http://www.faz.net/-gyl-6vnzt

Robert Dekeyser : Er kann nur angreifen

Robert Dekeyser Bild: Pilar, Daniel

Als Fußballprofi begann seine Karriere. Eine schwere Verletzung beendete sie jäh. Seitdem baut Robert Dekeyser Rattanmöbel - mit großem Erfolg.

          Vor einiger Zeit gab es im französischen Fernsehen einen Bericht über Robert Dekeyser, den so erfolgreichen Möbelhersteller aus Deutschland. Selbstverständlich wurde in dem Bericht auch darauf hingewiesen, dass der gebürtige Belgier einst ein erfolgreicher Profi-Fußballspieler war, der unter anderem beim FC Bayern München im Tor stand. So weit, so richtig - auch wenn er als Ersatztorhüter beim deutschen Rekordmeister nicht mehr als einen Einsatz im DFB-Pokal-Achtelfinale 1986 absolvieren konnte. Dann aber erlagen die Fernsehjournalisten einer beliebten Verwechslung: Dekeyser sei außerdem als Teamchef mit der deutschen Nationalmannschaft Fußballweltmeister geworden, behaupteten sie. Das hat in Deutschland bislang jedoch nur einer geschafft: der Kaiser, Franz Beckenbauer.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dass Robert Dekeyser nicht Franz Beckenbauer ist, hat schon so manches Mal für Irritationen gesorgt. „Vor allem in Asien kommt es vor, dass ein Fußballfan bei meinem Namen hellhörig wird und glaubt, der Kaiser persönlich komme auf Besuch“, sagt Dekeyser und lacht. Weltmeister wie Beckenbauer ist Dekeyser aber nie geworden, und international ist er auch längst nicht so bekannt wie der Spieler aller Spieler aus Deutschland. Allerdings war die Profikarriere des Belgiers - der 1986 mit seinem Wechsel zu Bayern München innerhalb von Tagen auch deutscher Staatsbürger wurde - auch ziemlich früh beendet.

          Im Sommer 1990, Dekeyser war gerade 26 Jahre alt und stand inzwischen beim TSV 1860 München im Tor, zertrümmerte ihm ein Spieler die linke Gesichtshälfte mit dem Ellenbogen. Dekeyser wurde schwer verletzt, verlor fast sein Auge, lag wochenlang im Krankenhaus. Er haderte mit sich und seiner Zukunft. „Ich habe dann aus der Zeitung erfahren, dass mein Verein schon längst einen Nachfolger für mich engagiert hatte.“ Der Rekonvaleszent schloss daraufhin im besten Fußballspieleralter mit seiner Sportlerkarriere ab. Und das, obwohl er immer nur eines wollte: als Fußballer Karriere machen.

          Torwartkünste in der Tiefgarage

          Für diesen Berufswunsch habe es einen einfachen Grund gegeben, erzählt der heute 47 Jahre alte Dekeyser: „Frauen.“ So verkündete er mit gerade mal 15 Jahren im Englischunterricht, dass die Schule nichts für ihn sei. Er schmiss hin, weil er Profifußballspieler werden wollte, denn so, das hatte der Pubertierende erkannt, kam er „an die tollen Mädchen“ ran. „Ich wollte so schnell wie möglich die Frau fürs Leben finden und heiraten.“ Und das gelang ihm auch.

          Zunächst aber wurde er ein ziemlich guter Torwart, der nach einer zufälligen Begegnung mit Jean-Marie Pfaff in die Bundesliga wechseln konnte. Seinen belgischen Landsmann, damals Torhüter des FC Bayern München, traf er eines Tages in der Tiefgarage eines Hotels. Dort zeigte er Pfaff, was er konnte, kurz darauf wurde er schon vom Münchner Erfolgsclub unter Vertrag genommen. Mit den Bayern wurde Dekeyser 1987 deutscher Meister, allerdings ohne einen einzigen Bundesligaeinsatz.

          Zu dieser Zeit hatte er bereits seine große Liebe gefunden, seine Frau Ann-Kathrin. Später, nach Dekeysers Verletzung und Fußball-Aus, schmiedeten sie gemeinsam Zukunftspläne. „Meine Frau und ich waren schon immer viel lieber im Garten und auf der Terrasse“, erzählt Dekeyser. „Unsere Rattanmöbel aber, die wir so sehr mochten, gingen wahnsinnig schnell kaputt.“ So erfand der Belgier die Flechtmöbel neu mit einem Material, mit dem schon sein Großvater beruflich zu tun hatte, einem Kunststoff, aus dem unter anderem Griffe für Waschmittelpackungen hergestellt werden. Bis heute wird in Lüneburg unter der Leitung seines Onkels, Seppi Hummer, an der wetterfesten, licht- und hitzebeständigen Dedon-Faser mit dem Namen „Hularo“ getüftelt. „Hu“ steht dabei für den Namen seiner kunststoffproduzierenden Familie mütterlicherseits (Hummer), „La“ für den Anwalt, der das Namensrecht anmeldete (Latscha), „Ro“ für „rotin“, französisch für Rattan.

          „Ein Held wird schnell zum Depp“

          Mit einer Rolle des neu entwickelten und inzwischen tausendfach kopierten Polyrattans machte sich der Jungunternehmer in Begleitung seiner Frau und ihrer drei kleinen Kinder vor 18 Jahren auf den Weg nach Cebu. Die philippinische Insel ist berühmt für ihre Flechtkünstler. In sechs Monaten entstand das erste Outdoor-Wohnzimmer, für das Dekeyser wenig später, zurück in Deutschland, seinen ersten Großabnehmer fand: 1000 Sessel für eine Hotelanlage auf den Bahamas. „Binnen weniger Monate gingen alle Möbel kaputt, Hotelgäste verletzten sich sogar“, erzählt Dekeyser. Er gab nicht auf. „Ich kann nur angreifen.“ Das habe er als Fußballspieler gelernt. Und noch eines: „Ein Held wird schnell zum Depp.“

          Weitere Themen

          Die Unsichtbaren

          Wohnungslose Frauen : Die Unsichtbaren

          Wohnungslosigkeit ist längst kein männliches Problem mehr. Hierzulande steigt die Zahl betroffener Frauen dramatisch. Sie haben kaum eine Chance, eine neue Bleibe zu finden.

          Von den Toten auferstanden

          „Nachtschicht“ im ZDF : Von den Toten auferstanden

          In der Jubiläumsfolge seines „Nachtschicht“-Krimis treibt es der Regisseur Lars Becker auf die Spitze. Da stirbt ein Mann gleich zweimal, und die Verbrechensaufklärung ist fragwürdig. Das macht aber nichts. Im Gegenteil.

          Topmeldungen

          Die meisten Deutschen überschätzen die Stromkosten zum Aufladen eines Smartphones.

          Umfrage zu Energiekosten : Was kostet es, mein Smartphone aufzuladen?

          Viele Verbraucher können den Stromverbrauch einzelner Geräte nur schlecht einschätzen. Vor allem beim eigenen Smartphone gehen die Schätzungen der Deutschen weit an der Realität vorbei.
          Sie können es nicht mehr sehen? Von wegen: ARD und ZDF verwehrten Inhalte wie beispielsweise Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, für die sie selbst keine Verwendung mehr haben fröhlich weiter

          ARD und ZDF als Pay-TV : Geld verdienen mit goldenen Zeiten

          Das Beste der Siebziger, Achtziger, aber nicht von heute: ARD und ZDF gibt es jetzt auch als Bezahlangebot bei der Telekom. Öffentlich-rechtliches Programm hinter einer Bezahlschranke? Das wirft grundsätzliche Fragen auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.