Spur jener Arroganz auszustrahlen, die so viele seiner Kollegen aus Amerika oder England vor sich hertragen. Als "Masters of the Universe" haben sie sich bezeichnen lassen, die großen Private-Equity-Manager - ein Titel, den Zuschke schon aufgrund seiner Herkunft und seines Werdegangs nie annehmen würde.

          Anders als die geschniegelten Jungdynamiker

          Er stammt aus einer grundbürgerlichen Familie, der Vater war Musiklehrer, der Großvater Beamter. "Schulden machen war bei uns absolut verpönt, das war des Teufels", sagt Zuschke. Er selbst hat in seinem Leben aber schon riesige Schulden gemacht; nicht für sich persönlich, aber zur Finanzierung der Unternehmen, die er für die Investoren von BC Partners gekauft hat. Es sind wohl diese Widersprüche, die Zuschke zu einem der nachdenklichsten Charaktere in einer Daueroptimismus ausstrahlenden Branche haben werden lassen. "Ein Kindheitstraum war es sicher nicht, Private-Equity-Manager zu werden", sagt er.

          Anders als die geschniegelten Jungdynamiker, die sich heute manchmal bei ihm bewerben und mit 23 Jahren schon die ganze Karriere vorgeplant haben, "bin ich im tiefsten Inneren faul", sagt Zuschke. Nach dem Abitur schnupperte er erst einmal in verschiedene Berufe hinein, probierte es mit dem Bäckerhandwerk und dann als Restaurantfachmann. "Das heißt im Grunde, ich habe gekellnert." Eine Banklehre bei der Stuttgarter Landesgirokasse machte er aus demselben Grund wie so viele andere Abiturienten auch: weil es eine solide Sache war. "Ich dachte, da kann man nicht viel falsch machen."

          Erst mit 24 Jahren habe er erstmals die Initiative ergriffen und sich für ein neues deutsch-spanisches Studienprogramm mit Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre beworben. Als Kind hatte er fünf Jahre mit seinen Eltern in Südamerika gelebt, sprach daher fließend Spanisch, das machte den zweijährigen Studienaufenthalt in Madrid so reizvoll.

          Viele Mythen, wenig Wahrheit

          Nach zwei weiteren Jahren an der Fachhochschule in Reutlingen folgte die wegweisende Entscheidung: eine Diplomarbeit über das damals in Deutschland noch kaum bekannte Wirken der Private-Equity-Branche. Damit war das Interesse geweckt, wenngleich Zuschke seine erste Stelle bei der Beteiligungsgesellschaft Equimark aus einem ganz anderen Grund antrat: Sein Arbeitgeber saß in München, der Stadt des geliebten FC Bayern. Seitdem hat die Private-Equity-Branche auch in Deutschland viele Gepflogenheiten der internationalen Finanzwelt angenommen, und Zuschke räumt freimütig ein: "Heute würde ich nicht mal zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen."

          Er hat seinen Platz längst gefunden. Das Büro in bester Lage in der Hamburger Innenstadt, wo BC Partners residiert und Zuschke seit Anfang 2008 die Leitung innehat, ist nur einen Katzensprung von der Binnenalster entfernt. Zwei Tage die Woche sei er vor Ort, um für das Team da zu sein, sagt er. Ansonsten gilt, dass sich um das Leben von Private-Equity-Managern viele Mythen ranken, manche davon jedoch einen wahren Kern enthalten. Etwa das ständige Pendeln zwischen New York, London, Hamburg und Frankfurt, zwischen Gesprächen mit Investoren und potentiellen Übernahmekandidaten, zwischen Dinner-Abenden, Cocktailpartys ("eindeutig keines meiner Lieblingshobbys") und Konferenzzimmern.

          Oder die vielen Tage mit 12, 13 oder mehr Arbeitsstunden. "Ich kann zum Glück eine Zeitlang auch gut mit wenig Schlaf auskommen", sagt er. Dann müssen drei bis vier Stunden in der Nacht ausreichen. Ein Ersatzhemd hat er nicht im Büro liegen, das wird, falls nötig, auf dem Flughafen erworben.

          An den Wänden hängen einige Fanartikel des FC Bayern und eine große Zeitungsgeschichte über zwei seiner Helden: den Torwart Oliver Kahn und den Pianisten Lang Lang. Wäre Zuschke ein Unternehmer, dann hätte er vielleicht sein geliebtes Klavier im Büro stehen, aber zu einer Private-Equity-Gesellschaft passen solche Freiheiten nicht. Alles muss sachorientiert wirken, "big business" eben.

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