http://www.faz.net/-gyl-uaii
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 22.01.2007, 10:16 Uhr

Richard Branson Der Hippie-Milliardär

Er würde Millionär werden oder im Gefängnis landen, sagte ihm einst ein Lehrer voraus. Richard Branson gelang beides. Und obwohl er heute ein weitverzweigtes Firmenimperium leitet, sind ihm Manager-Allüren fremd.

von
© AP Ein Mann, eine Marke: Richard Branson

Die Rolle des Außenseiters liegt ihm. Im britischen Geschäftsleben genießt Richard Branson seit Jahren den Status des bunten Paradiesvogels. Die üblichen Machtspiele in der Chefetage sind ihm fremd, mit den Statussymbolen eines Managers hat er nichts am Hut. Stattdessen verkörpert der blonde Bartträger mit seinen lockeren Auftritten schon rein optisch das Kontrastprogramm zur kühlen Nadelstreifen-Welt der Londoner City. "Ich bin nicht des Geldes wegen Unternehmer, sondern weil ich etwas Kreatives schaffen will, auf das ich stolz sein kann", lautet sein Credo.

Ulrich Friese Folgen:

Um diesen Anspruch zu untermauern, will Branson sich künftig als Umweltpionier profilieren und so von seinem geschäftlichen Umfeld deutlich abheben. Als Gründer des innovativen Schallplatten-Labels "Virgin Records" schaffte er einst in der Musikbranche den Durchbruch. Wenige Jahre später etablierte er sich mit seiner pfiffigen Fluglinie "Virgin Atlantic" in der Luftfahrtbranche und grub dabei dem nationalen Marktführer British Airways Kunden und Marktanteile ab. Jetzt tritt Branson mit seinem neuen Projekt "Virgin Bio Fuels" den Beweis an, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sind: "Nur wenn sich grüne Investments in Zukunft rechnen und von Unternehmen nicht mehr nur als gönnerhafte Wohltat deklariert werden, hat die Menschheit eine echte Chance zum Überleben", gibt sich der grüne Milliardär in einem Beitrag für "Newsweek" missionarisch.

Mehr zum Thema

Konzerneigenes Milliardenprogramm für den Klimaschutz

Vor drei Monaten sorgte der 56 Jahre alte Multi-Unternehmer für einen Paukenschlag, als er auf der New Yorker Konferenz der "Clinton Global Initiative" ein konzerneigenes Milliardenprogramm für den Klimaschutz ankündigte. Auf dem vom amerikanischen Ex-Präsidenten Bill Clinton gegründeten Forum schwor er seine Virgin Group darauf ein, in den nächsten 10 Jahren insgesamt 1,6 Milliarden Pfund (2,4 Milliarden Euro) in die Entwicklung von erneuerbaren Energien zu investieren. Die Mittel für Bransons ambitioniertes Projekt, das die kommerzielle Nutzung neuartiger, auf Alkohol basierender Bio-Treibstoffe vorsieht, speisen sich dabei aus den Gewinnen seiner Verkehrsunternehmen. Diese Palette reicht von Fluglinien ("Virgin Atlantic", "Virgin Express") und Eisenbahnen ("Virgin Trains") bis hin zum neuen Konzern-Ableger "Virgin Galactic", der ab 2008 steinreiche Touristen auf Kurzreisen ins Weltall schicken soll.

Der Hippie-Milliardär Ein Mann, eine Marke: Richard Branson © AP Bilderstrecke 

Dem britischen Wunderunternehmer gelingt fast immer, sich selbst und seine Marke "Virgin" wirkungsvoll in Szene zu setzen. Dafür musste er früher tief in die Werbe-Trickkiste greifen: Ob er einst fast nackt seine Autobiographie (Titel: "Wie ich meine Jungfräulichkeit verlor") vorstellte, als Transvestit für den Start des Brautmoden-Verleihers "Virgin Bride" die Trommel rührte oder gar als menschliche "Virgin Cola"-Dose den Marketing-Feldzug gegen den amerikanischen Branchenprimus einleitete - stets garantierten ihm die platten Solo-Auftritte die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit. Heute scheint die Ära der Selbstdarstellung vorbei. "Das Ziel, Virgin weltweit bekanntzumachen, ist erreicht", sagt er entspannt, "ich muss mich nicht mehr zum Affen machen, um für meine neuen Firmen zu werben."

