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Nadine Gordimer : Mandelas liebste Literatin

Nadine Gordimer Bild: Candice Searle

Jahrzehntelang schrieb Nadine Gordimer gegen das Apartheid-Regime in Südafrika an. Auch nach dessen Ende kämpft die Nobelpreisträgerin gegen Missstände.

          „Ich stecke in einer Krise“, sagt Nadine Gordimer mit einem selbstironischen Lächeln und stöhnt. Nirgendwo in Johannesburg gebe es mehr die Farbbänder für ihre gute alte Olivetti-Schreibmaschine. „Jetzt muss ich alles per Hand schreiben. Da ist zwar dieser Computer in meinem Arbeitszimmer und glotzt mich an, aber ich habe keine Ahnung, wie ich ihn bedienen soll.“

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die bekannteste Schriftstellerin Südafrikas und Literatur-Nobelpreisträgerin lebt in einem ehrwürdigen Kolonialbau in einem nicht minder ehrwürdigen Teil der einstigen Goldgräberstadt. Zum Haus und zu seiner Adresse passt, dass ein freundlicher schwarzer Gärtner gerade zum Tor geschlurft ist, um ins Wohnzimmer zu führen. Die Grande Dame der südafrikanischen Literatur, 88 Jahre alt, ist klein und zierlich. Sie trägt eine schlichte hochgeschlossene Bluse. Ebenso schlicht ist ihr Wohnzimmer eingerichtet. Noch nicht einmal ein Regal voller Bücher ist zu sehen. In einer Ecke steht die Bronzebüste des Philosophen Ernst Cassirer, des Onkels ihres verstorbenen Mannes Reinhold. Nadine Gordimer hat sich als Autorin - sie verfasste 14 Romane und unzählige Kurzgeschichten - und auch als Kritikerin des 1994 zu Ende gegangenen Regimes der Rassentrennung einen Namen gemacht. Nicht zufällig wollte Nelson Mandela die weiße Südafrikanerin treffen, kurz nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde.

          Normalerweise würde man von jemandem in diesem Alter und mit diesen Errungenschaften erwarten, dass er sich zur Ruhe setzt. Nicht so Gordimer. Im Moment investiert sie viel Zeit, um gegen einen Gesetzentwurf der Regierung zu protestieren. Dieser könnte die mühsam errungene Pressefreiheit in Südafrika zur Makulatur werden lassen. Was das bedeutet, hat Gordimer selbst erlebt. Drei ihrer Romane wurden von der früheren Apartheid-Regierung verboten. „Wir kehren in diese düstere Zeit zurück, als Informationen rigoros vom Staat zensiert wurden“, wettert sie, „wie damals wird argumentiert, dass die Sicherheit des Staates gefährdet sei. Das ist so ein Unsinn.“

          Südafrikanerin durch und durch

          Die Tochter von Einwanderern aus Litauen und Großbritannien sieht sich durch und durch als Südafrikanerin. Aufgewachsen im Minenstädtchen Springs, entwickelt sie schon im Alter von sechs Jahren eine Leidenschaft für das Lesen, schreibt als Jugendliche Kurzgeschichten. Uys Krige, ein Dichter mit guten Kontakten zu ausländischen Verlagen, entdeckt das Talent. Er veröffentlicht ihre Geschichten zunächst in einem südafrikanischen Journal und bietet sie später amerikanischen Verlagen an. 1951 druckt das angesehene Magazin „The New Yorker“ zum ersten Mal einen von Gordimers Texten. Viele weitere folgen.

          „Ich habe mir diesen Beruf nicht ausgesucht“, antwortet sie etwas spitz auf die Frage, was sie zum Schreiben bewogen habe. „Der Beruf hat mich gefunden.“ Das ist wohl auch der Grund, weshalb sie zeit ihres Lebens abgelehnt hat, irgendetwas anderes zu machen - selbst in harten Zeiten. Gordimer heiratet früh, wird Mutter, die Ehe scheitert. Sie muss sich und ihre Tochter selbst ernähren. Ein Freund schlägt ihr vor, Werbetexte zu verfassen. „Nur der Gedanke daran hat mich erschauern lassen.“ Sie arbeitet stattdessen an ihrem ersten Roman. Ihr Verdienst reicht nur für ein bescheidenes Leben. „Heute können sich junge Leute so etwas gar nicht mehr vorstellen, natürlich hatte ich kein Auto oder sonstigen Luxus.“ Vor allem im Ausland nimmt ihre Bekanntheit zu. In der Heimat dagegen wird ihr Name vielen erst ein Begriff, als sie 1991 den Nobelpreis erhält. Eine südafrikanische Zeitung titelt: „Geehrt im Ausland, vergessen zu Hause“.

          Zentrale Rolle Rassentrennung

          Gordimers Arbeit ist untrennbar mit ihren eigenen Erlebnissen verbunden. Die Rassentrennung spielt dabei eine zentrale Rolle. Anders als viele ihrer Zeitgenossen begreift sie früh, wie menschenverachtend diese Politik gewesen ist. „Da gab es diesen Vorfall, als ich zehn oder elf Jahre alt war. Eines Nachts stürmte die Polizei auf unser Grundstück. Sie jagte unsere schwarze Angestellte Letty aus ihrem Haus, durchwühlte ihr gesamtes Hab und Gut. Eine Alkohol-Razzia. Schwarze durften damals keinen Alkohol kaufen, daher wurde viel illegal gebraut. Die Polizei fand nichts, sie zog ab, ohne sich zu entschuldigen.“

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