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Mustafa Koç : Der neue Mann vom Bosporus

Wasserski fahren, reiten und segelfliegen

Auch wenn der bullig wirkende Mustafa Koç nicht so aussieht: Er ist sportbegabt, und er ist auch ein leidenschaftlicher Sportler. Er war Mitglied der türkischen Reiternationalmannschaft, er ist ein guter Taucher, fährt barfuß Wasserski, und in den Alpen wedelt er im Slalom die Hänge hinab. Nördlich von Istanbul trainiert er mit einem Deutschen für sein jüngstes Hobby. Beim Gleitflugzeug geht es darum, einen Segelflieger sekundengenau in der Luft zu halten und ihn präzise zu landen. Seine Mannschaft brachte es im vergangenen Jahr zum Vizeweltmeister.

Wenn er abschalten will, dann ist ihm sein weitläufiger Golfplatz in Maslak die Oase, in die er sich zurückzieht. Zweimal in der Woche kommt er hierher, nie lange. Dennoch rangiert er vor den meisten, die hier fast jeden Tag trainieren. Seine Freunde verblüfft das – und auch wieder nicht. Das Geheimnis seines Erfolgs sehen sie in seiner Fähigkeit, völlig abzuschalten und in sich selbst kehren zu können, sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können.

Rat und Informationen holt er natürlich auch ein, wenn er reist. Dann will er auch wissen, wo die guten Restaurants sind. Zwar lebt und isst er gesund. Da kommen die Gene des Großvaters und Vaters durch. Wie sie lehnt auch er das Rauchen entschieden ab. Die Gesundheit hat Vorrang. Manchmal aber genehmigt er sich ein richtiges amerikanisches Steak, ein andermal ist er mit chinesischer oder japanischer Küche zufrieden. Vielleicht steht er am Morgen nach einem kräftigen Steak etwas länger als sonst auf seinem Laufband zu Hause.

Gewichtiges Wort in der Politik

Überhaupt liegen ihm sein Zuhause und seine Familie am Herzen. Es muss schon viel geschehen, dass er abends nicht zu Hause ist, um noch Zeit für seine Töchter Esra und Aylin zu haben, bevor diese schlafen gehen. Mustafa Koç ist ein Familienmensch. Weder im Anzug noch im Polohemd spielt er den abgehobenen Snob, weder in der Holdingzentrale von Nakkastepe noch in der Freizeit auf dem Golfplatz. Direkt und ohne Floskeln geht er auf seine Mitmenschen zu. Für den Sicherheitsdienst an der Pforte hat er ebenso ein freundliches Wort wie für den großen Unternehmerkollegen.

Wenn er mit Menschen redet, offenbart sich sein phänomenales Gedächtnis für Personen, das sonst Politikern eigen ist. Immer wieder sind die Menschen verblüfft, dass er den Namen eines Enkels kennt und fragt, wie die Aufnahmeprüfung auf die Universität verlaufen ist, oder den Namen einer Tante, die krank war. Ein bisschen Politiker ist auch Mustafa Koç. Als Mitglied im Vorstand des mächtigen Industriellenverbands Tüsiad meldet er sich öffentlich zu Wort, wenn er mit einer Entwicklung nicht zufrieden ist oder wenn er etwas nicht gerecht findet. So war es wohl auch seiner Wortmeldung zuzuschreiben, dass vor drei Jahren der unter fadenscheinigen Vorwänden verhaftete Rektor der Universität Van, Yücel Askin, wieder freigelassen wurde.

Atattürks Wachsfigur gerettet

Manches erledigt Mustafa Koç aber auch ohne das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Jahrzehnte waren die meisten Türken unglücklich über Atatürks Wachsfigur im Kabinett von Madame Tussaud. Nichts änderte sich. Dann beklagte sich wieder einmal ein hochrangiger General gegenüber Mustafa Koç über das Bild, das diese Figur abgebe. Diskret nahm sich Koç der Sache an. Er sorgte dafür, dass im Mausoleum von Ankara Atatürks Maske abgenommen werden konnte, dass sie die Grundlage für eine neue Wachsfigur wurde und dass im vergangenen Jahr die alte Figur endlich ausgetauscht wurde. Als Mustafas Großvater in Ankara den Grundstein für die Familienholding legte, baute dieser Atatürk ebenfalls in Ankara die neue Türkei. Mustafa Koç sieht sich in der Tradition beider. Und doch steht er zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch für die junge, dynamische Türkei.

Zur Person:

- Mustafa Koç wird 1960 in Istanbul als der älteste von drei Söhnen von Rahmi Koç geboren.

- Nach dem Abitur an einem Schweizer Internat studiert er an der George Washington University Betriebswirtschaftslehre und schließt 1984 mit einem B.A. ab.

- Nach der Rückkehr in die Türkei steigt er in der Familienholding auf. Er beginnt in der Autogruppe Tofas, 1996 wird er Vorsitzender der Bau- und Bergbaugruppe.

- 2003 löst er seinen Vater als Vorstandsvorsitzenden der größten türkischen Familienholding ab.

Quelle: F.A.Z.

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