Ein paar Stunden in der Zelle

Selbst Niederlagen im Geschäft steckt Branson jetzt locker weg, wenn er sich mit frischen Kräften der nächsten Herausforderung zuwendet. Dieser Umgang mit Rückschlägen zieht sich wie ein roter Faden durch seine Karriere. Als er mit 16 Jahren die englische Privatschule in Stowe ohne Abschluss verließ, wagte sein damaliger Rektor die Prognose: "Du landest entweder im Gefängnis oder wirst Millionär." Die Anekdote belegt, dass Branson früh unterschätzt wurde. Denn er schaffte beides. Er zählt mit einem Vermögen von geschätzt 4,5 Milliarden Euro zu den zehn reichsten Einwohnern im Vereinigten Königreich. Und als er sich in seiner Startphase sowohl als Verleger der Uni-Postille "Student" wie auch als Gründer eines Direktversandes für Schallplatten versuchte, saß er wegen Zollbetrugs tatsächlich für einige Stunden hinter Gittern. Doch den Ärger mit den britischen Behörden legte der findige Geschäftsmann durch freiwillige Nachzahlungen rasch zu den Akten. Nicht von ungefähr ließ er sich in dieser Phase zum Markennamen "Virgin" inspirieren. Die Schöpfung sollte seine damalige Unerfahrenheit im harten Tagesgeschäft symbolisieren.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wahlkampf in Amerika Zahlt Trump überhaupt Steuern?

Die Veröffentlichung von Hillary Clintons Steuererklärung erhöht den Druck auf Donald Trump. Warum schafft der Immobilien-Mogul keine Klarheit über seine Steuern? Mehr

13.08.2016, 11:22 Uhr | Wirtschaft
Amerikanische Luftfahrtbehörde Lizenz für Weltraumflüge erteilt

Die amerikanische Luftfahrtbehörde hat der Firma Virgin Galactic von Milliardär Richard Branson die Lizenz erteilt, mit ihrem Passagier-Raumschiff und zahlenden Kunden ins All zu fliegen. Wann genau das Spaceship Two den kommerziellen Betrieb aufnehmen wird, ließ die Firma noch offen, vor 2017 wird damit aber nicht gerechnet. Mehr

02.08.2016, 11:41 Uhr | Wirtschaft
E-Mail-Affäre Neuer Ärger für Clinton

In der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton sind weitere 15.000 Nachrichten aufgetaucht. Die Auswertung soll noch vor der Wahl abgeschlossen sein. Mehr

22.08.2016, 23:49 Uhr | Politik
Amerika Clinton attackiert Trumps Steuerpolitik

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton hat ihrem republikanischen Kontrahenten Donald Trump vorgeworfen, Steuerpolitik nur für Reiche zu machen. Es sei ein Mythos, dass Trump für den kleinen Mann auf der Straße sei, sagte Clinton. Von seinen Steuersenkungsvorschlägen würden nur wohlhabende Menschen wie er selbst und seine Unternehmen profitieren. Mehr

12.08.2016, 08:23 Uhr | Politik
Clintons E-Mail-Affäre Interessenvermischung im Amt

Die Konservativen lassen nicht locker in der E-Mail-Affäre. Neue Mails legen den Verdacht einer Interessenvermischung mit der Stiftung der Clintons nahe. Mehr Von Andreas Ross, Washington

23.08.2016, 17:54 Uhr | Politik