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Veröffentlicht: 03.12.2012, 06:00 Uhr

Rosa Loy Ach, Sie malen auch?

Für die Gemälde von Rosa Loy zahlen Sammler viel Geld. Und doch steht die Malerin im Schatten ihres ungleich berühmteren Mannes.

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© Pein, Andreas Von der Botanik zur Kunst: Rosa Loy hat ihr Hobby zum Beruf gemacht.

Es gibt nicht viele Arbeitsplätze, wo Touristen an die Tür klopfen und fragen, ob sie sich mal umschauen dürften. Der von Rosa Loy ist so einer. Die Malerin hat ihr Atelier in der alten Baumwollspinnerei in Leipzig, einem Areal, auf dem bis Anfang der neunziger Jahre Garne produziert wurden. Später ließen sich Künstler und Galerien in den Fabrikhallen nieder. Was anfangs ein Geheimtipp unter Kunstkennern war, ist heute ein Publikumsmagnet. Spätestens seit der britische „Guardian“ die Spinnerei als „hottest place on earth“ bezeichnete, stehen die Backsteingebäude in jedem Reiseführer. Und die Touristen vor der schweren Metalltür, die zum Atelier von Rosa Loy führt.

Julia Löhr Folgen:

Drei Wörter sind es, die Kunstinteressierte aus aller Welt faszinieren: Neue Leipziger Schule. Eine Gruppe von Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, deren Stil nach der Wende international Aufsehen erregte. Rosa Loy ist eine dieser Malerinnen. Ihre Bilder, oft Frauen in mystischer Umgebung, kosten zwischen 5000 und 45000 Euro. Das ist viel in einer Welt, in der sich viele Künstler nur mit Nebenjobs über Wasser halten können. Und doch ist es wenig, zumindest im Vergleich zum prominentesten Vertreter dieser Gruppe, Neo Rauch, dessen Bilder für ein Vielfaches gehandelt werden. Das Besondere an der Konstellation: Rosa Loy ist die Frau von Neo Rauch.

Neulich in Wien

Es gehört zu ihrem Berufsalltag, dass sie bei jeder Gelegenheit auf ihren ungleich berühmteren Ehemann angesprochen wird. Wie kürzlich während einer Ausstellung in der Nähe von Wien, in der das Künstlerpaar zum ersten Mal gemeinsam seine Bilder präsentierte. „Ach, Sie malen auch?“, sagte ein Besucher zu Loy. Und weiter: „Meine Frau malt auch.“ Rosa Loy lacht, wenn sie von solchen Szenen erzählt. Es sei ja nett gemeint. Und doch hat man das Gefühl, dass sie es ein wenig leid ist, immer wieder „die Frau von“ zu sein.

Rosa Loy - Die studierte Gartenbauingenieurin zählt zu den renommiertesten Malerinnen der Gegenwart. Über ihren Karriereweg und das Zusammenspiel mit ihrem weitaus berühmteren Mann Neo Rauch spricht sie in Leipzig mit Julia Löhr. © Pein, Andreas Vergrößern Rosa Loy hat sich nach dem Studium an der Kunsthochschule einen Sammlerkreis aufgebaut.

Sie sitzt auf einem mit Farbe besprenkelten Stuhl in ihrem Atelier. Auf dem Tisch liegt anstelle einer Tischdecke ein Teppich, darauf einige schrumplige Äpfel und ihr iPhone. Auf dem Sofa schnarcht Mops Smilla, der zuvor noch auf dem glatten Atelierboden hin und her geflitzt ist. „Ein Partyhund“, sagt Loy. Auf ihrem Pullover hängen reichlich Hundehaare. Die Staffelei steht am anderen Ende des Raumes, gleich neben dem Fenster. Die Leinwand darauf wirkt fertig, aber Loy ist mit dem Bild noch nicht zufrieden. Manchmal dreht sie eine Leinwand für eine Weile um, verbannt sie aus ihrem Blickfeld, bevor sie weitermacht oder auch nicht. Das Malen an sich sei nicht so schwer, sagt Loy. „Man muss im richtigen Moment aufhören.“

Faible für Pflanzen

Überall im Atelier stehen Vasen mit Blumen, manche noch frisch, andere schon lange verblüht. Hinter dem Sekretär, an dem Loy ihre Skizzen fertigt, streckt sich eine Zimmerpflanze in Richtung Hallendecke. Loy hat ein Faible für Pflanzen. Es zieht sich durch ihre Bilder wie durch ihr Leben. Ihre Eltern hatten in der DDR eine Gärtnerei, Rosa Loy half als Kind oft dort mit. Nach der Schule bemühte sie sich dann um einen Studienplatz für Gartenbau, obwohl sie schon damals gerne zeichnete. Sie bekam den erhofften Platz, was einerseits an ihren guten Noten lag, aber auch daran, dass die Familie nicht gegen das politischen System aufbegehrte.

Nach ihrem Abschluss als Gartenbauingenieurin arbeitet Loy bei der Leipziger Stadtverwaltung. Eine Stelle in der Abteilung Umweltschutz. Loy fühlt sich dort alles anderes als wohl. „Es ging nur darum, irgendwie die Zeit rumzuschlagen und anderen Leuten die Arbeit zuzuschieben, die man selbst nicht machen wollte.“ Die Aussicht, so die nächsten 30 Jahre zu verbringen, schaudert sie. So nimmt sie ihr altes Hobby wieder auf, das Zeichnen, schreibt sich in der Abendschule der Hochschule für Grafik und Buchkunst ein. 1985 dann der Bruch mit dem Gartenbau: Mit ihrer während der Abendschule bestückten Bewerbungsmappe wird sie für ein reguläres Studium an der Kunsthochschule angenommen.

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