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Regina Ziegler Rote Teppiche und rote Zahlen

Sie ist die Grande Dame des deutschen Films - und eine überzeugte Unternehmerin. Um Drehbücher zu verfilmen, riskiert Regina Ziegler immer wieder ihr Vermögen.

© Andreas Pein / F.A.Z. Vergrößern Beinahe-Juristin: Regina Ziegler studierte zunächst Jura, lernte dann Dolmetscherin - und wurde am Ende Filmproduzentin.

Wer die Büroräume von Regina Ziegler betritt, fühlt sich sogleich in die Filmwelt versetzt. Ein roter Teppich führt durch den langgestreckten Flur der Altbauetage in Berlin-Charlottenburg. An den Wänden hängen Filmplakate, auf dem Samtsofa stapeln sich DVD-Schachteln. Die Szenerie wiederholt sich im Besprechungszimmer: auf dem Boden ein roter Läufer, an den Wänden Filmkunst. Als Regina Ziegler mit ihrem rotgefärbten Haarschopf und in einem wallenden schwarzen Hosenanzug mit lila Schal und lila Klunkern zum Gespräch erscheint, fehlt eigentlich nur noch das Blitzlichtgewitter der Fotografen für einen filmreifen Auftritt.

Die Achtundsechzigjährige ist so etwas wie die Grande Dame des deutschen Films. Vor fast vierzig Jahren gründete sie ihre Produktionsgesellschaft Ziegler Film. Heute ist ihr Name weithin bekannt, etwa durch Kinofilme wie „Fabian“ oder „Kamikaze 1989“, aber auch durch zahlreiche Fernsehserien wie „Weissensee“ und „Die Landärztin“. Die Liste der Auszeichnungen reicht vom Bundesverdienstkreuz über den Grimme-Preis bis hin zum amerikanischen Emmy. Doch in Regina Zieglers Karriere gibt es nicht nur glanzvolle Momente. Vom roten Teppich zu den roten Zahlen ist es nicht weit gewesen: Mehr als einmal blieb sie auf Verlusten sitzen, weil ein Film die Produktionskosten nicht wieder einspielte. „Ich habe das Haus meiner Mutter verkauft, mein eigenes Haus beliehen“, sagt sie mit ihrer rauchigen Stimme. Vom Weitermachen abgehalten hat sie das nie.

„Unsterblich in Mario Adorf verliebt“

Als Jugendliche ahnte sie von derlei finanziellen Widrigkeiten noch nichts, damals waren Filme für sie reinstes Vergnügen. Zieglers Mutter arbeitete nach dem Krieg für eine Lokalzeitung im Weserbergland und ging regelmäßig zu Filmvorführungen, um darüber zu berichten. Ihre Tochter durfte sie begleiten. „Mit zwölf habe ich mich unsterblich in Mario Adorf verliebt“, erinnert sich Regina Ziegler an diese Zeit. Seitdem ist ihre Leidenschaft für Filme entfacht. Für das Jurastudium, zu dem ihre Eltern sie später drängten, weil ihnen selbst eine akademische Ausbildung verwehrt geblieben war, entwickelte sie dagegen keine annähernd so große Leidenschaft: Nach einem Semester brach sie es ab.

Das lag gar nicht so sehr an der Materie, sondern in erster Linie am Studienort: „Berlin war so verführerisch“, erzählt Ziegler. „Ich hatte das Gefühl: Wenn ich Jura studiere, versaure ich im Gericht.“ Also vertrödelte sie einen Sommer in der Stadt und schlug sich mit diversen Jobs durch, nachdem sie von ihren enttäuschten Eltern kein Geld mehr bekam. Am Ende einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss: Ziegler erklärte sich bereit, eine Ausbildung zur Wirtschaftsdolmetscherin zu machen. Die Eltern waren zufrieden, und Regina Ziegler war es auch: Die Ausbildung dauerte nicht allzu lange und weckte in ihr die Hoffnung, danach im Ausland arbeiten zu können.

Der Zufall lenkte sie in eine andere Richtung

Als Dolmetscherin gearbeitet hat Ziegler gleichwohl nie. Just als sie auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch war, lenkte sie der Zufall in eine andere Richtung: Sie half einer Frau, die auf der Straße gestürzt war, ins Krankenhaus. Die hatte Kontakte zum Sender Freies Berlin (SFB), wo Ziegler bald darauf als Redaktionsassistentin anheuerte, oder als „Aktenschwanz“, wie sie es nennt. Es fing damit an, dass sie Kaffee kochte und Interviewgästen das vereinbarte Honorar brachte. Nach und nach bekam sie wichtigere Aufgaben übertragen, aber zufrieden war sie nicht: „Ich ackerte wie ein Berserker, aber die Lorbeeren durften immer die anderen ernten.“

So reifte der Entschluss, sich als Produzentin selbständig zu machen. 1973 war es so weit. Das Geld für ihren ersten Film, 100000 Mark, bekam sie unter anderem von ihrer Mutter, die sich mit den beruflichen Ambitionen ihrer Tochter mittlerweile arrangiert hatte. Die mentale Unterstützung kam von Wolf Gremm, einem Regisseur, den sie im SFB kennengelernt hatte und der heute ihr zweiter Ehemann ist. Gremm war es auch, der das Drehbuch zu Zieglers erstem Film schrieb und Regie führte. „Ich dachte, ich wäre tot“ erzählt die Geschichte eines Mädchens, das nach einem missglückten Selbstmordversuch sein Leben neu angeht. Der Film wurde sogleich mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

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